Klagenfurt-Klage? Ried: "Nichts falsch gemacht"

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Die SV Ried hat es geschafft, die Bundesliga ruft.

Zeit zum Durchschnaufen bleibt im Innviertel aber nicht, denn nach dem spannenden Saisonfinish und der späten Gewissheit startet man ohnehin schon verspätet in die Planungen für die kommende Spielzeit.

Trainer Gerald Baumgartner steht dabei im Fokus. Trotz Meinungsverschiedenheiten und Gegenwind innerhalb des Vereins sieht er sich als den "Ruhepol in den stürmischen Zeiten" und zittert nicht um seinen Job.

Es doch noch geschafft zu haben, lässt Vieles einfacher erachten, auch wenn bei der Vorstandssitzung am Montagabend die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Auch die Anschuldigungen von Austria Klagenfurt lassen die Rieder kalt, denn selbst habe man nichts falsch gemacht. "Das ist eigentlich nicht verständlich!", kritisiert Baumgartner im LAOLA1-Interview, bekräftigt aber auch, dass durch die Liga-Fortsetzung "kuriose Ergebnisse" vorprogrammiert gewesen wären.

LAOLA1: Hand aufs Herz - wie ausgiebig wurde der Aufstieg in die Bundesliga gefeiert?

Gerald Baumgartner: Wir haben auf jeden Fall bewiesen, dass wir feiern können (lacht)! Die Fans waren am Matchtag außerhalb vom Stadion und haben ein Feuerwerk abgebrannt. Es ist natürlich wichtig für sie, die Region, den ganzen Verein, dass wir das große Ziel schaffen konnten. Deshalb sind wir sehr happy.

LAOLA1: Das Ziel wurde lange Zeit angestrebt. Sofort wieder "back in business" oder bleibt Zeit für einen kurzen Urlaub?

Baumgartner: Eigentlich geht es nahtlos weiter, denn es ist schon am Montagmorgen mit Telefonaten wieder losgegangen.

LAOLA1: Das Finish war nichts für schwache Nerven. Wie groß waren die Erleichterung und diese Last, die von den Schultern gefallen ist?

Baumgartner: Von der sportlichen Seite her ist es am schönsten, wenn es so ein Finish gibt. Es war extrem interessant für alle und der Glücksmoment ist dann noch umso größer, wenn du ein richtiges Endspiel hast und es schaffen kannst. Aber es war schon eine sehr große Nervengeschichte, obwohl wir sehr eng zusammengerückt sind und es als Team geschafft haben. Das hat die nötigen Prozente in schwierigen Zeiten gebracht.

(Interview wird unter dem Video fortgesetzt)

LAOLA1: Was war der Erfolgsfaktor, der dafür gesorgt hat, dass man nach dem Einbruch und dem Verlust des Acht-Punkte-Vorsprungs doch noch den Schalter umlegen konnte?

Baumgartner: Der entscheidende Faktor ist der Trainer, der die Ruhe behält! Naja, das ist so. Man wird in Situationen kritisiert, wo es nicht so läuft. Aber der entscheidende Faktor ist schon der Trainer, der die richtigen Hebel angreift. Eines der Mittel war, dass wir mit vielen Gesprächen wieder alle ins Boot geholt haben, es noch einmal probiert, den Glauben noch einmal entfacht haben. Das waren genau die richtigen Weichenstellungen. Dann haben die Burschen Großartiges geleistet.

LAOLA1: Die Drucksituation war in Ried die ganze Saison über vorhanden. Im Finish war das wohl noch mehr spürbar.

Baumgartner: Der Druck war immer da, nur anfangs der Winter-Vorbereitung war es besser, weil wir extrem gut in die Saison gestartet sind und uns einen großen Vorsprung herausgearbeitet haben. Wir haben es am Ende geschafft! Wir waren letztes Jahr in einer ähnlichen Situation, wo Wattens auch alle Spiele gewonnen hat und wir nur mit einem Sieg weniger nicht aufgestiegen sind. Dieses Jahr haben wir die Konsequenz gehabt, bis zum Schluss Vollgas zu geben. Das Schöne ist, wenn es sich dann auszahlt.

