Stocker will Wacker für Investoren öffnen

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Bundesliga-Abstieg, wirtschaftliche Turbulenzen und die (zumindest vorübergehende) Kündigung aller Mitarbeiter.

Die letzten Wochen beim FC Wacker Innsbruck als hektisch zu bezeichnen, wäre wohl eine klassische Untertreibung. Präsident Gerhard Stocker bleibt aber weiterhin optimistisch.

Er ist von der Struktur und dem neu eingeschlagenen Weg der Innsbrucker überzeugt. Um jedoch auch langfristig wieder nach oben zu kommen, hofft er auf eine Änderung im Verein, wie er im exklusiven Gespräch mit LAOLA1 erklärt: "Mitgliederverein - alles vollkommen in Ordnung. Aber der Profi-Bereich, wo eh immer der Verein die Mehrheitsanteile hat, sollte auch für externe Investoren und Geldgeber geöffnet werden."

Außerdem spricht der Tiroler über Adjustierungen der 2. Liga, die Problematik der hohen Stadion-Miete in Innsbruck und die mangelnde Unterstützung seitens der Politik.

LAOLA1: Wie viele Wochenstunden arbeiten Sie momentan?

Gerhard Stocker: Das ist eine unfaire Frage, weil ich das so nicht sagen kann. Da vermischt sich alles und es ist immer die Frage, ob repräsentative Termine auch Arbeit sind. Aber es dreht sich viel um den Verein, keine Frage.

LAOLA1: Bevor wir zum FC Wacker kommen, würde ich gerne noch über die Bundesliga sprechen. Sie sind trotz des Abstiegs noch immer Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Stocker: Das sehe ich ganz entspannt. In der September-Sitzung wird das geregelt. Die sieben Aufsichtsrat-Mitglieder werden sich auf eine Lösung einigen.

LAOLA1: Sie würden dieses Amt also weiterhin machen?

Stocker: Das hängt davon ab - wenn alle hinter mir stehen, dann bin ich bereit. Wenn es nur eine knappe Geschichte wird und ich deutlichen Gegenwind verspürt, dann macht das keinen Sinn.

LAOLA1: Beim letzten Interview vor knapp einem halben Jahr meinten Sie, dass man bei der HPYBET 2. Liga und den Regionalligen etwas nachjustieren müsse. Nun ist der FC Wacker auch davon betroffen. Gibt es Ideen, wie man das nachjustieren könnte?

Stocker: Das passiert schon. Es hat schon einige Beschlüsse gegeben, die in die richtige Richtung gehen. Man muss einen Konsens zwischen den drei verschiedenen Anspruchsgruppen der 2. Liga, den klassischen Zweitligisten, den Zweitteams der Bundesligisten und die ambitionierten Teams, die aufsteigen wollen, finden, so dass es größtmöglich für alle drei passt.

LAOLA1: Auch vor diversen Kooperationsteams in der 2. Liga haben Sie beim letzten Interview gewarnt, da eine Liga der Zweitteams entstehen könnte. Wie stehen Sie dazu, dass jetzt beispielsweise die FC Juniors OÖ im ÖFB Cup antreten?

Stocker: Die Möglichkeiten sind da voll ausgeschöpft, da kann man nur gratulieren. Wenn sich die 2. Liga entwickeln würde, dann muss man aufpassen. Dann ist das plötzlich eine Liga von Farmteams. Momentan ist das ja so nicht angedacht, aber wenn es so kommt, dann muss man das entsprechend korrigieren.

LAOLA1: Zurück zum FC Wacker: Hat sich beim Budget schon etwas getan, seit der Pressekonferenz?

Stocker: Es tut sich immer etwas. Im Endeffekt geht es, und das haben wir versucht bei der Pressekonferenz zu kommunizieren, um Zeitgewinn. So wie sich das dargestellt hat, dass man sehr tief fällt mit den Finanzmitteln, tut man sich sehr hart, Entscheidungen zu treffen. Und so committen sich auch die Mitarbeiter, die sagen, wir müssen Zeit gewinnen. Von Woche zu Woche sieht man klarer, wo das hingeht. Und wir sind total optimistisch unterwegs, zum Beispiel bei den Kündigungen, die ja Vorsichtsmaßnahmen waren, da werden sich viele als nicht nötig heraustellen.

LAOLA1: Stand heute: Wie viele Mitarbeiter könnten weiter angestellt werden?

Stocker: Damit habe ich mich nicht beschäftigt. Diese Frage stellt sich Mitte September.

LAOLA1: Das ewige Thema in Innsbruck ist das Stadion. Wie viel des Budgets fließt letztlich in die sehr teure Stadionmiete?

Stocker: Auch das wissen wir noch nicht klar. Wir sind noch in Gesprächen mit der Olympiaworld (Betreiberfirma des Stadions, Anm.). Es wird anerkannt, dass bei uns eine Sondersituation ist. Die Kosten sind noch nicht fixiert.

LAOLA1: In den letzten Jahren war es aber schon so, dass der FC Wacker im Vergleich zu anderen österreichischen Vereinen sehr viel für das Stadion ausgegeben hat.

