Sturm Graz: Greifen die Ideen von Heiko Vogel?

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Die Ungewissheit eines Winterkönigs.

Es ist beileibe keine alltägliche Situation, mit welcher der SK Sturm Graz vor diesem Frühjahr konfrontiert ist - nämlich jene, als Tabellenführer einen "Neustart" hinlegen zu müssen.

Zumindest was den Trainer betrifft. Franco Foda bei den "Blackies" nachzufolgen, ist nicht die leichteste Übung, gerade wenn man den Einfluss des Neo-Teamchefs in der steirischen Fußball-Welt einkalkuliert.

Mit Heiko Vogel haben sich die Macher um Geschäftsführer Sport Günter Kreissl für einen Mann entschieden, der sich nicht scheut, seine eigenen Ideen einzubringen.

Zugänge Abgänge
Jakob Jantscher (Rizespor) Charalampos Lykogiannis (Cagliari)
Bright Edomwonyi (Rizespor)
Thomas Schrammel (Rapid)

Vom ersten Training unter Anleitung des Deutschen an war klar, dass Sturm in Zukunft einen anderen Fußball als unter Foda spielen soll - mehr Ballbesitz, frühere Balleroberungen oder wie Vogel es nannte: "Mehr Eier".

Auch vom System her darf man gespannt sein, wie es der 42-Jährige anlegt. Die von Foda zuletzt forcierte Dreierkette erscheint jedoch vorerst Nachrang zu haben, ein 4-1-4-1-System dürfte die wahrscheinlichste Variante sein.

Letztlich zählt aber ohnehin die Umsetzung der Spielphilosophie mehr als das System auf dem Papier, und diesbezüglich sollte es kein Fehler sein, eigene Akzente zu setzen, anstatt nur Altbewährtes konservieren zu wollen.

Dass dies auch Risken mit sich bringt, liegt auf der Hand, letztendlich gilt es für Vogel jedoch, sich so schnell wie möglich vom dominanten Vorgänger zu emanzipieren - noch dazu in der aktuellen Situation.

>>> Soll dich unser virtueller Experte Toni via Facebook Messenger automatisch auf dem Laufenden halten? <<<

Dass Kreissl in dieser Woche auch noch Jakob Jantscher und Bright Edomwonyi nach Graz lotste, hat die ohnehin große Erwartungshaltung in Graz nicht gerade verringert. Selbiges gilt für den Umstand, dass Sturm in diesem Winter ausnahmsweise kein "Verkäufer" war und nur Charalampos Lykogiannis nicht halten konnte. Der Abgang des Linksverteidigers soll durch Thomas Schrammel aufgefangen werden.

Schon der Herbst hat bewiesen, dass es für Bundesliga-Verhältnisse definitiv ein konkurrenzfähiger Kader ist, den der Sportchef in den vergangenen eineinhalb Jahren zusammengebastelt hat.

Greifen Vogels Ideen und kann Sturm das Titel-Duell mit Red Bull Salzburg so lange wie möglich offen gestalten, könnte es zum Trumpf werden, dass es sich in Fußball-Österreich kaum wo derart gut auf einer Euphorie-Welle reiten lässt wie in Graz.

Den Anhängern wäre es jedenfalls zu wünschen, dass die gute Ausgangsposition nicht so schnell verspielt wird wie im Vorjahr - damals noch unter Foda.


VIDEO: Ist Sturm ein schlechtes Frühjahrs-Team?


LAOLA1 hat Wunschelf und Kaderbewertung von Sturm:

TOR:

Unaufgeregt und verlässlich. Jörg Siebenhandl hat einen guten Herbst hinter sich und wurde von Foda quasi ins Nationalteam "mitgenommen". Nach dem Fehlgriff Daniel Lück hat der frühere Torhüter Kreissl die Goalie-Position im zweiten Anlauf bestens besetzt. Dahinter hat Youngster Tobias Schützenauer Oldie Christian Gratzei, der sich im Karriere-Spätherbst immer wieder mit Wehwehchen plagt, im Saisonverlauf mehr oder weniger als Nummer zwei abgelöst. Mit Fabian Ehmann wartet eine weitere Nachwuchshoffnung auf eine Chance. Sturm ist im Tor gut aufgestellt, bezüglich Alter stimmt die Mischung. Die mittelfristige Herausforderung ist und bleibt, wie man Schützenauer und Ehmann auf höherer Ebene als der Regionalliga Spielpraxis verschafft, um ihre Entwicklung zu forcieren.

ABWEHR:

Unter Vogel geht die Reise wieder in Richtung Viererkette. Dabei wird vor allem der Konkurrenzkampf unter den Innenverteidigern brutal. Shootingstar Dario Maresic sollte sich ein Stammleiberl erspielt haben, wurde zuletzt aber auch als Sechser getestet und ist als solcher vor allem zum Auftakt anstelle des gesperrten Jeggo ein Thema. Auch Christian Schulz, Christian Schoissengeyr und Lukas Spendlhofer haben den Anspruch zu spielen - Letzterer war lange der Platzhirsch und will nach verkorkstem Herbst wieder durchstarten. Rechts führt kein Weg an Fabian Koch vorbei. Links hat Thomas Schrammel einen guten ersten Eindruck hinterlassen, die Fußstapfen von Charalampos Lykogiannis sind allerdings keine kleinen. Allrounder Marvin Potzmann war einer der großen Gewinner im Herbst - er kann auf beiden Außenverteidiger-Positionen spielen, ist ob seiner Vielseitigkeit aber auch auf einer der Mittelfeld-Positionen denkbar. Patrick Puchegger bleibt vorerst Ergänzungsspieler, ihn kennt Vogel aus dem Bayern-Nachwuchs bestens. Nominell ist Sturm in der Hintermannschaft gut aufgestellt, der Konkurrenzkampf wird zu Härtefällen führen.

