Bo Svensson: Das ist Lieferings „Mini-Tuchel“

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Das letzte Kalender-Jahr verlief alles andere als nach Plan für den FC Liefering.

In der HPYBET 2. Liga musste man sich mit einem äußerst enttäuschenden zwölften Platz zufrieden geben, im Sommer folgte schließlich noch die Posse um Neo-Coach Bo Svensson.

Der Däne wurde als neuer Cheftrainer auserkoren, doch sein Arbeitgeber Mainz 05 wollte ihn nicht ziehen lassen. So übernahm zunächst Michael Feichtenbeiner die Agenden, ehe zwei Wochen vor Saisonstart doch noch eine Einigung mit Mainz erzielt werden konnte.

Feichtenbeiner rückt als Co-Trainer ins zweite Glied, Svensson übernimmt mit kürzester Vorbereitungszeit die Führung.

„Optimaler wäre es natürlich gewesen, wenn ich vom ersten Trainingstag da gewesen wäre, auch für die Mannschaft. Aber das können wir eh nicht ändern, das ist jetzt so. Wir arbeiten mit den Voraussetzungen, die da sind“, möchte sich Svensson im Gespräch mit LAOLA1 nicht über die Gegebenheiten beschweren.

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Das spricht für Liefering

Warum der Wechsel letztlich derart lange gedauert hat, kann der Ex-Innenverteidiger nicht beantworten: „Das muss man vielleicht Mainz fragen. Ich habe noch Vertrag in Mainz gehabt und sie hätten mich gerne noch ein Jahr länger dort gesehen. Gleichzeitig war es mein Wunsch, nach Liefering zu gehen. Ich bin einfach froh, dass es am Ende geklappt hat und ich jetzt hier bin.“

Beim deutschen Bundesligisten war er zunächst sieben Jahre als Spieler aktiv, ehe er diverse Nachwuchs-Mannschaften betreute. Zuletzt war er zwei Jahre lang für die U19 der Mainzer verantwortlich.

Mainz 05 ist in Deutschland durchaus bekannt dafür, bei einem Trainerwechsel beim Bundesliga-Team auf Coaches aus der eigenen Jugend zurückzugreifen. Trotz dieser Aussichten wollte Svensson unbedingt zu den „Jungbullen“.

„Es ist einfach sehr, sehr interessant hier zu arbeiten. Ich war früher auch Spieler bei Mainz, war insgesamt 13 Jahre beim Verein. Ich habe so viele Sachen mit dem Verein erlebt. Ich habe dann für mich persönlich festgestellt, dass es gut wäre, auch für meine Weiterentwicklung als Trainer und Mensch, etwas Neues zu sehen und erleben zu dürfen. Und Liefering war für mich dann die optimale Möglichkeit“, erklärt der 39-Jährige seine Beweggründe.

Vorbild Tuchel

Einer der angesprochenen Trainer bei Mainz 05, der aus den eigenen Reihen hochgezogen wurde, ist Thomas Tuchel. Mittlerweile trainiert der Deutsche die Star-Truppe von Paris Saint-Germain, zum Anfang seiner Trainer-Karriere agierte auch noch Svensson unter seinen Fittichen.

Dementsprechend deutlich fällt die Antwort vom Dänen auf die Frage nach dem Trainervorbild aus: „Ich war in Mainz Spieler unter Thomas Tuchel, fünf Jahre lang. Er hat mich natürlich stark beeinflusst, immerhin waren es auch die letzten fünf Jahre meiner Karriere. Ohne ihn wäre ich auch nicht den Weg des Trainers gegangen. Seine Art, das Spiel zu sehen und zu coachen und allgemein mit der Mannschaft umzugehen – das hat mich schon beeinflusst und mir selbst die Inspiration gegeben, als Trainer weiterzuarbeiten.“

Einen ähnlichen Werdegang wie sein Idol zu nehmen steht jedoch nicht zwingend auf der To-Do-Liste des neuen Liefering-Coaches. Dabei hat sich die 2. Liga in den letzten Jahren auch für Trainer als tolle Bühne präsentiert, so konnten beispielsweise Adi Hütter, Oliver Glasner oder Damir Canadi ihre ersten Schritte in dieser Liga machen.

