"Vom Verlauf ist es brutal bitter", so Zaric. "In der zweiten Halbzeit waren wir ordentlich. Das Problem, das uns schon seit Wochen verfolgt, ist: Der letzte Pass, die Chancen verwerten - das war ungenügend."
Als Altach traf, in Minute 68 durch Mike Bähre, da war es Abseits. Auch das war ein Muster. "Sie hatten hinten extreme Räume, wir sind oft hinter die Kette gekommen - aber leider zu früh reingelaufen", so Greil.
Dass Lustenau etwas angeboten hätte, ließ Greil am meisten verzweifeln. "Wir hätten die Möglichkeiten gehabt, aber sie nicht genutzt. Sie waren sehr effizient, wie gefühlt jeder Gegner gegen uns momentan."
Unzufriedene Fans
Am Ende steht nicht nur die Derbyniederlage, sondern auch die Rote Laterne in Altach. Der vollbesetzte Gästesektor tat seine Meinung unmissverständlich kund - es gab Pfiffe, "Kämpfen, Altach, Kämpfen!", wurde gefordert.
"Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir nicht gekämpft haben", so Zarić. "Dass du - wenn du vor der Pause das 0:2 gekriegt hast - nicht vor Sicherheit strotzt, ist klar. Am Ende musst du die Fans aber auch verstehen."
Greil konnte ebenfalls nachvollziehen, dass der Anhang unzufrieden ist. Die Fans hätten extrem viel Energie hineingebracht, das sei auch übergeschwappt. "Ich kann nachvollziehen, dass man in der prekären Situation momentan als Fan auch sehr enttäuscht ist", so Greil.
Der selbst war ohnehin unzufrieden. Wie sehr es denn brenne? "Es brennt ordentlich", meinte. Weil die Leistungen bislang grundsätzlich gepasst hätten, man es aber nicht geschafft habe, Punkte daraus zu ziehen. Greil sagte: "Drei Punkte sind zu dem Zeitpunkt der Saison schon sehr wenig."
Zarić wohl fest im Sattel
Das weiß auch Trainer Zarić. Er nehme sich sicher nicht aus der Verantwortung, meinte er. Er sei verantwortlich, und müsse vorangehen. Dass eine dreiwöchige Länderspielpause prädestiniert ist, um Trainerwechsel vorzunehmen, ist ihm ebenfalls bewusst - er spüre aber die Rückendeckung. Auch Sportdirektor Philipp Netzer bestätigte im Sky-Interview, dass Zarić definitiv Trainer bleibe.
Spannend war aber, was die beiden noch sagten. Zarić etwa unterstrich im TV-Interview erneut, auf bestimmten Positionen Probleme zu sehen. In der Mixed Zone sagte er: "Auf ein paar Sachen habe ich sehr früh hingewiesen, damit es nicht diese Richtung nimmt." Auf Nachfrage konkretisierte er: "Wir haben eine Stürmerthematik, das können wir nicht wegdiskutieren."
Zu viel in Altachs Offensivspiel ist darauf ausgerichtet, dass Zauberer Greil seine Magie abruft. Mit Yann Massombo hat sich der treffsicherste Stürmer mit einem Streik zwischenzeitlich selbst aus dem Spiel genommen, Marko Raguz ist wieder verletzt. Gerade einmal fünf Tore hat Altach in sieben Spielen erzielt, Minuswert der Liga.
Gemeinsam aus der Krise?
Netzer hingegen verteidigte den Kader auf Sky, mit diesem könne man in der Bundesliga eine gute Rolle spielen. Netzer sagte auch: "Wir haben dieses Spiel in der Trainingswoche verloren - wir haben es nicht geschafft, die Spieler so vorzubereiten, dass wir dieses Derby annehmen können."
Das klang wie eine starke Kritik am Trainerteam, was auch Sky-Experte Ramazan Öczan so sah. Netzer hingegen sprach davon, dass man sich als ein Team sehe - und dass probiert werde, von außen einen Keil zwischen Trainer und sportliche Leitung zu treiben. Es bedarf nach den Aussagen zumindest einiger Fantasie, zu glauben, dass diese Zusammenarbeit bisher harmonisch verlaufen wäre.
Man müsse an Stellschrauben drehen, meinte Zarić jedenfalls, die lange Länderspielpause komme da gelegen.
"Der Weg kann jetzt nur gemeinsam raus gehen. So langweilig es klingt: Wir müssen das richtig analysieren und gestärkt aus der Pause rausgehen."