MITTELFELD:

Man darf generell auf Vogels Ideen gespannt sein, im Mittelfeld besonders - speziell in punkto taktischer Ausrichtung und wie er das teilweise sehr flexibel einsetzbare Personal anordnet. Fest steht: Sind alle Kandidaten einsatzbereit, gibt es die Qual der Wahl und zahlreiche Möglichkeiten. Bis Jakob Jantscher zur Verfügung steht, wird es noch ein wenig dauern, aber alleine der Rückkehrer eröffnet zahlreiche Optionen, da er für die Verantwortlichen auf allen vier offensiven Positionen denkbar ist. Die dürfte es in Zukunft geben, da viel auf ein 4-1-4-1 hindeutet. Das Duell James Jeggo gegen Sandi Lovric um die Rolle des Sechsers könnte durch Maresic bereichert werden, zumindest wurde diese Variante getestet. Peter Zulj hat sich als Box-to-Boy-Player etabliert, könnte nun allerdings eine Spur offensiver positioniert werden. Für das "Schweizer Taschenmesser" Stefan Hierländer sind mehrere Rollen denkbar - wenn fit, führt an ihm im Normalfall kein Weg vorbei. Selbiges gilt für Thorsten Röcher, dessen Heimat nicht mehr zwingend der Flügel sein muss, sondern der laut Plan auch im Angriff aushelfen könnte. Philipp Huspek wird seinen Platz am rechten Flügel nach starkem Herbst nicht kampflos abgeben. Marvin Potzmann ist am linken Flügel eine Option, wurde jedoch auch zentral getestet, was eine interessante Variante darstellen würde. Bereichert wird der Konkurrenzkampf neuerdings durch Martin Ovenstad, der unter Foda am Abstellgleis stand, nun allerdings seine Chance wittert. Und dann gibt es mit Marc Schmerböck nach seinem verletzungsbedingt verpatzten Herbst ja auch noch einen Kandidaten, der an alte Leistungen anknöpfen will. Fraglos: Ist die Mehrheit der Kandidaten fit und in Form, wird dies ein spannender Aufstellungs-Poker.

STURM:

Deni Alar und sonst? Angesichts der Erkrankung von Philipp Zulechner haben sich diese Frage auch Kreissl und Vogel gestellt und mit Bright Edomwonyi einen alten Bekannten als Absicherung verpflichtet. "Edi" sollte wenig Eingewöhnungszeit benötigen. Ansonsten wäre das Risiko bei einem Ausfall von Alar recht groß gewesen, da Emeka Eze und Fabian Schubert über recht wenig Erfahrung verfügen, wobei Eze sein Potenzial bereits angedeutet hat. Selbiges gilt für den vielseitigen Oliver Filip, der auch im harten Konkurrenzkampf im Mittelfeld mitmischen wird. Wichtig wäre, dass Alar ein besseres Frühjahr als im Vorjahr hinlegt. Rechnet man auch noch denkbare Aushilfen wie Röcher hinzu, erscheint Sturm an vorderster Front alles in allem gut aufgestellt.

TRAINER:

Frischer Wind! Heiko Vogel hat noch nicht allzu viele Stationen als Cheftrainer im Profibereich zu Buche stehen, aber wer mit dem FC Basel das Schweizer Double holte, muss wohl nicht befürchten, dass der SK Sturm von vornherein eine Nummer zu groß ist - selbst als Nachfolger eines Neo-Teamchefs, der den Verein als Tabellenführer übergibt. Im Gegenteil. Gerade die Erfahrung aus Basel, einen Verein mit hohen Erwartungen zu übernehmen, sprach stark für den Deutschen. Was auffällt: Der 42-Jährige legt es nicht wirklich darauf an, die bisherige Herangehensweise in Graz zu konservieren, sondern will mit seinen eigenen Ideen Erfolg haben. Abseits des Platzes agiert er bislang rhetorisch blendend. Interessant wird, wie seine teilweise ironische Art im nicht immer leichten Grazer Umfeld ankommt, sollte es einmal nicht wie erhofft laufen.

LAOLA1-PROGNOSE: Wird Vogel funktionieren? Seriös vorhersagen lässt sich dies natürlich nicht. Umso spannender wird die Beantwortung dieser Frage - nicht zuletzt wegen der hervorragenden Ausgangsposition als Winterkönig. Was sich beurteilen lässt: Der neue Coach findet nicht nur vom Tabellenplatz her gute Bedingungen vor, er übernimmt auch einen weiter ergänzten guten Kader, mit dem man denkbar flexibel auftreten kann. Das hat sogar der über viele Jahre wenig abwechslungsreich coachende Foda bewiesen. Wichtig wäre es für die "Blackies" allemal, wenn nach langer Zeit einmal ein anderer Trainer als der langjährige Immer-wieder-Coach funktionieren würde. Die Chance auf zwei Titel besteht, Favorit ist und bleibt jedoch der ungleich finanzstärkere Serienmeister aus Salzburg. Sollte man am Ende leer ausgehen, wird viel davon abhängen, auf welche Art und Weise man scheitert.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare