TI7: Die hohe Bedeutung der Gruppenphase

Aufmacherbild Foto: © Valve
 

Die Gruppenphasen bei Valve-Events besitzen immer einen ganz besonderen Vibe. Diese ersten Spiele bewegen sich immer in einer Dimension zwischen „entscheidend“ und „nicht aussagekräftig“.

Ein Extrembeispiel war das letztjährige Boston Major. Damals wurde in der Gruppenphase nur das Seeding in einem Single-Elimination Bracket ausgespielt. Beim „The International“ ging es zumindest in den letzten Jahren immer um einen Platz im Upper Bracket oder Lower Bracket des Double-Elimination Turnierbaums.

Trotzdem weigerten sich die Teams meist ihre Top-Strategien in dieser Phase auszupacken. Die Gruppenphasen wirkten immer wie ein merkwürdiger Tanz, in dem viele Fun-Strategien aufeinanderprallen und eigentlich nur die Player-Skills die Entscheidung brachten. Doch schon nach dem ersten Tag der Gruppenphase wirkt dies beim TI7 ein wenig anders.

Elimination schon in der Gruppenphase

Der größte Unterschied in diesem Jahr ist wohl, dass zwei Teams, jeweils eines aus Gruppe A und eines aus Gruppe B, schon in dieser Phase ihre TI-Träume aufgeben müssen. Dieser Druck scheint die Squads dazu zu zwingen, schon von Anfang an mit einer Art Sicherheitsnetz zu spielen. Der erste Spieltag zeigte nämlich auch schon, dass kein Team als reiner Push-Over zu sehen ist. Das bewies beispielsweise das 1:1 zwischen VP und Execration.

Aber auch überraschende Positionswechsel, wie sie OG oder Team Liquid zeigten, weisen auf die Bedeutung der Gruppenphase hin. Die häufigen Earthshaker, Earth Spirit, Elder Titan und Pugna Picks, sind ein weiteres Indiz, dass niemand leichtfertig ein Spiel in der Gruppenphase aufgeben möchte. All diese Helden schienen in der Komfortzone ihrer jeweiligen Spieler zu sein und wirkten wie Teile der finalen Geheimstrategien. Ein ausgezeichnetes Beispiel wäre der n0tail Carry-Pugna oder der Aui_2000 Earth Spirit trotz dem Loss. Da dieses Turnierformat aber schon vor dem Event fest stand, kann dieser ganze Gedanke noch weiter gesponnen werden.

Most Mindgames ever

Jedes Team musste schon vor dem Turnier mit der Möglichkeit rechnen, dass einige Geheimstrategien schon in der Gruppenphase ausgepackt werden. Niemand will auf diesem 17. und 18. Platz ausscheiden. Dadurch ergibt sich natürlich eine ganz andere Sichtweise auf die Strategie für das ganze Turnier. So scheinen sich manche Spieler schon jetzt einen Ruf als gefährlicher Earthshaker, Pugna oder Sven aufbauen zu wollen.

Dies kann zu späteren Bans dieser Helden führen, was zusätzliche Ban-Plätze frei hält für Strategien, die darauf ausgerichtet sind, dass diese Helden gebannt wurden. Dieser Plan könnte aber von den anderen Teams auch durchschaut werden und sie könnten einfach den Bluff callen, während sie vielleicht in einen Doppelbluff laufen, da eigentlich Helden wie Earthshaker oder Sven ein Teil der besten Strategien der jeweiligen Teams sind.

All dies spielt natürlich auch bei anderen Turnieren mit einer Gruppenphase und einem späteren Single- oder Double-Elimination Bracket eine Rolle, aber durch das frühzeitige Ausscheiden von zwei Teams in der Gruppenphase, verschärft sich diese Situation noch zusätzlich.

Die TI7 Gruppenphase zeigt einen Drahtseilakt zwischen dem was gezeigt wird und wie es im Hinblick auf das weitere Vorgehen gezeigt wird.

 

von Patrick Berger

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