Wie halten es die Bundesliga-Klubs mit den Frauen?

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Die Admira-Spieler stehen in der Kabine und blicken gebannt auf den Bildschirm. Plötzlich bricht Riesenjubel aus. Das Elferschießen ist vorbei, die ÖFB-Frauen haben sich für das Semifinale der EURO 2017 qualifiziert.

Prompt folgen in den sozialen Medien Gratulationen und Glückwünsche – auch von den Klubs der österreichischen Bundesliga. Doch wie halten es die heimischen Profi-Vereine tatsächlich mit dem Frauen-Fußball?

Tatsächlich sind die Überschneidungen überschaubar. Lediglich vier Teams aus den beiden höchsten Spielklassen leisten sich Frauen-Mannschaften, zwei weitere sind Teile von Spielgemeinschaften. Der Rest behandelt das Thema stiefmütterlich.

Das Zepter in St. Pölten

Seit dem Niedergang von Serienmeister SV Neulengbach haben die Damen aus St. Pölten, wo auch das Nationale Zentrum für Frauen-Fußball steht, das Zepter in der Hand. Drei Mal in Folge wurden die Niederösterreicherinnen zuletzt Meister, zwei Mal als FSK St. Pölten-Spratzern, zuletzt schon als SKN St. Pölten.

Seit einem Jahr kooperieren die Frauen sehr intensiv mit dem SKN, sind aber immer noch ein eigener Verein. „Uns ist klar, dass wir mehr Aufmerksamkeit von Medien, Sponsoren und Öffentlichkeit brauchen, um voran zu kommen. Unter dem Namen Spratzern ist das nicht möglich. Der SKN ist mittlerweile eine gute Marke in Österreich und seit kurzem ein Bundesligaverein. Daher ist die Kooperation für uns ideal“, sagte Klub-Präsident Wilfried Schmaus damals.

Ihre Partien in der Champions League tragen die St. Pöltnerinnen in der NV Arena aus, die anderen Spiele – zu denen trotz regelmäßigen Kantersiegen nur selten mehr als 100 Fans kommen – in Stattersdorf oder im Sport.Zentrum.NÖ.

Große, violette Pläne

Große Pläne hat die Wiener Austria. Die Veilchen kooperieren seit Sommer 2015 mit dem USC Landhaus. Im Laufe der vergangenen Jahre wurde die Zusammenarbeit immer mehr intensiviert, in der vergangenen Saison liefen die Damen bereits in violetten Trikots auf, aktuell sind sie Teil der Werbekampagne für die Fanartikel des FAK.

Die Vereine der Frauen-Bundesliga 2017/18:

Verein
FC Bergheim
FC Südburgenland
FFC Vorderland
LUV Graz/DFC Leoben
SK Sturm Graz
SKN St. Pölten
SKV Altenmarkt
SV Neulengbach
USC Landhaus
Union Kleinmünchen

In absehbarer Zeit – konkret will man sich noch nicht festlegen – wollen die Violetten ein eigenes Team in der Frauen-Bundesliga stellen. Und die Pläne sind durchaus ambitioniert: „Wenn Austria draufsteht, dann muss auch Austria drinnen sein. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Mädchen die Möglichkeit erhalten können, in der Champions League und dann in der neuen Generali-Arena zu spielen“, sagt AG-Vorstand Markus Kraetschmer.

Diesen Sommer werden jedenfalls die ersten elf Mädchen in Leistungssportklassen des Ballsportgymnasiums, das auch ein Großteil der violetten Akademie-Kicker besucht, aufgenommen. Außerdem stellt der Klub unter dem Austria Wien Ladies eine Mannschaft in der Landesliga.

Vorreiter Sturm Graz

Als einer der Vorreiter in Sachen Verbindung zwischen Bundesliga-Verein und Frauen-Fußball darf sich der SK Sturm bezeichnen. Seit 2012 gibt es eine schwarz-weiße Damen-Mannschaft. Zwei Mal in Folge wurden die Steirerinnen zuletzt Vizemeister und durften somit auch in der Champions League ran.

Im Gegensatz zu St. Pölten und der Austria sind die Damen der Grazer voll und ganz Teil des Vereins SK Sturm.

Kein Interesse und aufgelöste bzw. ausgegliederte Teams

"Das hat in erster Linie mit der zur Verfügung stehenden Trainingsinfrastruktur zu tun"

Rapids Erklärung für kein Frauenteam

Bei den anderen Klubs sucht man indes vergebens nach Frauen-Teams. Serienmeister RB Salzburg hat ebensowenig Interesse, daran etwas zu ändern, wie die Admira, Mattersburg und der WAC. "Man muss beobachten, wie sich das weiterentwickelt. Aber wenn wir etwas machen, machen wir es professionell", sagt Stephan Reiter, Kaufmännischer Geschäftsführer von RB Salzburg. geplant sei derzeit nichts.

