Causa Massombo? "Wird im Sand verlaufen"
Der Fall Massombo beschäftigt auch die Spielerberater des Landes. Max Hagmayr und Co. haben eine klare Meinung.
Fabio Ingolitsch ist mit massiven Vorwürfen seines Ex-Klubs SCR Altach konfrontiert.
Der Trainer von Sturm Graz avancierte in der Causa um den streikenden Altach-Profi Yann Massombo zum Buhmann, weil er mit seinem ehemaligen Spieler vor dem direkten Duell über einen Wechsel nach Graz sprach.
Während Altach sich rechtliche Schritte vorbehielt, schließen erfahrene Spielerberater weitreichende Konsequenzen aus.
"Wäre stinksauer"
"Es ist gang und gäbe, dass durch die Gegend telefoniert wird. Trainer sprechen mit Spielern, Vereine sprechen mit Spielern, die noch unter Vertrag sind, das ist völlig normal. Manchmal macht man das vielleicht ein wenig klüger über die Berater", erklärte Spielerberater Max Hagmayr der APA.
Die Aufregung von Altacher Seite sei verständlich. "Irgendjemand muss ja den Schwarzen Peter haben. Ich wäre als Verein stinksauer."
An Konsequenzen für Sturm oder Ingolitsch glaubt Hagmayr aber nicht. "Es wird alles im Sand verlaufen. Es wird weder zu beweisen sein, dass der Trainer Ingolitsch Vertragsgespräche geführt hat, noch dass er den Spieler dazu animiert hat, zu streiken. Der Kontakt kurz vor dem Spiel war, wenn es so war, jedoch höchst ungeschickt."
Schaltet Altach den Senat 2 oder die FIFA ein?
Ingolitsch sprach am Rande des Spiels, das sein Team am Samstag 1:0 gewann, von einem branchenüblichen Vorgang während der Transferzeit. Der Wortlaut des Gesprächs mit Massombo ist weiter nicht bekannt. "Ich glaube, wir haben uns da nichts zu Schulden kommen lassen", erklärte auch Michael Parensen, der Geschäftsführer Sport von Sturm.
Altach kündigte an, arbeitsrechtliche Schritte gegen den Spieler sowie rechtliche Schritte gegen Sturm zu prüfen. Möglich wäre der Gang vor den Bundesliga-Senat 2, den Schlichtungs- und Kontrollausschuss. Laut Bundesliga-Angaben ist das bisher nicht erfolgt. Laut der "Krone" überlegt Geschäftsführer Christoph Längle, den Fall bei der FIFA in Zürich anzuzeigen.
"Gedächtnis des Profifußballs ist ein kurzes"
Gemäß ÖFB-Regulativ hat ein interessierter Verein den aktuellen Verein vor der Aufnahme der Vertragsgespräche mit dem Spieler nachweislich zu informieren. Das ist, wie beide Seiten bestätigten, nicht erfolgt.
Fraglich ist jedoch, ob eine Kontaktaufnahme durch den Trainer schon unter ein Vertragsgespräch fällt. "Es ist nichts Verwerfliches daran, dass Sturm Interesse an einem Spieler hat. Hier geht es vor allem um den Zeitpunkt und die Reaktion des Spielers, der streikt", meinte Hagmayr.
Ihm stößt vor allem das Verhalten Massombos sauer auf. Langfristige Folgen sieht er jedoch für keinen der Beteiligten. "Das Gedächtnis des Profifußballs ist ein kurzes."
Berater sprechen von "Charakterschwäche"
Für Spielerberater Frank Schreier ist die Aufregung völlig unverständlich.
"Es darf jeder mit jedem reden. Wichtig ist nur, dass sechs Monate vor Vertragsende kein neuer Vertrag unterschrieben wird. Ich will keine Partei ergreifen, aber für mich ist dieser Wirbel ein völliger Schwachsinn", sagte der Spielerberater zu Salzburg24.
"Es ist völlig normal, dass sich ein Trainer mit einem Spieler über einen möglichen Wechsel unterhält. Wo kommen wir denn hin, wenn Gespräche verboten werden?", meinte Schreier.
Wie Branchenkollegen, die namentlich nicht genannt werden wollten, kritisiert auch er das Verhalten des Spielers, der seine Mannschaft und den Klub im Stich gelassen habe. "Wenn man so etwas tut, zeugt das von Charakterschwäche."