Brunmayr: Faul? "Hätte damals gerne GPS gehabt"

 

Ronald Brunmayr war ein Stürmer wie er im Buche steht.

Ob für FC Linz, Austria, Ried, GAK, Sturm oder Pasching - der Steyrer wusste, wo das Tor steht und suchte immer den direkten Weg dorthin. Daran hat sich nichts geändert. Auch als Trainer hat der mittlerweile 45-Jährige einen klaren Weg vor Augen.

Im Dezember entschied er sich - trotz aller Schwierigkeiten im Verein - für Blau-Weiß Linz. Brunmayr wollte etwas anderes sehen, die Jahre in der Akademie und beim FC Juniors OÖ haben schon für Scheuklappen gesorgt. Er wollte neue Pfade beschreiten.

Geplant war die UEFA-Pro-Lizenz, die er weiterhin im Auge behält. Doch BWL grätschte dazwischen, seine Vergangenheit beim FC Linz machte den Reiz für diese Aufgabe aus.

Seine Methoden greifen, besonderes Hauptaugenmerk gilt den Stürmern, die viel Lauf- und Defensivarbeit verrichten müssen, "obwohl dies nicht in ihrer DNA ist". Anders als er damals. "Zu mir haben sie immer gesagt, dass ich ein relativ fauler Spieler bin", lächelt der Chefbetreuer. Doch schon damals hätte er gerne GPS und seine Daten ausgewertet, um das Gegenteil zu beweisen.

Im großen LAOLA1-Interview erklärt Brunmayr seine Entscheidung für Blau-Weiß, seine Philosophie, die nötige Veränderung und die UEFA-Pro-Lizenz.

(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)

LAOLA1: Wie sehr hadern Sie mit dem Liga-Stopp nachdem Blau-Weiß Linz im Frühjahr sehr gut aus den Startlöchern gekommen ist?

Ronald Brunmayr: Es ist so, wie es ist. Man kann es nicht ändern, man kann auch nicht jammern. Wir können das Positive mitnehmen, dass wir aus den drei Partien zwei Unentschieden geholt und einmal gewonnen haben. Dementsprechend lässt es sich dann in weiterer Folge vielleicht leichter arbeiten, weil wir wissen, dass gewisse Dinge funktionieren und wir an den Details arbeiten können. So werden wir das dann auch angehen.

LAOLA1: Wie gut passen BW Linz und Sie schon zusammen?

Brunmayr: Also von meiner Seite bin ich sehr zufrieden, wie sich das eingespielt hat. Die anderen Seiten kann ich nicht beurteilen (lacht). Ich denke, dass man zuletzt schon gesehen hat, in welche Richtung es bei uns gehen soll. Daran werden wir weiterarbeiten.

LAOLA1: Bei Ihrer Präsentation wurde die Vergangenheit beim FC Linz hervorgestrichen. Welchen Stellenwert hatte diese Station in Ihrer aktiven Karriere?

Brunmayr: Es waren meine ersten drei Profi-Jahre damals. Wenn man die ersten Schritte wo macht, hat man immer Erinnerungen daran. An der Stätte hat sich nichts geändert, wo ich damals als Spieler angefangen habe und jetzt – da kann man auch die Juniors OÖ dazuzählen – mehr oder weniger als Trainer in den Profibereich eingestiegen bin. Von dem her fühlt es sich genauso spannend an wie vor 26 Jahren.

LAOLA1: Sie haben sich auf Blau-Weiß Linz eingelassen, obwohl gerade damals eine sehr düstere Prognose herrschte, man nicht wusste, wie es weitergeht. Warum waren Sie trotzdem davon überzeugt, diesen Schritt gehen zu wollen?

Brunmayr: Erstens, weil ich den Verein schon immer spannend gefunden habe, weil man wegen früher was damit verbindet. Zweitens, weil ich die tätigen Leute im Umfeld – Tino Wawra und Stefan Reiter – sehr gut kenne und gewusst habe, dass alles in die richtige Richtung geht. Und drittens war einfach die Mannschaft spannend. Wenn man sich den Kader anschaut, ist sehr viel Qualität vorhanden – das war für mich reizvoll, ob es funktioniert, meine Art von Fußball auf die Mannschaft zu projizieren. Bisher sind wir eigentlich ganz gut damit gefahren.

