Schobesberger: Ohne Physios zu alter Stärke?

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Es ist kein Geheimnis, dass die Fußball-Profis das Blut wieder in Wallung bringen und endlich wieder gegen das runde Leder treten wollen.

Die Corona-Krise macht dies jedoch vorerst weiter unmöglich. Fortsetzung der Bundesliga oder Abbruch? Einem ist das im Moment ziemlich egal. Denn selbst, wenn gespielt werden würde, könnte er (noch) nicht mitwirken.

Philipp Schobesberger ist einer jener Bundesliga-Kicker, die sich im Lockdown von einer schweren Verletzung zurückarbeiten. Im November „zerfetzte“ es dem Rapid-Wirbelwind das Kreuzband und den Meniskus, wieder einmal muss „Schobi“ für das Comeback schuften.

Der Weg zurück gestaltet sich schwierig, anders als er es von vorherigen Verletzungen gewöhnt ist. Denn auch der Kontakt zu Physios und Reha-Einrichtungen ist untersagt.

Im Gespräch mit LAOLA1 verrät Schobesberger jedoch auch Vorteile: „Ich tue mir fast leichter, wenn keiner daneben steht und mich beobachtet. Dann weiß ich zu hundert Prozent, dass ich es für mich mache. Wenn jemand daneben steht, denke ich mir: Bist deppert, jetzt muss ich noch zehn weitere Wiederholungen machen (lacht)!“

„Er sagt was ich tun soll. Ich, wie das Knie reagiert“

Als Schobi noch mit Unterstützung trainierte
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Keiner, der ihn behandelt, massiert oder die Verletzung unter die Lupe nimmt – der 26-Jährige hofft trotzdem, dass die derzeitige Ausnahmesituation die Genesungsphase nicht verlängert.

„Ich telefoniere eigentlich fast täglich mit meinem Physio, weil er ein guter Freund geworden ist und wir viel Zeit miteinander verbracht haben“, erinnert Schobesberger an seine langwierige Hüftverletzung und einen Knorpelschaden. „Er sagt mir, was ich tun soll. Ich sage ihm, wie das Knie darauf reagiert. Dadurch, dass es keine negativen Reaktionen oder Probleme gibt, gibt es auch nicht wirklich einen Grund, dass er draufschaut. Von dem her ist es nicht so tragisch.“

(Der Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Aussagen, wo er aktuell steht, sind dadurch jedoch schwierig, „aber das Knie fühlt sich ganz gut an.“ Derzeit stehen Bein- und Ausdauer-Training zum Muskelaufbau sowie ein wenig Stabilisierung auf dem Programm, damit kennt sich „Schobi“ bereits aus, da sind keine Anweisungen nötig. „Das ist jetzt keine große Hexerei.“

Derzeit sieht sein Alltag folgendermaßen aus: Lange schlafen, dann eine große Runde mit Hund in der Natur, dann steht das Training an, ehe er den Tag mit einem späten Mix aus meist selbtgekochtem Mittag- und Abendessen sowie Playstation-Zocken oder TV schauen ausklingen lässt.

„Habe es ganz gern, mir das Training selber einzuteilen“

Auf einen Garten und eine Terasse zurückgreifen zu können, beschreibt der Oberösterreicher ohnehin als Luxus in Tagen wie diesen.

„Ich finde es jetzt gar nicht so schlecht, weil ich habe es ganz gern, dass ich mir das Training selber einteile, wann ich trainieren gehe und ich nicht um 8:30 Uhr aufstehen muss. Ich bin eher einer, der gerne länger schläft“, spricht der Rapid-Flügelflitzer von einer Tagwache zwischen 10 und 11 Uhr.

Die nötige Disziplin, sich zu überwinden und auch im „Homeoffice“ hart an sich zu arbeiten, bringt Schobesberger mit. Krafttraining ist derzeit angesagt – meistens zu Hause, mit den eigenen Geräten und eigens zusammengestellten Übungen.

All zu lange sollte die Situation aber nicht mehr anhalten, „denn langsam wird es zach“. Denn Kunststücke mit dem Ball gehen dem Ex-Paschinger-Cupsieger noch nicht so sehr ab, aber vielmehr die Kommunikation mit den Teamkollegen oder Treffen und Kartenspielen mit Freunden.

FIFA oder Spiele im TV? Kein Typ für 24 Stunden Fußball

Belohnungen dieser Art gibt es in der Rekonvaleszenz somit vorerst nicht, es sei tagesabhängig, ob sich Fadesse einschleicht und man nicht weiß, was man tun soll. Dabei ist bekannt, wie gerne Schobesberger seine Kollegen „häkelt“.

„Dadurch, dass ich gerne Schmäh führe (lacht) und die Leute ein bisschen ärgere – das geht mir schon ein bisschen ab."

