Darum verließ Markus Mader den FC Dornbirn

 

Es gibt nicht viele Konstante im Fußball, weder bei Spielern noch bei Trainern. Dass es sie aber doch gibt, bewies Markus Mader.

Der 53-Jährige übernahm im Juli 2017 den Cheftrainer-Posten beim FC Dornbirn, führte die "Rothosen" in die 2. Liga und in der vergangenen Saison zu einem beeindruckenden siebenten Endrang. Zwar sammelte man nur vier Zähler mehr als in der Aufstiegs-Spielzeit 2019/20, dennoch wurde das solide Standing in der Liga bestätigt.

Umso verwunderlicher kam es, als die Dornbirner am 28. Mai mitteilten: "Markus Mader verlässt den FC Dornbirn 1913 auf eigenen Wunsch und wechselt zum Lokalrivalen Austria Lustenau."

Jener Lokalrivale, der die Vorsaison ganze sechs Plätze und acht Punkte hinter Dornbirn abschloss. Warum ausgerechnet dieser Wechsel, müssen sich zahlreiche Dornbirn- und 2. Liga-Fans gedacht haben?

"Es ist ganz einfach: Die Austria ist ein Profiverein mit Ambitionen. Ich bin ein Trainer mit Ambitionen und habe die Chance bekommen, ins Profi-Geschäft einzusteigen. Da musste ich nicht lange überlegen", erklärt Mader seinen Schritt im LAOLA1-Gespräch.

"Idealer Zeitpunkt" für einen Tapetenwechsel

Als Teilnehmer des laufenden UEFA-Pro-Lizenz-Kurses sind diese Ambitionen durchaus zu verstehen. Nicht ohne Grund ging Mader diesen Weg, das betonte er schon bei seiner Amtsübernahme in Lustenau: "Mit Beginn der Ausbildung für die UEFA-Pro-Lizenz war mir klar, dass ich im Profi-Sport Fuß fassen möchte."

"Wir haben schon im Vorfeld besprochen, wenn ich ein Angebot im Profi-Bereich bekomme, werden sie mir keine Steine in den Weg legen. Daran haben sie sich auch gehalten und es gab keinerlei Probleme"

Neo-Lustenau-Coach Mader

Natürlich weiß auch der Vorarlberger, dass solch ein Wechsel innerhalb der Bundesland-Grenzen ordentlich Staub aufwirbeln kann. "Natürlich, wenn man jetzt zum direkten Rivalen Austria Lustenau geht, wird das nicht so rosig gesehen", meint Mader.

Dennoch haben die Klub-Verantwortlichen in Dornbirn "sehr verständnisvoll" auf sein Anliegen reagiert. Obwohl erst im vergangenen März die ursprüngliche Zusammenarbeit bis Sommer 2022 verlängert wurde, war man dem 53-Jährigen keinesfalls böse - ganz im Gegenteil. 

"Wir haben schon im Vorfeld besprochen, wenn ich ein Angebot im Profi-Bereich bekomme, werden sie mir keine Steine in den Weg legen. Daran haben sie sich auch gehalten und es gab keinerlei Probleme", sagt der frühere Stürmer.

Denn auch für ihn war klar: Der Zeitpunkt hätte kaum treffender sein können. "Der Zeitpunkt war ideal", sagt Mader und erklärt: "Wir haben mit Dornbirn viel erreicht, nach vier Jahren stellen sich aber Abnützungserscheinungen ein." Daher sei er glücklich, "dass eine andere Tür aufging."

Dabei streut der 53-Jährige seinem Ex-Klub noch einmal Rosen: "Ich will betonen, dass mir die vier Jahre in Dornbirn extrem viel Spaß gemacht haben und es eine wirklich schöne Zeit war."

VIDEO: Saisonziel? Mader: Platz sieben oder besser

(Artikel wird unter dem VIDEO fortgesetzt)



Mader schwärmt über Kooperation mit Clermont Foot

Eine wirklich schöne Zeit erwartet er sich auch in Lustenau. Dafür steht aber noch viel Arbeit vor der Tür. Zwölf Abgängen stehen erst sechs Neuzugänge gegenüber. Mit derzeit 19 Spielern stellt man den kleinsten Kader mit dem SV Horn, davon bringen gerade einmal vier etwas Routine mit.

Warum man in der Kaderplanung noch nicht weiter fortgeschritten ist?

"Weil der Verein eine ganz klare Philosophie verfolgt. Wir wollen keine Schnellschüsse vollziehen, haben uns punktuell verstärkt. Ich muss dem Verein auch hoch anrechnen, dass er nie nervös wurde. Es wurde immer betont, dass das richtige Spielermaterial noch kommt und da bin ich auch der Meinung, dass wir das so geschafft haben", betont Mader.

Trotzdem wird nochmal nachgerüstet werden, speziell im defensiven Mittelfeld und in der Offensive ist man noch auf der Suche. "Diese Typen müssen aber hundert Prozent zu Austria Lustenau passen", merkt der Neo-Trainer an.

Der neue, alte Sechser könnte Brandon Baiye von Kooperationsklub Clermont Foot 63 sein. Der Belgier war bereits im vergangenen Frühjahr nach Lustenau ausgeliehen, dessen Zukunft soll in den nächsten Tagen entschieden werden.

Mader würde sich aber auch über weitere Verstärkungen vom Ligue-1-Aufsteiger freuen: "Das Großartige an dieser Kooperation ist, dass wir so zu Spielern kommen, die wir sonst wahrscheinlich nie in Lustenau sehen würden."