LAOLA1: Der Aufstieg war in dieser Saison schon "überlebenswichtig" – das haben Sie mehrmals betont, da die Bundesliga-Rückkehr immer schwieriger geworden wäre.

Baumgartner: Diesen Verein wird es immer geben. Das ist ein gut geführter Verein, der immer das Potenzial hat, in den beiden höchsten Ligen zu stehen. Nur verbrennt man schon viel Geld, wenn man immer wieder investiert und das große Ziel knapp nicht erreicht. Nach drei Jahren in der 2. Liga war es an der Zeit, sonst wäre der Aufstieg mit einem kleiner werdenden Budget immer schwieriger geworden. Andere Klubs arbeiten auch gut, die 2. Liga ist immer eine schwierige Liga. Jeder, der aufsteigt, macht ein Kreuzzeichen und ist froh, dass er aus der Liga raus ist. Wir haben es jetzt mit sehr viel Mühe geschafft.

LAOLA1: Es war bis zum Schluss ein Zweikampf mit Austria Klagenfurt. Wie geht man mit den Anschuldigungen der Kärntner um? Ist das im Moment der Enttäuschung irgendwie sogar nachvollziehbar? Hätte Ried vielleicht sogar ähnlich reagiert?

Baumgartner: Das ist eigentlich nicht verständlich! Wir sind da anders. Wir wissen, dass Klagenfurt auch eine sehr gute Mannschaft hat und die Jungs sehr gut performt haben. Sie sind nach der Corona-Pause besser ins Spiel gekommen als wir, waren ein extrem starker Gegner, aber im Endeffekt haben wir trotzdem einen Sieg mehr. Über die gesamte Saison gesehen, haben wir Platz 1 schon verdient. Beide Teams haben alles rausgehaut, aber es kann nur einer ganz vorne stehen.

LAOLA1: Wie ist dieser von vielen Seiten kritisierte 9:0-Erfolg gegen den FAC zu erklären?

Baumgartner: Dass das Ergebnis so zustande gekommen ist, ist dem geschuldet, dass wir Vollgas gegeben haben, vom Spielverlauf fast alle Torchancen gleich einmal genützt haben und dass es nach einem Brutalo-Foul eine klare Rote Karte gegeben hat. Es ist halt schon so, dass viele Spieler weggehen, nicht mehr beim Verein sind und nach einem 0:5 vielleicht nicht mehr die letzten Prozent raushauen. Das wäre in einer Situation, wo es noch um den Abstieg oder Tore geht, vielleicht schon anders. In der Corona-Pause hat man schon gesehen, dass einige Mannschaften anders performt haben, als in der Drucksituation um den Auf- oder Abstieg.

LAOLA1: Trotzdem ist ein 9:0 alles andere als alltäglich und lässt Spielraum für Spekulationen.

Baumgartner: Das kuriose Ergebnis ist für uns eigentlich das 6:1 von Klagenfurt gegen Wacker, weil Tirol erste Halbzeit eine sehr gute Leistung gebracht hat und wir selbst gegen sie zweimal nur knapp gewonnen haben. Die haben eine sehr gute Mannschaft. Das Ergebnis war für uns schon sehr überraschend.

LAOLA1: Wussten Sie denn im Vorhinein, dass Top-Spieler des FAC bereits im Urlaub sind und die Wiener gegen Ried nicht in Bestbesetzung auflaufen?

Baumgartner: Eine ähnliche Situation haben wir letztes Jahr in Horn gehabt. Jeder Verein ist selber verantwortlich, wie er auftritt. Sie waren beim Aufwärmen sehr motiviert und wir haben in der Kabine extra noch davor gewarnt. Die haben sicher vom Start weg alles probiert, so war mein Eindruck.

LAOLA1: Die meisten Anschuldigungen treffen den FAC und nicht direkt Ried. Ist es trotzdem eine unangenehme Situation?

