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LASK zwischen Fan-Frustration und -Euphorie

Die nagelneue Raiffeisen Arena in Linz entwickelt sich immer mehr zur Heimfestung des LASK. Die Linzer Fans sind euphorisiert, aber auch frustriert.

LASK zwischen Fan-Frustration und -Euphorie Foto: © GEPAGEPA

Eigentlich sollte im LASK-Anhang zurzeit alles eitel Wonne sein.

Die Linzer Fans dürfen seit Februar 2023 mit der Raiffeisen Arena Linz ein hochmodernes Stadion ihr Zuhause nennen, sportlich ist man in der Stahlstadt nach einer verkorksten Vorsaison auf dem besten Weg zu einer Top-3-Platzierung und von Skandalen außerhalb des Platzes blieb der LASK zuletzt auch endlich mal verschont.

Dennoch gibt es aktuell gleich mehrere Themen abseits des Sportlichen, die das Linzer Fan-Dasein erschweren.

BWT-Einfluss wird kritisch beäugt

Zum einen ist da natürlich der Dauer-Streitpunkt BWT und die Rolle, die der Sponsor beim LASK einnimmt.

Der oberösterreichische Wasser-Technologie-Konzern fungiert seit 2020 auch als Ausstatter der Stahlstädter und hat in dieser Funktion neben Fan-Utensilien, Dressen der Einlaufkinder und Trainer-Monturen unter anderem auch eines der LASK-Auswärtstrikots pink eingefärbt.

Gegen diese vermeintliche Vereinnahmung durch BWT wird im Linzer Fanblock seit Jahren unter dem Motto "Dressen nur in den Farben, die uns die Gründerväter gaben!" erfolglos protestiert.

Den Linzer Fan-Vertretern, die aufgrund dieser Thematik immer wieder Gespräche mit jenen des Vereins suchen, wird oftmals die kalte Schulter gezeigt. 

In einer Phase, wo Geld für das Stadion aufgetrieben werden muss, können wir uns nicht erlauben, einen wichtigen Sponsor zu verärgern.

LASK-Geschäftsführer Andreas Protil

Als 2021 im Europa-Conference-League-Spiel gegen HJK Helsinki entgegen anderslautender Versprechungen erneut in pink gekickt wurde, kam es schließlich zu einem Treffen zwischen der "Initiative Schwarz-Weiß", die für eine Beibehaltung der traditionellen Klubfarben einsteht, und LASK-Geschäftsführer Andreas Protil.

Dieser gab dabei zu, dass die Trikotfarbe in Finnland eine Vorgabe von BWT war. Ein bezeichnendes Zitat von Protil aus dem Statement der Initiative: "In einer Phase, wo Geld für das Stadion aufgetrieben werden muss, können wir uns nicht erlauben, einen wichtigen Sponsor zu verärgern."

Verhindern zu hohe Ticketpreise ein volles Stadion?

Zum anderen warf die Stadionneueröffnung weitere Themen auf, die die Fronten zwischen dem harten Kern der LASK-Anhänger und der Vereinsführung rund um den oftmals etwas exzentrischen Präsidenten Siegmund Gruber weiter verhärteten.

Beim Auswärtsspiel in Altach machten die LASK-Fans ihrem Unmut Luft
Foto: © GEPA

Schon bevor in der Raiffeisen Arena erstmals der Ball rollte, sorgte die Ticketpolitik für großen Aufruhr: Mit Preisen für die Sitzplatzsektoren, die bei 35Euro beginnen und bei 80 Euro aufhören, wird vom LASK-Ticketing nicht nur im Bundesliga-Vergleich eine enorm hohe Summen verlangt.

Zudem wurde für die ersten beiden Bundesliga-Spiele in der neuen Arena gegen Austria Lustenau und Red Bull Salzburg nur ein Doppel-Abo statt Einzeltickets verkauft; die Möglichkeit, am Matchtag direkt beim Stadion Tickets für das jeweilige Spiel zu erwerben, gibt es bis heute nicht - dies ist nur online möglich.