Stocker: Darum ist das Budget nicht gleich Budget und nicht vergleichbar mit anderen Vereinen. Das ist für mich immer schwierig. Bei uns ist es so, dass wir relativ viel für das Stadion zahlen, aber auch relativ viel refundiert bekommen. Dann ist es links und rechts, Einnahmen und Ausgaben, vom Budget erhöhend und dann heißt es, wir haben eh ein Budget mit dem man auskommen muss. Dass es Netto anders ausschaut, was bei den Mannschaften landet - das ist ein kleinerer Betrag.

LAOLA1: Die Liste Fritz wird einen Antrag zur gratis Nutzung für das Tivoli Stadion im Tiroler Landtag einreichen. Hat man diesbezüglich Hoffnung beim FC Wacker?

Stocker: Für mich ist es toll, dass erkannt wird, dass der Weg und die neue Positionierung des FC Wacker eine Riesenaufgabe im Tiroler Fußball hat. Wenn man sieht, wo Akademie-Spieler hingehen - da sind sicher wir die erste Adresse. Genauso unser Konzept, dass nationale und internationale Top-Talente vorübergehend beim FC Wacker eine Heimat finden, weil sie sich weiterentwickeln wollen und in höhere Profi-Sphären aufsteigen wollen. Natürlich, längerfristig wollen wir schon, dass das im eigenen Verein passiert und nicht jedes Talent von der 2. Liga sofort woanders hinwechselt. Da wäre es schon wieder schön, wenn wir als Wacker Innsbruck ein Verein in der Bundesliga wären, der sich in der Bundesliga etabliert.

LAOLA1: Das zentrale Thema bei der Jugendausbildung ist der Bau des Trainingszentrums in Mieming. Wie viele Schritte ist man schon weiter bei diesem Projekt?

Stocker: Das ist vollkommen getrennt vom Spielbetrieb. Das wird von allen bestätigt, die Ahnung von Fußball haben - Spitzentalente wirst du nur nach Tirol bekommen, wenn du eine entsprechende Infrastruktur hast. Da werden wir weiterarbeiten. In Mieming wurden schon entsprechende Beschlüsse gefallen. Wir haben jetzt nicht den Druck, dass wir morgen mit den Trainingszentrum anfangen. Wir können jetzt schauen, was wir zusammenbekommen.

LAOLA1: Es wird immer wieder erklärt, dass auch Investoren Interesse zeigen, sich daran zu beteiligen.

Stocker: Ich sage generell, auch im Profi-Fußball, sollten die Ges.m.b.H.s auch für Investoren aufgemacht werden. Da träume ich schon von einer Entwicklung im Verein. Mitgliederverein - alles vollkommen in Ordnung. Aber der Profi-Bereich sollte auch für externe Investoren und Geldgeber geöffnet werden. Das haben praktisch alle Vereine, nur wir nicht.

LAOLA1: Ist das ein Thema, das man bei der nächsten Mitgliederversammlung anspricht?

Stocker: Ich kann das nur vorschlagen. Es gibt Statuten, nach denen haben wir uns zu richten. Ich sage nur, wenn wir uns im Profi-Bereich etablieren wollen, dann sehe ich persönlich keinen anderen Weg.

LAOLA1: Gibt es aus der Tiroler Wirtschaft grundsätzlich Interesse an einem Investment?

Stocker: Ich bekomme mehrfach Signale, dass das eigentlich so gehört.

LAOLA1: Generell muss man sagen, dass Tirol ein großer Wirtschaftsstandort ist. Wieso gibt es aus der Privatwirtschaft dennoch kaum Sponsoren?

Stocker: Ich werde mich nicht aufregen, dass wir nicht mehr Sponsoren haben, sondern bin dankbar für die, die wir haben. Es gibt viele Gründe, warum wer uns nicht sponsern will. Es liegt an uns, sie für uns zu gewinnen.

LAOLA1: Wie geht man beim FC Wacker mit der Namensänderung von WSG Wattens zu WSG Tirol um?

Stocker: Ich kann Wattens nur gratulieren im Marketing. Die gehen ihren Weg, das passt.

LAOLA1: Es wird oft über die mangelnde Unterstützung seitens der Politik gesprochen. Wie würde die ideale Unterstützung ausschauen?

Stocker: Was dem FC Wacker sicher abgeht, ist die breite positive Stimmung dem Verein gegenüber. Teilweise gibt es immer wieder Vorwände, keine Einwände, wenn wir Geschichten hören, die vor 2002 (Konkurs des FC Tirol, Anm.) waren. Danach sind auch genug Fehler passiert. Im Endeffekt erkennt man aber nicht, dass wir einer von acht Vereinen sind, die seit 2003 durchgehend Mitglied der Bundesliga sind und 48 Vereine sind Mitglieder gewesen. Da kann man nicht sagen, dass es beim FC Wacker keine Kontinuität gibt.

LAOLA1: Seit wenigen Tagen ist der FC Wacker auch schuldenfrei. Wie sehr erleichtert das die Suche nach Sponsoren und die Gespräche mit der Politik?

Stocker: Das Argument, dass nur Altlasten getilgt werden, fällt weg. Jetzt können wir wirklich sagen, es geht ausschließlich um die Entwicklung des Vereins. Ich sage nach wie vor, dass der Verein im Back-Office-Bereich und in der gesamten Vereinsstruktur so gut dasteht, wie es seit 2002 nicht der Fall war. Ich wehre mich dagegen, dass man sagt, wir haben keine Struktur. Ich sage, wir haben eine Top-Struktur.

Textquelle: © LAOLA1.at

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