Solche seien der kürzlich ausgeliehene 19-jährige Cem Türkmen, den Clermont von Bayer Leverkusen loseiste und direkt in Lustenau parkte, oder Ex-Admira-Kicker Muhammad-Cham Saracevic. Darum würde er sich freuen, "wenn da noch einer kommt."

So wurde Tabakovic gehalten

Etwas mehr Routine könnte dieser sonst junge Kader auch vertragen, diese ist derzeit nur bei Torhüter Domenik Schierl, Innenverteidiger Matthias Maak, Mittelfeld-Akteuer Pius Grabher sowie Goalgetter Haris Tabakovic vorhanden. Sie werden die Mannschaft auch führen müssen.

"Wir brauchen ein gutes Gerüst, das haben wir uns mit den Vertragsverlängerungen bei den genannten Spielern auch erarbeitet", sagt Mader. Er fordert aber auch die neuen Spieler: "Die Spieler, die gekommen sind, sind zwar jung, das sind aber keine Entwicklungsspieler mehr. Die haben schon gezeigt, was sie können."

Wichtig war dem Neo-Coach vor allem, dass der 27-jährige Schweizer Tabakovic im Ländle bleibt. In der vergangenen Spielzeit wusste der Stürmer mit 18 Treffern und sieben Torvorlagen aus 23 Liga-Spielen zu überzeugen. Dementsprechend standen die Interessenten Schlange, Tabakovic soll bei Meister Blau-Weiß Linz als Nachfolger von Torschützenkönig Fabian Schubert im Gespräch gewesen sein.

Wie der Torjäger letztendlich gehalten werden konnte? "Ganz einfach: Er hat einen Vertrag auf zwei Jahre abgeschlossen. So wie es aussieht, wird er diesen auch erfüllen", sagt Mader trocken. Heutzutage haben Verträge nicht immer einen großen Wert, gerade deswegen wird man in Lustenau froh sein, den Schweizer weiter in seinen Reihen begrüßen zu dürfen.

Der Neo-Coach betont: "Wir sind sehr froh, ihn zu haben, weil er nicht nur ein ausgezeichneter Fußballer mit Torqualitäten, sondern auch ein super Typ ist, der ideal in die Mannschaft passt."

Kader ist "gut genug" für Spitzenplätze

"Letztes Jahr wurde es mit Dornbirn der siebente Tabellenplatz - diese Platzierung will ich mindestens bestätigen, aber lieber noch toppen."

Markus Mader über sein Saisonziel

Mit Tabakovic soll, laut Mader, der Generalangriff auf die Spitzenplätze erfolgen - wohlgemerkt nach der geringsten Punkteausbeute und schlechtesten Klub-Platzierung in der 2. Liga aller Zeiten. Dass dieser bereits nach den schwierigen Auftaktpartien gegen den GAK, in Lafnitz, gegen Liefering, beim FAC und gegen Wacker Innsbruck verblasst, daran glaubt der Vorarlberger nicht.

Austria Lustenau gegen GAK am Sonntag, 10:30 Uhr, im LIVE-Stream >>>

"Klar könnte der Auftakt leichter sein. Allerdings muss man sowieso gegen jeden Gegner in dieser Liga spielen. Da bekommen wir auch erste Aufschlüsse, wo die Reise in der kommenden Spielzeit hingehen wird."

Wo diese hinführen soll, ist dem Lustenau-Trainer klar. Zwar ginge es grundsätzlich darum, die letzte Saison vergessen zu machen. Er habe sich aber ein persönliches Ziel gesteckt: "Letztes Jahr wurde es mit Dornbirn der siebente Tabellenplatz - diese Platzierung will ich mindestens bestätigen, aber lieber noch toppen." Der Kader sei gut genug, "davon bin ich überzeugt und wir werden das auch beweisen", lässt Mader aufhorchen.

Dass die Mannschaft ob des kleineren Umbruches sowie des neuen Trainers eine Eingewöhnungsphase benötigt, dementiert Mader: "Ich sehe, wie die Spieler trainieren, wie sie alles auf dem Platz geben. Sie werden immer mehr zu einer verschworenen Gemeinschaft. Das stimmt mich so optimistisch, dass wir eine gute Rolle spielen werden."

Der Vorarlberger versprüht Optimismus - ein Aspekt, der in Lustenau zuletzt schon zur Rarität wurde. Die Arbeit in Dornbirn spricht für den Pro-Lizenz-Teilnehmer, seine Lockerheit wird dem Spiel der Austria gut tun, wie schon in der ersten Runde des ÖFB-Cups mit dem 3:1-Sieg beim FC Wels zu sehen war.

Außerdem könnte mit Markus Mader wieder Kontinuität ins Planet Pure Stadion einkehren. Zuletzt galt der Vorarlberger Klub als Trainerfriedhof, verbrauchte allein im Jahr 2020 vier Trainer. Seit dem Aus von Lassaad Chabbi im Februar 2017 gaben sich gar elf (!) Trainer die Klinke in die Hand.

Zu viel, um langfristig in der 2. Liga eine gewichtige Rolle zu spielen. Dass man bald wieder zu den Großen dazugehören will, stellt Mader bei der Meisterfrage für die kommende Saison klar: "Es gibt viele Mannschaften, die das Zeug haben, ganz oben mitzuspielen. Wir hoffen, dass Austria Lustenau dabei sein wird."

Austria Lustenau gegen GAK am Sonntag, 10:30 Uhr, im LIVE-Stream >>>

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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