Andreas Dobers Mission: Bundesliga mit Wattens!

 

Andreas Dober ist "noch immer extrem hungrig".

Sein neuer Klub Wattens suchte genau so einen Spieler, um die eher ruhigere Mannschaft mitzureißen und bekam mit ihm laut Coach Thomas Silberberger einen wichtigen "Mosaikstein" für den Weg zum Ziel.

Die neue Mission von Dober und den Tirolern ist klar: Aufstieg in die Bundesliga! Beim Auftakt ließ es Dober beim 6:1-Kantersieg gegen Lafnitz gleich einmal krachen. Beim Swarovski-Klub will der langjährige, extrovertierte Rapidler noch einmal angreifen.

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Beim Interview-Termin mit LAOLA1 spricht Dober über seine neue Herausforderung, das Vorbild Wacker Innsbruck und große Ziele. Außerdem erklärt der Wiener, warum das Ende bei Rapid unumgänglich war und warum er hofft, dass sein Sohn spielerisch hoffentlich nicht nach ihm kommt.

LAOLA1: Wattens hat mit dem 6:1 gegen Lafnitz einen perfekten Auftakt in der 2. Liga gefeiert. Hat dieser Kantersieg alle Erwartungen übertroffen?

Andreas Dober: Phasenweise haben wir unglaublich guten Fußball gespielt. Wir haben sie eingeschnürt, sie hatten kaum Luft zum Atmen. Wir wissen, was wir für Qualität haben. Wir wollten von Anfang an Druck ausüben, was uns extrem gut gelungen ist. Die taktischen Vorgaben haben wir zu hundert Prozent umgesetzt: Pressing, zwischen die Linien spielen. Der Sieg geht auch in dieser Höhe in Ordnung.

LAOLA1: War das schon ein deutliches Signal an die Konkurrenz, dass mit Wattens zu rechnen ist?

Dober: Auf jeden Fall! Wir haben eindrucksvoll bewiesen, dass wir ein Titelkandidat sind. Lafnitz ist auch nicht hierhergekommen, um sich Tirol anzuschauen und sich sechs Tore zu fangen. Wir haben das cool, clever und abgeklärt gespielt. Die Gegner haben jetzt auch den nötigen Respekt, aber es war ein ganz kleiner Schritt, man darf nicht zu euphorisch werden. Ried ist gleich einmal ein anderes Kaliber. Es ist auf jeden Fall ein Top-Spiel, das sind die zwei besten Mannschaften in der Liga. Da müssen wir mit derselben Einstellung, demselben Elan ans Werk gehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch in Ried drei Punkte holen.

LAOLA1: Du hast dich bei deinem neuen Verein gleich mit einem schönen Tor vorgestellt.

Dober: Ich hatte extrem viel Platz, der Verteidiger hat mit einem Schuss gerechnet, ich habe dann einen Haken gemacht, aber der Winkel zum Ball war noch immer schlecht. Also war die einzige Option, noch einen Haken zu machen. Jeder, der mich kennt, weiß ja, dass ich beidbeinig bin (lacht). Deshalb habe ich meinen linken Hammer ausgepackt, der Gott sei Dank abgefälscht war, sonst wäre er auf die Corner-Fahne gegangen. Aber ich habe mich irrsinnig gefreut, es war ein perfekter Tag für mich und den Verein. Es war ein wirklich geiles Spiel, so soll es weitergehen.

Dober mit LAOLA1-Redakteur Alexander Karper

LAOLA1: So viele Berge wie jetzt hast du in deiner Karriere noch nie vor der Haustür gehabt, höchstens bei deiner Leihe zu Altach 2005. Wie fühlst du dich als Favoritner im „Heiligen Land“ Tirol?

Dober: Meine Freundin und ich fühlen uns extrem wohl. Wir sind von Anfang an sehr gut aufgenommen worden. Die Tiroler sind extrem nett und hilfsbereit, sehr zuvorkommend. Man wird auf der Straße gegrüßt, jeder ist extrem freundlich und der Verein ist sensationell. Ich kann bisher nur Positives berichten.

LAOLA1: Was ist schwieriger zu verstehen? Für Tiroler, wenn du Wienerisch loslegst oder für dich, wenn Tirolerisch gesprochen wird?

Dober: Bis jetzt können sie mich alle noch sehr gut leiden, vielleicht weil sie mich noch nicht richtig verstehen (lacht). Nein, Spaß beiseite. Wir haben überhaupt keine Probleme. Das Tirolerische ist bis auf einige Endungen nicht viel anders.

