"Zu wild!" Daran scheiterte Fountas bei RBS

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Welchen Stellenwert Taxiarchis Fountas für den SK Rapid haben kann, hat er am vergangenen Sonntag beim 8:1-Kantersieg beim Wolfsberger AC wieder einmal unter Beweis gestellt.

Der 25-jährige Grieche agierte in der Saison 2019/20 mit 20 Pflichtspieltreffern entfesselt, in dieser Spielzeit kommt bisher viel zusammen: Disziplinlosigkeiten, Sperren, Verletzungen oder aber auch Transfergerüchte vorangetrieben durch seine Berater, die dem Offensivspieler sichtlich nicht gut tun.

Nach seinem Mittelhandbruch im Herbst meinte sogar Trainer Didi Kühbauer: "Das ist nicht der Fountas, den wir kennen." Doch der quirlige Angreifer wächst mit Rückschlägen, hat in seiner Karriere schon einige (Um-)Wege an die Spitze genommen und sah sich zwischenzeitlich sogar mit Vereinslosigkeit und Unkenrufen, seine Karriere sei vorbei, konfrontiert.

Durch seine Zeit beim FC Liefering und RB Salzburg war sein Kurs eigentlich vorgezeichnet, doch zum Durchbruch beim kommenden Rapid-Gegner im Bundesliga-Schlager am Sonntag (ab 17 Uhr im LIVE-Ticker >>>) reichte es nicht.

"Ich war damals noch sehr jung, erst 17 Jahre alt. Ich war für dieses Tempo der Profi-Mannschaft einfach noch nicht bereit, das kam damals zu früh", blickt Fountas auf LAOLA1-Nachfrage auf seine Zeit in der Mozartstadt zurück, in der es nur zu einem Cup-Einsatz in der Kampfmannschaft reichte. "Ich habe schon einiges aus meiner Salzburg-Zeit mitnehmen können, aber leider habe ich nie gespielt."

Trainer Peter Zeidler, aktuell beim FC St. Gallen in der Schweiz unter Vertrag, coachte ihn damals beim FC Liefering. Im Gespräch mit LAOLA1 verrät der Deutsche, warum Fountas damals nicht der Durchbruch bei RBS gelang: "Wild mag man ja, aber er war zu wild."

Mit 17 Jahren noch zu grün für Rangnicks Salzburger

Mit 17 Jahren sicherte sich Red Bull bereits die Dienste des technisch versierten Griechen, der davor in seiner Heimat bei Traditionsverein AEK Athen unter Vertrag stand.

Im Schatten der Akropolis blitzte Fountas' Talent erstmals so richtig auf, bereits mit 16 Jahren sammelte er seine ersten Erfahrungen in der griechischen Super League, spielte im U17-Nationalteam seines Landes und entwickelte sich in der darauffolgenden Saison mit 17 Jahren zum Stammspieler.

In 27 Einsätzen bei nur vier Toren war sein Torriecher damals noch nicht ganz so entwickelt, allerdings kam er auch meist als Außenbahnspieler oder hinter der Spitze zu seinen Einsätzen.

"Die erste Mannschaft von Salzburg war zu jenem Zeitpunkt zu gut. [...] Obwohl ich es mag, wenn Spieler nicht so angepasst sind oder mal was Besonderes machen – aber er war zu wild."

Peter Zeidler über Fountas

Salzburg witterte jedoch das Potenzial, die Ausbildungsentschädigung stellte kein Hindernis dar. Ralf Rangnick hatte damals noch die sportlichen Zügel in der Hand, Roger Schmidt war der Trainer. Red Bull stellte für Fountas eine völlig neue Welt dar. Dass er nie zum Zug kam, war seiner eigenen Unerfahrenheit und dem neuen Umfeld geschuldet.

"Die erste Mannschaft von Salzburg war zu jenem Zeitpunkt zu gut. Der Sprung war zu groß, um reinzukommen", klärt Ex-Liefering-Coach Zeidler auf und verweist auf damalige Leistungsträger wie Soriano, Alan, Leitgeb, Schwegler und Co.

"Da war kein Platz für ihn. In Liefering hat er dann auch nicht so grandios gespielt. Er war ein guter Junge, aber zu wild. Er ging ins Dribbling, wenn es nicht angesagt war, haute dann auch einmal einen um oder schoss aus 40 Metern. Obwohl ich es mag, wenn Spieler nicht so angepasst sind oder mal was Besonderes machen – aber er war zu wild."

Aus Griechenland war er sich zwar seiner Schnelligkeit, seiner technischen Fähigkeiten und seines Durchsetzungsvermögens bewusst, "aber er musste taktisch noch viel lernen. Die andere Sache war, dass er von der Persönlichkeit her noch nicht so reif war, dass er alles verarbeiten konnte. Er musste sich an ein neues Land und die Anforderungen anpassen."

Spieler wie Stefan Lainer, Konrad Laimer oder Xaver Schlager hätten den Vorteil gehabt, schon mit 15, 16, 17 Jahren in puncto Persönlichkeit und Taktik gefördert worden zu sein.

Auch seine Verletzungsanfälligkeit spielte eine Rolle, denn schon der Start in Salzburg missglückte, knapp zwei Monate wartete man vergeblich auf die Spielgenehmigung. Zudem stellte sich Fountas mit einer Schambeinentzündung ein, verpasste den Anschluss, sammelte dann bei Liefering Spielpraxis, ehe er im Frühjahr nach Grödig verliehen wurde, wo er ein Monat wegen einer Bänderdehnung im Knie verpasste.

Der Durchbruch gelang aber auch ein Jahr später nicht, so hielt Salzburg den Vertrag drei weitere Jahre mit abenteuerlichen Leihgeschäften aufrecht.

Flucht in gewohnte Gefilde

Die Rückkehr in seine Heimat stellte für den damals knapp 20-jährigen Fountas eine Flucht in gewohnte Gefilde dar. Bei Panionios Athen benötigte er keine lange Eingewöhnungszeit, er funktionierte, kam meist auf den Außenpositionen zum Einsatz und durfte sich schnell über viel Spielzeit freuen. In der Liga gelangen ihm in 26 Einsätzen vier Tore und drei Assists.

Trotzdem ging es ein Jahr später, ebenfalls auf Leihbasis, von Salzburg zu Asteras Tripoli - ein weiterer Rückschlag, denn bei Rapids Europa-League-Quali-Gegner der Saison 2013/14 kam er nur sporadisch zum Zug und hatte bei weitem nicht jenes Standing, das ihm bei Panionios zwischenzeitlich wieder Hoffnung gab. Eine schwere Prellung machte das Unterfangen noch aussichtsloser.

Also kam es zu einem Revival, Fountas und Panionios - das passte auch in der Saison 2016/17, ehe ihn eine weitere Knieverletzung aus dem Spiel nahm, die Leihe ein Ende fand und auch Salzburg seinen Vertrag nicht mehr verlängerte.

Die früh in die Wege geleitete Top-Karriere drohte zu scheitern, der Grieche musste die mitunter schwierigsten Wochen seiner bisherigen Laufbahn durchstehen und war zwei Monate vereinslos. Der damalige deutsche Drittligist Sonnenhof Großaspach "erbarmte" sich, doch Fountas war alles andere als glücklich und schlug auch dort mit einem Tor in 14 Einsätzen nicht ein.

"Alle haben gesagt, meine Karriere ist damit vorbei"

Viel mehr war es der richtige Schuss vor den Bug, der in ihm den Ehrgeiz weckte, es seinen Kritikern, die seine Karriere bereits am Ende sahen, zu zeigen.

"Nach Panionios bin ich in die dritte deutsche Liga gewechselt, das war für mich vom Kopf her ganz schwierig. Alle haben gesagt, meine große Fußball-Karriere ist damit vorbei. Ich selbst wollte es mir aber beweisen und auch meine Frau hat immer gesagt: 'Taxi, ich weiß, dass du ein guter Spieler bist'. Also habe ich jeden Tag an mir gearbeitet."

Für den SKN St. Pölten war die dritte deutsche Liga ein interessanter Markt, so lockte man den damals 22-jährigen Hellenen in die niederösterreichische Landeshauptstadt - zurück nach Österreich, unter die Fittiche von Didi Kühbauer. Eine Mischung, die harmonierte und bis heute für Erfolg steht.