Der SCR Altach hatte indes ein Frauenteam, dieses aber nach der Saison 2012/13 aufgelöst. Im westlichsten Bundesland ist der FFC Vorderland mittlerweile das Maß aller Dinge und im Sommer auch in die höchste Spielklasse aufgestiegen.

Der LASK führte von 2004 bis 2011 die LASK Ladies, anschließend wurde eine Trennung vollzogen, das Team fungiert nun unter dem Namen LSC Linz.

Rapids Platzproblem

Beim SK Rapid könnte sich irgendwann durchaus etwas tun. Bereits vor einigen Jahren wurde bei einer Mitgliederversammlung beschlossen, eine Abteilung für Frauen-Fußball zu eröffnen, in die Tat umgesetzt wurde das bislang aber nicht.

„Das hat in erster Linie mit der zur Verfügung stehenden Trainingsinfrastruktur zu tun“, erklärt Pressesprecher Peter Klinglmüller in der „Sportzeitung“. Es gäbe aktuell keine Kapazitäten für Frauen-Fußball in Grün-Weiß. LAOLA1-Informationen zufolge ist Zweitligist ASK Erlaa mit Anfragen bezüglich einer Kooperation schon mehrfach abgeblitzt.

Innsbrucker Abstieg

Von den aktuellen Vereinen in der zweithöchsten Spielklasse wird nur im Westen ein Augenmerk auf die kickenden Damen gelegt.

Daniela Irschko-Stolz im Wacker-Trikot
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Beim FC Wacker hat Frauen-Fußball vergleichweise schon Tradition. Im Sommer 2006 wurde die Frauenabteilung des Innsbrucker AC übernommen und in der ersten Saison mit 14 Siegen aus 14 Spielen und einem unfassbaren Torverhältnis von 160:2 zurück in die höchste Spielklasse geführt. Dort blieben die Tirolerinnen, für die jahrelang auch die Ausnahme-Skispringerin Daniela Iraschko-Stolz als Torfrau und später Feldspielerin aktiv war, bis zum Abstieg in der vergangenen Saison.

Nun kämpfen die Tirolerinnen in der 2. Liga Mitte/West um den sofortigen Wiederaufstieg. Unter der Zehner-Liga, die die höchste Spielklasse ist, gibt es nämlich zwei zweite Ligen – Mitte/West mit sechs Vereinen aus Tirol, Vorarlberg, Salzburg sowie Oberösterreich und Ost/Süd mit zwölf Teams aus Wien, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und dem Burgenland.

Wattens wird aktiv

Von diesen Gefilden träumt die Spielgemeinschaft Rinn/Tulfes/Wattens aktuell noch. Seit diesem Sommer ist die WSG Wattens nämlich auch im Frauen-Fußball engagiert, das Team spielt in der Tiroler Liga.

„Frauen in einer klassischen Männerdomäne – das wird im Business wie im Sport oft belächelt und leider noch häufiger aus den falschen Gründen anerkannt. Aber im Jahr 2017 haben wir, das scheinbar schwache Geschlecht, schon lange bewiesen, was wir können: Denken, Lenken, Rocken, Kicken!“, erklärt WSG-Präsidentin Diana Langes.

Ebenfalls in der dritthöchsten Spielklasse ist die Spielgemeinschaft Austria Lustenau/Höchst zu finden.

Bald Lizenz-Kriterium?

Dass die Bundesliga dafür sorgt, dass ihre Vereine künftig mehr Wert auf Frauen-Fußball legen – etwa durch ein Damen-Team als Lizenz-Kriterium –, ist aktuell nicht vorgesehen.

„Es gibt auf UEFA-Ebene Gespräche zu diesem Thema. Wir beobachten das und sind dazu auch mit anderen Ligen im Austausch“, erklärt Bundesliga-Sprecher Mathias Slezak, dass man sich dieses Themas bewusst sei.

Außer Frage steht jedoch auch, dass das Betreiben einer Frauen-Mannschaft freilich auch mit finanziellem Aufwand verbunden ist. Sobald ein Verein ein Damen-Team stellt, müssten die Spielerinnen auch nach dem Kollektivvertrag der Bundesliga bezahlt werden. Von Reisekosten, etc. ganz abzusehen.

Textquelle: © LAOLA1.at

ÖFB-Frauen besser als Herren? Ruttensteiner: "Unfair!"

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