LAOLA1: Dadurch, dass Sie Reiter aus Jahren in Ried kennen, war also die Vertrauensbasis sofort gegeben oder konnte erfolgreich Überzeugungsarbeit geleistet werden?

Brunmayr: Also mir haben die Verantwortlichen im Dezember, Anfang Jänner das Gefühl gegeben, dass ich die richtige und einzige Alternative für Blau-Weiß bin. Das hat es mir einfach gemacht, mich zu entscheiden, dass ich das unbedingt machen will. Die Situation war eh klar, dass ich dafür die Freigabe der Juniors gebraucht habe, ihnen gilt noch immer mein Dank, dass sie das ermöglicht haben.

LAOLA1: Wie haben Sie den Verein und die Mannschaft in dieser Phase – in der doch Existenzängste herrschten - angetroffen?

Brunmayr: Eigentlich sehr positiv! Im Umfeld des Vereins ist es schnell in die richtige Richtung gegangen, es hat gleich positive Signale gegeben, dass das Frühjahr auf alle Fälle perfekt laufen wird. Und auch darüber hinaus wurden schon die Weichen gestellt, dass alles passen wird. Wir haben im sportlichen Bereich eine gewisse Identität entwickelt, was das Spiel mit und gegen den Ball betrifft – darauf haben wir den Fokus gelegt. Damit sind wir ganz gut gefahren. Ich hoffe, wir können das dieses Jahr noch weiter zeigen.

LAOLA1: Wie viel Potenzial sehen Sie in diesem Team – und warum hat es das im Herbst nicht ausgespielt?

Brunmayr: Fakt war, dass zu viele Gegentore passiert sind, deshalb mussten wir uns im Spiel gegen den Ball verbessern. Wir haben in den drei Spielen im Frühjahr nur zwei Gegentore bekommen, also sind wir auf dem richtigen Weg. Spielerisches Potenzial hat die Mannschaft, das sieht man nicht oft. Aber in der heutigen Zeit gilt es, Fußball in zwei Richtungen zu denken. Darum mussten wir gegen den Ball besser werden.

LAOLA1: Die Defensive stand im Vordergrund. An welchen Rädchen wurde sonst gedreht?

Brunmayr: Genau. Wir wollten eine Formation finden, wie wir besser die Räume verteidigen, auch mehr Druck auf den Gegner und den Ball machen. Da haben wir unsere Verhaltensweisen geändert. Das hat die Mannschaft relativ schnell verinnerlicht. Aber es gilt immer auf hundert Prozent zu bleiben, sonst geht es schnell wieder in die andere Richtung.

LAOLA1: Bei der Präsentation haben Sie betont, dass sie „mit einer klaren Idee das Potenzial herauskitzeln“ wollen. Wie beschreiben Sie Ihre Philosophie vom Fußball?

Brunmayr: Wir wollen einen aktiven Fußball spielen. Wenn wir den Ball nicht haben, wollen wir ihn so schnell wie möglich erobern, um auch vielleicht die Wege in der Offensive zu verkürzen. Dabei muss man schon sagen: Es ist nicht unbedingt in der DNA der Offensivspieler – und ich war ja selber einer -, dass man sehr gerne gegen den Ball arbeitet. Aber es ist so ein Credo, dass jeder Offensivspieler, der den Weg in die Defensive macht, auch gleichzeitig die Offensivbewegung einleitet und die Positionierung. So haben wir probiert, Schritt für Schritt Sachen reinzubringen und das spiegelt sich in jeder Trainingseinheit oder am Matchtag wider.

LAOLA1: Bei Ihnen waren das doch noch andere Zeiten. Hand aufs Herz – wie viel Defensivarbeit mussten Sie wirklich verrichten?

Brunmayr: Zu mir haben sie immer gesagt, dass ich ein relativ fauler Spieler bin (lacht). Obwohl ich aus meiner Sicht damals schon GPS und meine Daten haben wollte, weil ich immer von mir selber überzeugt war, dass ich viel gelaufen bin – obwohl man es nicht gesehen hat. Auf höchstem Niveau geht es heute aber nicht mehr anders. In meiner Generation konnten wir uns noch ein bisschen verstecken und sich auf gewisse Stärken konzentrieren. Heute muss man einfach ein kompletter Spieler sein.

LAOLA1: Sie waren viele Jahre im Akademie-Bereich und bei den Juniors, haben viele junge Spieler entwickelt. Bleibt das Ihr Kerngebiet, das Sie auf BW Linz ummünzen wollen?

Brunmayr: Ich denke schon. Der Spieler kann sich ja immer weiterentwickeln, auch als Ü30. Das Rädchen steht ja nie still. Aber natürlich sind wir ein Verein und haben auch in der 2. Liga eine Plattform, wo die Fahnenstange für jeden Spieler noch nicht erreicht sein sollte. Es sollte immer weitergehen und das Ziel jedes Spieles sein, in die Bundesliga zu kommen und da Schritte zu setzen. Auf dieser Plattform geht es darum, die Basis für die Zukunft zu setzen, um sich in gewissen Bereichen zu entwickeln, um dann für höhere Aufgaben gewappnet zu sein.

LAOLA1: Liegt ihr Hauptaugenmerk als Ex-Stürmer überhaupt auf Angreifern und liegt es Ihnen besonders nahe, diesen Tipps zu geben und ihnen weiterzuhelfen?

Brunmayr: Ja, sicher. Es war schon in meiner Anfangszeit in der Akademie, dass ich mich vor allem um die Offensivspieler gekümmert habe, was Abschlussqualitäten anbelangt. Die Tore werden im Sechzehner geschossen, dort gilt es den Fokus auf den ersten und zweiten Kontakt zu legen, damit man weiß, wo das Tor steht. Da haben wir immer probiert, mit verschiedenen Übungen und vielen Abschlüssen Sicherheit zu bekommen. Der eine oder andere hat sich dann ganz gut entwickelt.

LAOLA1: Zum Frühjahrsstart hat es auch sehr gut funktioniert mit wenigen – teils fünf – Ballkontakten in die Spitze zu spielen. Ist das auch ein Rezept, das sofort umgesetzt wurde?

Brunmayr: Man sollte einfach offensiv denken. Ich sage den Spielern immer, dass die erste Orientierung nach vorne und nicht zurück sein sollte. Wenn man die Bälle nach vorne spielt, kann man sie auch mal verlieren, weil man dann hinter dem Ball ist, um den Ball zurückzuerobern. Da geht es immer um die gleichen Prinzipien. So haben wir die letzten zwei Tore mit ein oder zwei Pässen in die Spitze erzielt.

LAOLA1: Sie haben bei den Juniors aufgehört, weil Sie etwas anderes machen wollten – da kriegt man wahrscheinlich auch irgendwann Scheuklappen. Inwieweit hat BW Linz die eigentlichen Pläne durchkreuzt oder kam das Angebot genau zum richtigen Zeitpunkt?

Brunmayr: Die Zeit war einfach reif, etwas anderes zu sehen nach vier Jahren in der Akademie, sogar als Leiter für ein Jahr, vier Jahre bei den Juniors bis zum letzten halben Jahr als Co-Trainer. Das hat dann für alle Beteiligten nicht gepasst. Man war dann schon für alles Anlaufstelle. Man war bei den Profis eng dabei unter Oliver Glasner, man hat die Juniors von der Regionalliga in die 2. Liga gebracht, man ist in der Schnittstelle zur Akademie gewesen. Wenn man dann überall seinen Senf dazugibt, wird das auch oft einmal negativ ausgelegt. Deshalb war es dann Zeit, einmal was anderes zu finden.

LAOLA1: Die UEFA-Pro-Lizenz ist weiterhin ein angestrebtes Ziel.

Brunmayr: Nein, da habe ich erst vor kurzem die Bestätigung bekommen, dass ich dabei bin und es im Juli losgeht. Das berechtigt dann natürlich auch für höhere Aufgaben. Aber ich bin jetzt einfach froh, wie der Status quo jetzt ist und so kann es weitergehen.

LAOLA1: Aktuell sind Sie noch eine Art „Feuerwehrmann“ bis Saisonende. Wie wird sich das entwickeln, wenn es nach Ihnen geht?

Brunmayr: In der heutigen Zeit kann man sowieso noch nicht recht weit nach vorne schauen, man muss eh von Tag zu Tag oder Woche zu Woche schauen. Wie wir es angegangen sind, so werden wir es fortführen. Wir wollen für eine gewisse Art von Fußball stehen, wir wollen erfolgreich sein und dann wird man im Mai oder Juni sehen, wie es weitergeht. Aber ich kann mir sicher vorstellen, länger für diesen Verein zu arbeiten.

Textquelle: © LAOLA1.at

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