Baumgartner: Wir können eh nichts machen. Wir konnten uns nur bestmöglich auf die Situation vorbereiten. Das war ein klassisches Endspiel. Wir haben gewusst, dass wir womöglich zwei Tore schießen müssen. Wir haben aber nicht gewusst, dass das Ergebnis in Klagenfurt auch so hoch ausfallen wird. Deswegen: Wir haben es sportlich geschafft, das steht bei uns im Vordergrund. Die Planungen für die neue Saison laufen auf Hochtouren, deshalb denken wir nicht mehr darüber nach und freuen uns, dass wir in der Bundesliga angekommen sind.

LAOLA1: Die einzige Anschuldigung, die Ried wirklich trifft, ist, dass euch vorgeworfen wird, der Rieder Zeugwart hätte angeblich mit Prämien für Klagenfurts Gegner geprahlt. Eine Bierkiste wird schnell einmal wem versprochen, hier soll es mehr gewesen sein. Was sagen Sie dazu?

Baumgartner: Da müssten wir jetzt den Zeugwart fragen, woher er Informationen hat. Im Fußball wird so viel gesprochen und es werden so viele Fake-News rausgehaut. Ob er das dann genau so gesagt hat, kann ich nicht beurteilen. Auf alle Fälle haben wir uns auf den FAC vorbereitet. Es ist auch auf deren Homepage gestanden, dass sie nicht hierherkommen, um mit uns den Meistertitel zu feiern. Sie haben von Anfang an Gas gegeben, die Betreuer haben das richtig gecoacht und der Gegner war motiviert. Wir haben aber einfach unsere Hausaufgaben gemacht.

LAOLA1: Sie haben angesprochen, dass es eigentlich nur mehr für Ried und Klagenfurt um viel ging und dadurch einigen Teams der Ansporn fehlte. Hätte die Liga nie so fortgesetzt werden dürfen? Schließlich gab es ja auch zusammen mit Klagenfurt den Antrag zur Aufstockung der Bundesliga.

Baumgartner: Meine Meinung dazu ist klar, dass es für alle Klubs sportlich am besten war. Wäre die Liga abgebrochen worden, hätten Spieler sechs Monate kein Match in den Beinen gehabt. Es wäre sehr schwierig gewesen, damit umzugehen. Da möchte ich nicht einmal auf psychische Probleme eingehen, dass man nirgends mehr hingehen und seinen Beruf ausüben darf. Es haben alle wieder Fußball schauen können, es war wieder was los. Es war sehr wichtig, dass wir alles unternommen haben, um wieder zu spielen. Alle waren froh, dass sie wieder kicken konnten. Dass es dann kuriose Ergebnisse gibt, weil es keinen Absteiger gibt, weil kein Druck mehr da ist, weil Mannschaften befreit aufspielen konnten und sich viele auf Ried und Klagenfurt gefreut haben, ist natürlich der Nebeneffekt. Aber das muss man einfach in die richtigen Bahnen leiten können. Da gibt es jetzt auch keinen Wackler, dass das die falsche Entscheidung war.

"Es ist auch nicht ganz fair, das muss man auch ganz ehrlich sagen. Aber Klagenfurt hat es nach der Corona-Pause auch selber in der Hand gehabt, die Meisterschaft zu gewinnen. Wir haben dann noch mal die Chance gekriegt und sie genützt. Man könnte auch sagen: Sie haben den Elfer in Amstetten selber verschossen und niemand anderer."

Gerald Baumgartner:

LAOLA1: Glauben Sie, dass Klagenfurt mit der angedrohten Klage irgendetwas erreichen kann, sich sogar in die Bundesliga raufklagen kann, oder erachten Sie dies als aussichtslos?

Baumgartner: Das kann ich aus der Ferne nicht sagen. Ich kann es mir aber nicht vorstellen, weil wir ja nichts falsch gemacht haben. Es ist auch nicht ganz fair, das muss man auch ganz ehrlich sagen. Aber Klagenfurt hat es nach der Corona-Pause auch selber in der Hand gehabt, die Meisterschaft zu gewinnen. Wir haben dann noch mal die Chance gekriegt und sie genützt. Man könnte auch sagen: Sie haben den Elfer in Amstetten selber verschossen und niemand anderer.