LAOLA1: Bisch a Tiroler, bisch a Mensch… Gab es schon Anspielungen für den Wiener?

Dober (lacht): Nein, gar nicht. Wir sind sensationell gut aufgenommen worden und wir fühlen uns beide pudelwohl.

LAOLA1: Fakt ist, dass du mit 32 Jahren bei Wattens noch einmal voll durchstarten willst. Was hat dich am Swarovski-Verein überzeugt?

Dober: Ich war und bin noch immer extrem hungrig. Ich bin zwar 32, aber das ist nur eine Zahl. Ich fühle mich noch extrem jung und fit. Ich war in meiner Karriere nicht wirklich schwer verletzt. Ich wollte noch einmal angreifen. Dann habe ich mich mit Trainer Thomas Silberberger und Sportdirektor Stefan Köck zwei Mal getroffen. Es waren zwei irrsinnig gute Gespräche, wo sie mir klipp und klar gesagt haben, dass die Mission Bundesliga heißt.

LAOLA1: Du warst immer ein Spieler mit Style, deine Freundin ("Miss NÖ 2012") modelte auch. Da kommen die Glitzersteinchen auf dem Wattens-Trikot schon gut an, oder was hältst du davon?

Dober: Wir legen beide sehr viel Wert auf Mode. Wie ich das mit den Glitzer-Dressen gesehen habe, wollte ich unbedingt zu dem Verein. Nein, Spaß. Die Glitzer-Dressen sind natürlich ein cooler Gag, die passen sehr gut zu Wattens. Das mit den Glitzersteinchen war nach meinem Wechsel das Thema Nummer 1 – jeder hat gesagt, dass er so ein Dress gerne hätte und dass er so was überhaupt noch nie gesehen hat. Solche Sachen sind halt super und zeichnen einen Verein auch irgendwie aus.

LAOLA1: Ihr seid mittlerweile auch verlobt. Der Heiratsantrag folgte in New York, Rockefellercenter, Top of the Rock – geht’s noch kitschiger?

Dober: Nächstes Jahr im Juni wird dann geheiratet. Die Vorbereitungen laufen schon. Wir wollten eigentlich am 1. Juni heiraten, aber mit der neuen Liga-Reform ist es ja so, dass du da noch ein Spiel hast, was die letzten Jahre eigentlich nicht war. Dadurch wird die Hochzeit um ein, zwei Wochen verschoben, aber der Fokus gilt vorerst sowieso Wattens und der Meisterschaft, weil wir wirklich eine große Mission vor uns haben.

LAOLA1: Mit Platz 5 und 7 hat sich Wattens in der zweithöchsten Spielklasse etabliert. Ein Blick auf die Transfers lässt Großes erwarten. Ist der Aufstieg wirklich das klare Ziel?

Dober: Die Zielsetzung ist natürlich ganz klar: Wir wollen in die Bundesliga! Innsbruck hat es letztes Jahr vorgemacht und Wattens ist um nichts schlechter und nichts kleiner. Der Verein gehört auch in die Bundesliga. Wir haben wirklich einen großen, sehr guten, ausgeglichenen 23-Mann-Kader. Wir sind auf jeder Position doppelt besetzt, somit gibt es kein Kopfzerbrechen, wer spielt, wenn einer ausfällt. Es ist eher umgekehrt, dass sich der Trainer den Kopf zerbrechen muss, wen er spielen lässt.

LAOLA1: Kommt das Ziel Bundesliga nicht doch ein wenig früh? Wie realistisch ist das bei der starken Konkurrenz wie Ried oder Austria Lustenau?

Dober: Natürlich braucht man auch ein wenig Glück, man darf keinen Gegner unterschätzen. Egal, ob es jetzt Lafnitz, Wacker II oder Ried ist. Wir müssen jedes Spiel bestreiten, als wäre es ein Endspiel. Wir haben jetzt noch 29 Endspiele, wir müssen hundert Prozent geben – in jedem Spiel. 99 Prozent sind zu wenig. Ich bin aber jetzt wirklich guter Dinge, dass wir alle an einem Strang ziehen. Wir haben auch längere Besprechungen gehabt mit dem Trainer und dem Vorstand. Die Mission ist wirklich ganz klar und jeder zieht hundertprozentig mit.