„Dadurch, dass ich gerne Schmäh führe (lacht) und die Leute ein bisschen ärgere – das geht mir schon ein bisschen ab“, gibt er offen zu. Obwohl meist am Mittwoch ein Video-Training mit dem Fitnesscoach und den Teamkollegen gibt.

Der Klopapier-Challenge konnte er nicht entgehen („Da bin ich oft genug markiert worden, das musste ich machen“). Wenn er nicht gerade in der Natur ist, ist sein Ausgleich daheim aber die Playstation. Der Offensivspieler lenkt sich jedoch nicht wie vermutet mit FIFA ab.

„Fußball reicht mir, wenn ich selber spiele. Das brauche ich dann nicht ein zweites Mal auch noch. Ich spiele hauptsächlich Shooter, zur Zeit eigentlich Call of Duty – ein paar Stunden am Tag, wahrscheinlich mehr als es sein sollte“, grinst der Außenbahnspieler.

Generell sei er nicht der Typ, der sich zusätzlich zum Job die ganze Zeit dem Fußball widmet, auch im TV sieht er sich kaum Spiele an. „Wenn Champions-League-Abend ist, gehe ich vielleicht schon in ein Pub und schaue es mir dort an, aber daheim schaue ich mir ganz selten ein Spiel ein. Vielleicht aus der eigenen Liga - wenn der kommende Gegner spielt. Aber deutsche Bundesliga zum Beispiel schaue ich gar nicht.“

Saisonende im Spätsommer? Schobi denkt nicht daran

Noch ist nicht klar, wann Schobesberger nach der schweren Knieverletzung wieder auf den Platz zurückkehrt. Es ist jedoch durchaus möglich, dass sich die Bundesliga im Falle einer Fortsetzung bis in den Spätsommer hineinzieht. Ob er daran einen Gedanken verschwendet?

„Nein, so wie jetzt der Stand ist, gehe ich nicht davon aus, dass ich diese Saison noch einmal spiele – auch wenn es erst im Juli wieder weitergehen würde. Ich hoffe, dass ich in der nächsten Vorbereitung wieder dabei bin.“

Der Linzer hat aus der Vergangenheit gelernt. Überstürzen und ein Comeback erzwingen, hilft keinem weiter. Gerade bei einem Kreuzbandriss wurde er gewarnt, sich langsam heranzutasten und die Muskeln wieder so weit aufzubauen, dass alles stabilisiert wird.

"Irgendwann muss man wieder rausgehen und Kontakt mit anderen Menschen haben. Wir können uns ja nicht auf unbestimmte Zeit einsperren, bis es einen Impfstoff gibt."

Momentan hat „Schobi“ noch nicht einmal richtig mit dem Laufen angefangen, das Balltraining muss noch länger warten. „Man kann nicht sagen, dass ich froh bin, sicher wäre ich schon gerne weiter, aber wenn ich schon normal trainieren würde, würde es mich viel mehr stören, wenn ich jetzt jeden Tag laufen gehen muss und nicht Fußball trainieren kann.“

„Bin sonst auch nicht so schlecht zurückgekommen“

Mental war es nur am Anfang schwierig, danach hat Schobesberger recht schnell den Schalter umlegen können. „Wenn du dir denkst, hoffentlich ist nichts und dann bist du im Krankenhaus und der Arzt sagt dir nach dem MR, dass das Kreuzband, der Meniskus gerissen und alles hin ist - sicher ist das kurz einmal ein Schock. Ein paar Tage denkst du dir schon, warum ich. Aber dann geht das Training wieder los und du bist eh eingespannt. Dann willst du zurück auf den Platz und dafür gibst du alles.“

Eigentlich war Schobesberger im Herbst gerade im Aufwind – endlich nach einigen Rückschlägen. Auch Sportdirektor Zoran Barisic schwärmte, dass er womöglich auf dem Weg zu alter Stärke ist – doch die Ernüchterung folgte bald.

Auch wenn der Profi noch nicht mitwirken kann, hofft er auf eine Fortführung der Saison – im Notfall auch mit Geisterspielen. „Irgendwann muss man wieder rausgehen und Kontakt mit anderen Menschen haben. Wir können uns ja nicht auf unbestimmte Zeit einsperren, bis es einen Impfstoff gibt.“

Große Veränderungen durch die Krise erwartet er sich aber nicht. „Ich glaube nicht, dass wir bald nur mehr zwei gegen zwei spielen“, hat Schobesberger seinen Humor nicht verloren. Wenn dann gebe es möglicherweise ein Überdenken der Finanzen und Ablösesummen.

Schobi will jedoch mit der nötigen Geduld bald wieder angreifen und die schwierige Phase ohne Physios und Behandlungen meistern. „Sicher ist es zach, aber ändern kannst du es eh nicht. Von dem her – ich denke, dass ich von den anderen Verletzungen auch nicht so schlecht zurückgekommen bin.“

Textquelle: © LAOLA1.at

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