Fountas fand wieder seinen Spaß am Fußball, er wurde nach und nach immer wichtiger für die St. Pöltener, auch wenn seine Qualitäten weiterhin nicht im Toreschießen lagen.

Vier Mal trug er sich beim SKN in 21 Bundesliga-Einsätzen in die Schützenliste ein. Demnach wurde durchaus belächelt, warum Rapid im Mai 2019 plötzlich die Verpflichtung des quirligen Offensivspielers bekanntgab.

"Rapid ist eine große Familie für mich"

Als Mittelstürmer fehlten auf seiner Visitenkarte eindeutig die Tore, doch der mittlerweile bei seinem Herzensklub untergekommene Kühbauer kannte die Vorzüge seines Ex-Schützlings.

Immer wieder in der Vergangenheit setzte der nunmehrige Rapid-Cheftrainer auf frühere Weggefährten, da er bei diesen wusste, was er bekam. Auch bei Fountas, bei dem er sogar trotz Schulterverletzung nicht von einem Engagement Abstand nahm und sich der SKN verpokerte - zum Glück von Rapid.

"Ich war schnell ein Teil der Mannschaft. Es war von Anfang an ein gutes Klima, das hat mir geholfen. Dass ich den Trainer schon aus St. Pölten kannte, war sicher auch kein Nachteil. Rapid ist eine große Familie für mich, alle halten zusammen."

Taxiarchis Fountas

Denn dass Fountas bei Rapid so explodieren sollte, konnte wohl auch Kühbauer in dieser Form nicht ahnen. Fixstarter vom ersten Spieltag an und anders als bei den Vorgänger-Vereinen immer an vorderster Front aufgeboten, avancierte der Grieche zum Goalgetter par excellence, 19 Bundesliga-Treffer und sechs Assists rundete er mit einem Cup-Tor und einem Assist ab.

Warum es bei Rapid sofort "Klick" machte, beschreibt Fountas so: "Ich habe mich vom ersten Tag an wohlgefühlt bei Rapid. Alle haben sofort mit mir geredet und ich war schnell ein Teil der Mannschaft. Es war von Anfang an ein gutes Klima, das hat mir geholfen. Dass ich den Trainer schon aus St. Pölten kannte, war sicher auch kein Nachteil. Rapid ist eine große Familie für mich, alle halten zusammen."

Auch Ex-Weggefährte Zeidler wusste schon damals, dass Fountas die Anlagen mitbringt. "Das Talent in Schnelligkeit, Technik mit dem Ball, Kampfgeist oder Balleroberungsverhalten konnte man bei ihm schon immer sehen."

Dass er schlussendlich so eingeschlagen hat, bewertet Zeidler folgendermaßen: "Er hatte Mut, er war ein temperamentvoller Spieler. Es haben sicher viele Trainer geholfen, ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Aber im Endeffekt hat er es selber geschafft. Auf der einen Seite überrascht es mich, auf der anderen Seite hat er es aber genau mit diesem Willen und Temperament geschafft, sich durchzusetzen."

Fountas kann gegen Salzburg Antwort geben

Die herausragende Saison weckte Begehrlichkeiten, bekannt ist die Vorgehensweise seines Managements, ihn offenkundig bei anderen Klubs anzupreisen, doch trotz Zitterns bis zum letzten Transfertag blieb Fountas Rapid treu.

Dass in dieser Spielzeit von Disziplinlosigkeiten über Sperren bis hin zu Verletzungen viel zusammenkam, wurde bereits eingangs erwähnt und lenkte ihn vom Wesentlichen ab.

Dies dürfte ihn jedoch auch geläutert haben. Fountas ist auf dem Weg zu alter Form, die engagierten Frühjahrs-Leistungen sowie sein Triple-Pack gegen den WAC zeugen davon. Einen Fountas in Bestform wird Rapid auch gegen Salzburg brauchen.

Mit seinem ehemaligen Arbeitgeber hat Fountas ohnehin noch eine Rechnung offen - zu gerne würde er beweisen, dass er durchaus das Zeug gehabt hätte, auch bei RB Salzburg den Durchbruch zu schaffen. Nun kann er seine Antwort mit Rapid geben.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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