LAOLA1: Mit diesem Background hat Wattens sicher auch gute finanzielle Möglichkeiten. Wie schwierig ist es, aus dem Schatten des FC Wacker, der aufgestiegen ist, zu treten oder wollt ihr die Euphorie in Tirol für euch nützen?

Dober: Vor zwei Jahren hat Wattens drei von vier Derbys gegen Wacker gewonnen. Insofern ist da nicht wirklich ein großer Unterschied. Der einzige ist, dass Wacker jetzt in der Bundesliga spielt und wir in der 2. Liga. Das wollen wir dieses Jahr ändern. Ich bin auch überzeugt, dass wir das schaffen.

LAOLA1: Du hast den ins Alter gekommenen Motor zuletzt in der Regionalliga bei Rapid II schon etwas heruntergefahren. Welche Drehzahl ist in der neuen 2. Liga noch möglich?

Dober: Ich bin in der Regionalliga auch nicht heruntergefahren. Wer mich kennt, weiß, dass ich immer hundert Prozent gebe – egal in welchem Spiel. Die 2. Liga besteht jetzt auch aus sieben Regionalliga-Mannschaften, insofern wird der Unterschied nicht extrem groß. Das einzige ist, dass wieder schneller Fußball gespielt wird. Aber die Ostliga ist die stärkste Regionalliga, da war der Unterschied nicht viel größer.

LAOLA1: Rapid II war für dich eine Entscheidung für 1.) Rapid, 2.) deinen Sohn in Wien, 3.) den Start deiner Trainerkarriere und 4.) um für die Zukunft vorzubauen. Dieser Plan ist nicht gänzlich aufgegangen.

Dober: Ich wurde letztes Jahr im Winter geholt, da war der Plan, dass wir nicht absteigen wollten. Das ist uns dann sehr gut gelungen und plötzlich hat es im Sommer geheißen, dass wir unbedingt aufsteigen wollen in die neue 2. Liga. Die Zielsetzung war dann im Winter wieder anders, plötzlich hieß es, wir wollen nicht unbedingt aufsteigen. Das war auch für mich ein herber Rückschlag, weil sie vermehrt mit Jungen spielen wollten. Das hat mir nicht wirklich gepasst, weil ich noch voll im Saft stehe, mehr erreichen und mit Rapid II aufsteigen wollte. Das war dann eben nicht so, deshalb habe ich mich nach einer neuen Herausforderung umgeschaut. Der Abschied hatte nichts mit meiner Person oder mit meinen Leistungen zu tun. Im Gegenteil, ich habe sehr gut gespielt.

LAOLA1: Wie sehr wurmt es dich, dass deine (vorerst) letzte Tat für Rapid eine Rote Karte gegen Parndorf war?

Dober (lacht): Das habe ich eigentlich schon wieder vergessen, das ist Vergangenheit. Mein Fokus gilt jetzt nur Wattens, dafür werden wir alles tun.

"Ich bin ein Rapid-Urgestein, habe knapp 20 Jahre bei dem Verein verbracht und es wäre schön, wenn ich nach meiner Karriere bei Rapid lande"

LAOLA1: War es das endgültig für dich mit Rapid oder glaubst du noch an ein Türchen?

Dober: Endgültig gar nicht. Es gibt ja auch ein Leben nach dem Fußball. Ich bin ein Rapid-Urgestein, habe knapp 20 Jahre bei dem Verein verbracht und es wäre schön, wenn ich nach meiner Karriere bei Rapid lande. Aber vielleicht baue ich mir jetzt in Tirol etwas auf.

LAOLA1: Was bedeutet der Rapid-Abschied für deine dort begonnene Trainerausbildung und die ersten Erfahrungen im Nachwuchs?

Dober: Gar nichts. Wattens ist auch ein geiler Verein ist, der sehr gute Arbeit im Nachwuchs leistet. Da habe ich mich schon mit Trainern unterhalten, dass ich ab und zu beim Nachwuchstraining vorbeischauen werde. Ich lasse mir alle Türen offen. Ich werde jetzt auch die Trainerausbildung machen. Aber ich will noch ein paar Jahre Fußball spielen, das hat jetzt einmal oberste Priorität.

LAOLA1: Ein Dober bleibt aber mit deinem Sohn Elias weiterhin bei Rapid.

Dober: Ja, genau. Der kommt jetzt in die U9 und ist beim Abschiedsspiel für Steffen Hofmann mit mir eingelaufen. Das war für ihn ein unglaubliches Erlebnis. Sein Herz schlägt auch für Rapid.

LAOLA1: Kommt er spielerisch nach dir oder sind da schon Parallelen zu erkennen?

