Fink: "Ich kann nicht zaubern"

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Die Wiener Austria kann mit einem Sieg gegen AEK Athen am letzten Spieltag der Europa-League-Gruppenphase (Do., LIVE ab 19:00 Uhr im LAOLA1-Ticker) eine bisher über weite Strecken enttäuschend verlaufende Herbstsaison retten und im Europacup überwintern.

"Für die Jungs ist es ein Highlight, wieder einmal in einem Spiel etwas gewinnen zu können", weiß Trainer Thorsten Fink.

Ein Mitgrund, warum die Veilchen vor allem in der Liga deutlich hinterherhinken, ist das Verletzungspech.

Der 50-Jährige übt in diesem Zusammenhang aber auch Kritik an der Kaderpolitik. "Wenn man Revue passieren lässt, wen wir zugunsten junger Spieler abgegeben haben…", so der Deutsche.

Im LAOLA1-Interview geht der Austria-Trainer näher darauf ein und spricht zudem über das "EL-Finale" gegen AEK Athen.

LAOLA1: Herr Fink, am Donnerstag steigt das "Endspiel" in der Europa League gegen AEK Athen. Läuft die Vorbereitung auf dieses Duell anders, weil man unbedingt gewinnen muss?

Thorsten Fink: Natürlich muss man schauen, was man am besten macht, wie man das Match anlegt: Geht man voll auf Angriff, wartet man zunächst erst ab. Daher bereitet man sich ein bisschen anders als sonst vor. Wir müssen schließlich gewinnen. Aber wir wollen sicher nicht ins offene Messer laufen, sondern mit einer Art kontrollierter Offensive spielen. Die Jungs sollen sich auf dieses Spiel aber auch freuen und es genießen. Wir haben uns dieses Endspiel mit dem Sieg in Rijeka und dem Unentschieden in Athen erarbeitet. Wir können aus eigener Kraft aufsteigen, und das wäre für den Klub und für die Spieler sensationell. Nachdem die Saison nicht so gut läuft, ist es für die Jungs ein Highlight, wieder einmal in einem Spiel etwas gewinnen zu können. Für die Moral war der späte Ausgleich gegen RB Salzburg ganz wichtig. So etwas hat die junge Mannschaft wieder einmal gebraucht. Wenn man hart arbeitet, kommt etwas zurück. Das war gegen Salzburg der Fall. Red Bull ist im Moment übermächtig, war gegen uns ein Stück besser, aber wir haben unsere Chance genutzt.

LAOLA1: Austria wartet im Europacup seit sieben Heimspielen auf einen Sieg. Wäre eure Zuversicht größer, wenn die Partie in Athen gespielt werden würde?

Fink: Nein, glaube ich nicht. Es ist schon schöner, das daheim machen zu können. Es ist ja jetzt nicht so, dass wir zuhause überhaupt keine Spiele gewinnen. Mir ist aber bewusst, dass wir sehr auswärtsstark sind. Aber klar, wenn man das Thema Heimschwäche immer hochstilisiert, kann man sich das schon einreden. Aber das muss man nicht. Ich denke, wir haben keinen Heimkomplex.

"Das Problem ist, dass fünf Spieler aus der Abwehr fehlen - dazu unser Tormann. Das kann keine Mannschaft der Welt ausgleichen. Wir haben die ganzen Ausfälle durch viele junge Spieler ersetzt. Dann muss man damit rechnen, dass wir nicht ganz oben mitspielen."

Fink über Verletzungsmisere

LAOLA1: AEK hat einen  Lauf, ist griechischer Tabellenführer und in der Gruppenphase noch ungeschlagen. Wie werdet ihr diese Truppe knacken?

Fink: Wir haben schon gezeigt, dass wir mit Athen mithalten können. Ich denke nicht, dass sie im ersten Aufeinandertreffen besser waren und wir glücklich 2:2 gespielt haben. Sie haben durch ein Abseitstor den Ausgleich erzielt. Ich denke, die Mannschaft und ihr System liegt uns. Kadiri kehrt bei uns in die Abwehr zurück, dadurch hat Holzhauser wieder mehr Freiheiten im Mittelfeld. Zudem fallen bei AEK mit Jakob Johansson und Petros Mantalos zwei wichtige Spieler aus. Gerade mit Mantalos verlieren sie ihr Herzstück. Der Kapitän ist meiner Meinung nach ihr Topspieler.

LAOLA1: Sie werden gegen Athen die Mannschaft gegenüber dem Salzburg-Match wieder verändern. Aufgrund der Personalsituation konnte heuer fast nie mit der gleichen Startelf gespielt werden. Wie zermürbend ist für Sie dieser Umstand?

Fink: Ich suche immer die richtige Mischung. Gegen Salzburg hätte ich jetzt nicht unbedingt Blauensteiner als Innenverteidiger bringen müssen, sondern Stark dort lassen können. Doch ich hatte das Gefühl, dass wir einen guten Spielaufbau benötigen. Das kann Blauensteiner eben besser als der eine oder andere, der noch zur Verfügung steht. Unsere Verletzungsmisere ist eine besondere Situation. Das Problem ist, dass fünf Spieler aus der Abwehr fehlen - dazu unser Tormann. Das kann keine Mannschaft der Welt ausgleichen. Das ist Pech und zum Teil der Doppelbelastung geschuldet. Wir haben die ganzen Ausfälle durch viele junge Spieler ersetzt. Dann muss man damit rechnen, dass wir nicht ganz oben mitspielen.


LAOLA1: Wenn dann auch noch ein Spieler wie Raphael Holzhauser wohl nicht gehalten werden kann, ist es klar, dass der Trainer Unmut äußert.

Fink: Es ist kein Unmut, sondern eine realistische Feststellung, die auch einmal gesagt werden darf. Damit jeder weiß, dass ich nicht zaubern kann. Wir haben die letzten zwei Jahre bewiesen, dass wir Erfolg haben können. Wir waren in der Meisterschaft zuerst Dritter, dann Zweiter, sind zweimal in die Gruppenphase der Europa League eingezogen. Dabei haben wir unseren Stil nicht verändert. Ich bin nach Wien gekommen, um irgendwann einmal Meister zu werden. Das ist natürlich mit einem Gegner wie Red Bull schwierig, aber ich wollte zumindest konkurrenzfähig sein und näher an sie herankommen. Schließlich will ich in meiner Karriere weiterkommen und der Verein natürlich auch. Aber man kann nicht von Meisterschaften und dem großen Verein Austria Wien reden, aber gleichzeitig so eine Kader-Politik betreiben.

LAOLA1: Das klingt nach sehr viel Frust?

Fink: Ich bin nicht frustriert, das klingt immer viel zu negativ. Ich bin einfach enttäuscht, dass wir nicht weiterkommen. Die Mannschaft ist jung, aber ich denke, nächstes Jahr werden wir wieder angreifen können. So etwas wie heuer passiert uns nicht mehr. Denn dann werden sich auch die jungen Spieler, die jetzt zum Einsatz kommen, weiterentwickelt haben. Wenn uns dann aber wieder wichtige Spieler verlassen, werden wir wieder nicht weiterkommen. Das wäre für mich nicht so einfach, denn ich habe meine Ziele. Ich muss nicht betteln, um hier zu sein. Natürlich bin ich froh, bei einem guten Klub wie der Austria zu sein, aber ich muss nicht klammern. Wir haben mit Filipovic, Larsen und Kayode drei sehr gute Spieler verkauft. Filipovic war eine Säule in der Abwehr. Kayode war ein Top-Stürmer, der für Highlights sorgte, uns immer weitergebracht hat und für die Gegner ein Graus war. Larsen ist in die Serie A, eine der besten Ligen der Welt, gewechselt. Für alle drei haben wir Geld bekommen. Richtiger Ersatz wurde nicht geholt. Wenn man jetzt Revue passieren lässt, wen wir zugunsten junger Spieler abgegeben haben… Der Abgang von Kehat war aber zum Beispiel von mir geplant, denn auf seiner Position wollte ich Prokop entwickeln. Das war abgesprochen, aber man kann es einfach nicht auf jeder Position machen. Ich möchte mich jetzt auch nicht mit dem Verein anlegen, aber ich weiß nicht, ob jedem unsere Situation bekannt ist. In Deutschland schaut man auf die Tabelle und denkt sich: "Was macht der Fink denn da?"

"Ich habe ein paar Kandidaten im Kopf. Es gibt ein paar Positionen, die wir gut besetzen müssen. Zu viel will ich aber nicht verraten, wir MÜSSEN jedenfalls etwas machen."

Fink über mögliche Wintertransfers

LAOLA1: Beeinflusst ein möglicher Einzug in die K.o-Phase der Europa League die Transferaktivtäten im Winter? Nach dem Motto: Steigt Austria auf, gibt es Neu-Verpflichtungen.

Fink: Es sollte nicht die große Rolle spielen. Es muss sowieso ein Linksverteidiger für die Rückrunde geholt werden – und wenn man diesen Mann ausleiht. Aber wir können auf dieser Position nicht nur mit Salamon ins Frühjahr gehen. Der Neue soll nicht nur Backup sein, sondern auch richtig Druck machen. Weiters habe ich noch den einen oder anderen Kandidaten im Kopf. Es gibt ein paar Positionen, die wir gut besetzen müssen. Zu viel will ich aber nicht verraten, wir MÜSSEN jedenfalls etwas machen.

LAOLA1: Was erhoffen Sie sich von der Rückkehr von Patrizio Stronati?

Fink: Was ich gesehen habe, hat er sich bei Mlada Boleslav weiterentwickelt, hat dort häufig gespielt. Ich erhoffe mir von ihm Kopfballstärke und Spielaufbau mit links. Denn bei Heiko Westermann weiß man nicht, ob er es noch weiter durchziehen kann, oder ob doch plötzlich das Ende da ist. Stronati ist jedenfalls eine Alternative mehr und das ist gut. Er wird ein wichtiger Spieler bezüglich der Kaderbreite sein.

LAOLA1: Sie haben 123 Spiele für die Austria bisher absolviert, damit sind die Veilchen Ihre bisher längste Trainerstation. Was bedeutet Ihnen dieser Fakt?

Fink: Es wäre nicht so gelaufen, wenn wir als Trainerteam schlechte Arbeit abgeliefert hätten, oder es mit keinem Spaß machen würden. Und es macht mir hier in Wien sehr viel Spaß mit den jungen Leuten zu arbeiten. Ich erhalte die Unterstützung vom Verein, es gibt keinen Gegenwind. Das ist eine gute Kombination. Und mir bedeutet das viel. Denn nur wenn man nachhaltig arbeitet, kann man über zweieinhalb Jahre bei einem Verein sein. Und das bedeutet in der heutigen Zeit sehr viel. Vor allem bei der Austria, wo die Trainer nicht unbedingt eine lange Zeit tätig waren. Ich war aber etwa auch beim HSV zwei Jahre im Amt. Mir persönlich zeigt das, dass ich längere Zeit bei einem Klub arbeiten kann.

LAOLA1: Sie wären aber beinahe beim ÖFB gelandet. Wie knapp waren Sie tatsächlich am Teamchef-Posten dran?

Fink: Man hat es ja lesen können: Ich war unter den letzten drei, bzw. mit Stöger den letzten vier Kandidaten. Es macht mich stolz, dass meine Arbeit anerkannt wird. Dieses Land als Trainer vertreten zu dürfen, ist eine höhere Aufgabe und hätte mich interessiert. Ich hätte in Wien bleiben können und „meine“ Spieler noch gesehen. Es hätte mir sehr viel Spaß gemacht.

Textquelle: © LAOLA1.at

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