LAOLA1: Zurück zum Sportlichen: Rieds Planungen für die Bundesliga sind angelaufen! Im Verein gab es zuletzt aber wieder einmal Unstimmigkeiten. Sie selber haben vor kurzem in der "Krone" gemeint, "dass es im Vorstand wen gibt, der mich loswerden will". Ihr Vertrag hat sich durch den Aufstieg aber automatisch verlängert. Geht Ried mit Ihnen in die Saison oder müssen Sie trotz Aufstieg um den Job zittern?

Baumgartner: Nein, ich zittere nicht um meinen Job! Es ist genug Vertrauen da. In einer Situation, in der man drei Spiele in einer Woche verliert, steht jeder Trainer auf der Welt in der Kritik – das ist ganz normal. Ich habe bewiesen, dass ich meine Nerven behalte und das Ruder mit der Mannschaft noch einmal herumreißen kann. Wir haben den Titel geholt, es ist jetzt sehr viel Arbeit, weil wir von der Planungssicherheit her erst seit Freitag Bescheid wissen. Da geht es uns, WSG Tirol und auch Klagenfurt so. Es gibt von den 28 Profi-Vereinen drei Vereine, die jetzt so lange warten mussten. Bei Wattens hat es einen anderen Grund. Aber wir werden auch kurzfristig versuchen, es bestmöglich zu steuern, damit wir sportlich eine Mannschaft zusammenstellen, die nächstes Jahr in der Bundesliga das Ziel Klassenerhalt ausgeben kann, wir dort gut performen und unseren Fans und Sponsoren eine große Freude machen können.

LAOLA1: Die Zitterpartie um den Aufstieg hat aber intern scheinbar viel durcheinandergewirbelt. Es soll einige Meinungsverschiedenheiten gegeben haben, auch personelle Veränderungen sollen anstehen. Wird sich das wieder beruhigen?

Baumgartner: Es sind schon aus ein paar Mücken Elefanten gemacht worden. Dass man sich kritisch und konstruktiv zusammensetzt und Dinge besprechen muss, ist ganz klar. Ich bin der erste, der sich selber hinterfragt, was da los war, wenn wir ein Spiel nicht gewinnen und was wir besser machen können. Aber ich bin trotzdem der Ruhepol in der stürmischen Zeit gewesen. Wenn schönes Wetter ist, kann jeder schnell mal Trainer spielen. Beim 9:0 gegen den FAC hätte unser Rocky (Anm.: Artner, Zeugwart) auch Trainer sein können. Aber in schwierigen Zeiten zeigt sich dann auch die Qualität eines Teams. Auch wenn wir mal kritisch diskutiert haben, haben wir trotzdem einen Riesen-Zusammenhalt gehabt, sonst wäre der Erfolg so nicht möglich gewesen.

LAOLA1: Dem Vernehmen nach soll Ihr Verhältnis zu Co-Trainer Andreas Heraf nicht mehr das beste sein. Wird es da eine personelle Veränderung geben?

Baumgartner: Das will ich jetzt so nicht sagen. Es war lange Zeit ein sehr gutes Verhältnis. Jeder muss halt einfach auch seine Rolle annehmen, die er im Team hat. Wenn er die bestmöglich erfüllt, ist dem Team am meisten geholfen. Heute Abend ist einmal die Vorstandssitzung, da werden wir für uns selber und den Verein die richtigen Entscheidungen treffen, dass wir sportlich erfolgreich performen können.

LAOLA1: Sie haben das Team trotz Autounfall Ende Juni nicht im Stich gelassen, waren sofort wieder an der Seitenlinie. Wie sehr beschäftigt Sie der Unfall noch heute?

Baumgartner: Ich bin heilfroh, dass alle Beteiligten nur mit kleinen Blessuren davongekommen sind. Da merkt man erst, wie sich alles von der einen auf die andere Sekunde verändern kann. Ich möchte mich bei allen Ersthelfern bedanken, die vor Ort alle das Bestmögliche geleistet haben. Zum Glück hatte ich nur Prellungen und eine Gehirnerschütterung und es ist extrem wichtig, dass auch den anderen nicht mehr passiert ist. Das steht über allem.

Textquelle: © LAOLA1.at

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