Dober: Hoffentlich nicht! (lacht) Ich hoffe, dass er spielerisch nicht nach mir kommt, aber vielleicht kämpferisch oder von der Mentalität her. Das wäre schon in Ordnung. Er ist jetzt acht Jahre alt, da kann man noch nicht sehr viel sagen. Es gibt noch keine fixen Positionen, er spielt überall. Aber er hat mir gesagt, dass er sich als Verteidiger am wohlsten fühlt. Bisher macht er noch nicht mehr Tore als ich, aber er hat schon einen gewaltigen Schuss. Da kann man mich schon herauskennen. Es macht ihm sehr viel Spaß und so lange es ihm Spaß macht, soll er spielen.

LAOLA1: Wirst du so alt im Sport wie dein Freund und Ex-Kollege Steffen Hofmann (37)?

Dober: Das könnte ich mir vorstellen. Bei ihm war es auch so, sein Körper hat mitgespielt. Warum sollte man ein paar Fußballer-Jahre herschenken, wenn man noch aktiv spielen kann und wenn es einem noch Spaß macht? Ich fühle mich topfit. Die Vorbereitung war hart, aber ich habe jedes Training ohne Probleme mitgemacht. Ich bin sehr hungrig, das wird man am Platz weiterhin sehen. Ich gehe nach wie vor jeden Tag gerne zum Training. Deshalb ist es mein vorrangiges Ziel, noch weiter Fußball zu spielen.

LAOLA1: Bei deinem Wechsel wurdest du zitiert: "Der Rasen in Wattens wird brennen." Was hast du damit gemeint?

Dober: Ich habe schon im Vorfeld gehört, dass die Mannschaft eher ruhiger ist und nicht wirklich diese aggressiven Typen im Team sind. Ich wurde auch deswegen geholt, damit man auch so einen Spieler in den eigenen Reihen hat. Ich habe damit gemeint, dass ich die Mannschaft von der ersten bis zur 95. Minute pushen werde, meine Gegenspieler werde ich natürlich nicht verschonen.

LAOLA1: Trainer Thomas Silberberger meinte: "Ich bin überaus froh, dass sich ein Spieler mit so viel Routine uns anschließt.“ Mussten sie bei dir Überzeugungsarbeit leisten?

Dober: Für mich war es nach dem Angebot hundertprozentig klar, dass ich diesen Schritt machen möchte, weil ich die Erste Liga immer verfolgt habe. Wattens ist ein sehr guter Verein. Ich habe auch mit Dino Kovacec gesprochen, der mit mir bei Rapid II gespielt hat, und er konnte mir auch nur Positives berichten. Somit war es für mich vom ersten Tag an klar.

Sonntag, ab 10:30 Uhr, LIVE bei LAOLA1: Das Topspiel SV Ried gegen WSG Wattens >>>

LAOLA1: Der Trainer meinte weiters, dass dir von Anfang an eine Führungsrolle zugedacht ist und du ein Mosaikstein in einer schlagkräftigen Mannschaft bist.“ Wie gut tut es, dieses Vertrauen schon von vornherein zu spüren?

Dober: Natürlich, der Trainer hat mich auch in den Mannschaftsrat gewählt, was auch ein riesiger Vertrauensvorschuss ist. Dieses Vertrauen will ich ihm natürlich auch auf dem Rasen zurückgeben. Ich werde Woche für Woche meine Leistungen bringen.

LAOLA1: Was hältst du von der 2. Liga, dem neuen Format? Wird es große Änderungen für euch Spieler geben?

Dober: Bis auf die 30 Spiele und nur mehr zwei Duellen gegen jeden Gegner ist in der 2. Liga jetzt nicht so viel neu. Ziemlich neu ist die Bundesliga, da bin ich gespannt, ob sich das System durchsetzen wird.

LAOLA1: Spieltermine gibt es jetzt am Sonntag um 10:30 Uhr, im LAOLA1-Livespiel trefft ihr am Sonntag auf die SV Ried. Kommt dir die Anstoß-Zeit entgegen?

Dober (lacht): Ich sage einmal so: Dieses Spiel wird jetzt nicht die bessere Mannschaft gewinnen, sondern jene, die den Willen mehr hat, die drei Punkte zu holen. Ich glaube, dass es eher eine Motivations-Geschichte ist. Aber jedem Fußball-Profi sollten die Spieltermine egal sein.

Textquelle: © LAOLA1.at

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