Diese Umstände führten womöglich dazu, dass das 19.080 Plätze fassende Stadion auf der Linzer Gugl in der Meisterschaft bis heute noch kein einziges Mal ausverkauft war.

Zwar kann sich der bisherige Zuschauerschnitt von gut 15.000 aus den ersten vier Auftritten des LASK in der Raiffeisen Arena mehr als sehen lassen, die ausverkauften ÖFB-Länderspiele gegen Aserbaidschan und Estland, für die Doppelabos zu einem Preis, der nur unwesentlich höher als jener der Tagestickets für ein LASK-Spiel war, angeboten wurden, zeigen allerdings, dass das Potenzial für ein volles Haus in Oberösterreichs Landeshauptstadt durchaus gegeben wäre.

Auch beim Kracherspiel gegen Rapid am vergangenen Wochenende war die Arena mit 17.650 Zusehern eigentlich fast komplett gefüllt. Da allerdings die Oberrangsektoren N14 und N15 auf Höhe der Mittellinie aufgrund von noch verfügbaren Plätzen in anderen Sektoren nicht in den Verkauf gingen und stattdessen mit Werbebannern überhangen wurden, wirkte das fast volle Stadion deutlich leerer, als es tatsächlich war.

Sitzplätze teurer, damit die Stehplätze billiger sind

Das Linzer Fan-Kollektiv "Landstrassler" griff diese Thematik vor der Partie gegen Lustenau in einem Brief an den Verein, in dem um ein Umdenken bei der Ticketpolitik gebeten wurde, auf, bekam laut eigenen Angaben allerdings keine Reaktion zurück.

Erst als die "Krone" nachbohrte, gab es eine Erklärung für die hohen Ticketpreise. Diese wurden mit einem günstigen Saisonabo auf der Stehplatztribüne gerechtfertigt. "Um derlei günstige Abo-Angebote zu ermöglichen, sind auch höherpreisige Angebote notwendig, wie etwa bei den Tagestickets", hieß es von Seiten des LASK.

Dass die Ticket-Frage beim LASK momentan eine heikle ist, zeigt auch die Reaktion von Dietmar Kühbauer auf die Nachfrage von LAOLA1, wie sehr es ihn denn ärgere, dass die Raiffeisen Arena trotz perfekten Fußballwetters und einem attraktiven Gegner beim Heimspiel gegen Rapid erneut knapp nicht ausverkauft war, da viele Linzer es sich wohl nicht leisten möchten und können, um diese Preise einem Bundesliga-Spiel beizuwohnen.

"Ich weiß nur, dass die Menschen, die da waren, eine Riesen-Freude hatten, weil man einen sehr guten Fußball gespielt hat. Die Frage müssen Sie jemand anderem stellen, ich bin nur für das Sportliche zuständig", weicht der Burgenländer, der normalerweise zu so gut wie jedem Thema eine ehrliche Meinung hat und diese auch kundtut, dieser Debatte aus.

Dauerclinch mit den "Landstrasslern" spitzt sich zu

Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich das Verbot für die "Landstrassler", einen Verkaufsstand - wie aus Pasching gewohnt - innerhalb des Stadions zu errichten, an dem eigene Fan-Utensilien verkauft werden.

Ein stattdessen errichteter Infostand als Protest gegen diese Maßnahme an selbiger Stelle musste laut "Landstrassler"-Stellungnahme noch während des Spiels gegen Sturm Graz unter Androhung von Konsequenzen für zwei nicht eingeweihte Vereinsmitarbeiter entfernt werden.

Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob ein Verkaufsstand einer Fan-Gruppierung, von dessen Erlös der Verein keinen Cent sieht, innerhalb eines Stadion existieren und damit in Konkurrenz zum offiziellen Fan-Shop stehen soll. Die Art und Weise, wie diese Situation aufgelöst wurde, lässt allerdings eine gezielte "Racheaktion" vonseiten des Vereins vermuten, die die aufmümpfigen "Landstrassler" vermeintlich zum Schweigen bringen sollte. 

Raiffeisen Arena wird immer mehr zur Heimfestung

All diese Streitigkeiten und Misstöne haben sich bis dato allerdings nicht auf den Support der Mannschaft ausgewirkt. Die Linzer Stehplatztribüne war bisher bei jedem Heimspiel prall mit top-motivierten Fans gefüllt; in Österreichs Stadien findet man momentan kaum stimmungsvollere Heimatmosphären.

Die Raiffeisen Arena ist auf dem besten Weg, eine Heimfestung zu werden
Foto: © GEPA

"Der Sturm-Sieg (2:1 in Runde 24, Anm.) hat uns allen nochmal richtig Power gegeben und die Mannschaft mit den Fans zusammengeschweißt. Wir haben immer betont, dass die Verbindung zwischen Fans und Mannschaft nochmal enger werden soll. Das war in Pasching schon gut, aber hier ist es nochmal was anderes", spricht Philipp Ziereis die wiederentdeckte Linzer Heimstärke an.

In den neun Paschinger Heimspielen dieser Saison wiesen die Oberösterreicher eine Siegquote von 44,4 Prozent auf; in den vier Heimspielen seit dem Umzug liegt sie bei 75 Prozent. Einzig Liga-Krösus FC Red Bull Salzburg konnte den LASK bisher in seiner neuen Heimat bezwingen.

Nakamura: "Zuerst war es fast wie ein Auswärtsspiel, aber dann..."

Am deutlich größeren Platz in der Raiffeisen Arena können die schnellen Linzer Offensivspieler ihre Stärken noch besser ausspielen, da sie schlicht mehr Raum zur Entfaltung bekommen. Einer dieser schwarz-weißen Wirbelwinde, Keito Nakamura, fühlt sich - nach etwas Anlaufproblemen - auf seiner neuen Spielwiese schon richtig wohl.

Die ersten beiden Spiele gegen Lustenau und Salzburg waren noch ein bisschen wie Auswärtsspiele. Aber gegen Sturm sind wir gemeinsam mit den Fans wie ein Team aufgetreten. Bei diesem Spiel ist sie so richtig zu unserem Heimstadion geworden.

Keito Nakamura über die Raiffeisen Arena

"Die ersten beiden Spiele gegen Lustenau und Salzburg waren noch ein bisschen wie Auswärtsspiele, weil es so einen großen Unterschied zwischen Pasching und der Raiffeisen Arena gibt. Aber gegen Sturm sind wir gemeinsam mit den Fans wie ein Team aufgetreten. Bei diesem Spiel ist sie so richtig zu unserem Heimstadion geworden", verriet der Japaner erst kürzlich gegenüber "Bundesliga.at".

Auch der schlechte Zustand des Rasens in der Raiffeisen Arena, der zunächst für einige Probleme unter den Spielern sorgte und unter anderem ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick Sorgen bereitete, gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Das Linzer Geläuf leuchtet mittlerweile an allen Stellen in einem gesunden Grün und wirkt perfekt bespielbar.

"Der Platz, der in den letzten Wochen immer kritisiert wurde, war heute sehr gut, den haben sie sehr gut hinbekommen", bestätigt Sascha Horvath nach der Rapid-Partie diese Wahrnehmung. Dem Mittelfeldspieler macht es "einfach Spaß, hier zu spielen, vor dieser vollen Hütte".

Die Euphorie beim LASK könnte momentan also eigentlich größer kaum sein - es wäre schade, wenn sie durch unnötige Zankereien zwischen Fan- und Vereinsseite, die wenig mit dem Fußball an sich zu tun haben, in Zukunft gebremst werden würde...

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