„So sehe ich das nicht. Das bringt mich persönlich als Mensch weiter. Da gibt es keine Analysen, dass wenn ich diesen Schritt gemacht habe, ich den nächsten schon vorbereiten kann. Hier habe ich die ideale Möglichkeit mich selbst als Trainer und Mensch weiterzubringen“, möchte der Däne nichts davon wissen und konzentriert sich vorerst voll auf Liefering.

Teenager-Truppe

Dort soll er wie eingangs erwähnt die enttäuschende vergangene Saison wieder vergessen machen.

„Es war letztes Jahr sicher nicht die Saison, die sich der Verein erhofft hat. Ich empfinde es aber als wichtiger, den Fokus darauf zu legen, was jetzt kommt und die Herausforderungen, die vor uns stehen“, will sich Svensson nicht mehr lange mit der Vergangenheit befassen.

Wie es der österreichische Fußball-Fan gewohnt ist, wird auch in der kommenden Saison wieder die Jugend bei Liefering zum Einsatz kommen. Im aktuellen Kader findet sich kein einziger Kicker, der bereits den 20. Geburtstag gefeiert hat – man geht also mit einer reinen Teenager-Truppe in die Saison.

Der Neo-Trainer wünscht sich aber keinen Routinier, viel eher unterstützt er den Weg: „Ich finde es wichtig, dass die jungen Spieler, nicht nur für die fußballerische Entwicklung sondern auch die persönliche, anfangen, selbst Verantwortung zu übernehmen – auch in einem so frühen Alter. Diese Herausforderung, gegen gestandene Männer zu spielen, bietet die optimale Möglichkeit. Da können sie sich nicht verstecken, sie müssen es lernen. Wenn es einen gibt, an den sie sich ein wenig anlehnen können, dann könne sie sich auch hinter ihm verstecken.“

Seine Erfahrung von 122 Spielen in der deutschen Bundesliga kommt ihm ebenfalls zugute: „Ich habe die Erfahrung und weiß, was man als junger Spieler braucht, um da hinzukommen, wo sie alle hin möchten und das weiterzuvermitteln. Der Vorteil, wenn du als Spieler selbst auf dem Niveau gespielt hast, ist, dass du ein besseres Verständnis mitbringst, auch was sich in den Köpfen der Spieler abspielt.“

RBS-Abgänge als zusätzliche Motivation

Einen Mitgrund für das ungewohnt schwache Abschneiden der Lieferinger im vergangenen Jahr sehen einige Experten auch bei Red Bull Salzburg. Im Sommer 2018 konnten die „Bullen“ quasi alle Leistungsträger halten, der Weg in die Bundesliga war damit für die Talente des FC Liefering versperrt.

Das hat sich in diesem Jahr stark verändert, mit Stefan Lainer, Xaver Schlager, Hannes Wolf, Munas Dabbur und Fredrik Gulbrandsen verabschiedeten sich gleich fünf Spieler.

„Ich kann es nur vermuten, dass es eine zusätzliche Motivation für die Spieler ist. So würde ich das auf jeden Fall sehen. Ich habe davor in Deutschland gearbeitet, dort haben bei den großen Vereinen die Spieler oft einen sehr, sehr schweren Weg in die erste Mannschaft. Hier sieht man über Jahre, was für junge Spieler entstanden ist und dass ein Weg da ist. Das ist natürlich eine zusätzliche Motivation“, hofft Svensson darauf, möglichst viele Spieler im Laufe des Jahres an Salzburg zu „verlieren“.

Die genaue Zielsetzung möchte der Trainer nicht konkretisieren: „Es ist egal bei welcher Mannschaft man arbeitet, man möchte immer die Spiele gewinnen. Am Tabellenplatz orientieren wir uns sowieso nicht besonders. Es steht die Ausbildung im Zentrum. Wir wollen die Spieler auf den besten Weg schicken, um sich selbst zu entwickeln.“

Lieferings „Mini-Tuchel“ soll also trotz kürzester Vorbereitung wieder für mehr Freude bei Liefering sorgen.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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