NEW ENGLAND PATRIOTS - NEW YORK GIANTS
Super Bowl, Montag, 0:30 Uhr, Lucas Oil Stadium, Indianapolis
Wunder gibt es immer wieder! Der Triumph der New York Giants 2008 in Super Bowl XLII gegen den als unschlagbar geltenden Favoriten New England Patriots war eine Art Jahrtausend-Sensation.
Dass die Truppe aus Boston im Re-Match in Super Bowl XLVI auf Rache sinnt, ist klar. Auch wenn das Motiv von der großen Revanche für viele Spieler nur bedingt zutrifft. Denn im Vergleich zu damals sind nur noch sieben Patriots-Akteure dabei.
Zudem ist die Ausgangsposition diesmal eine andere. Schlugen die „G-Men“ vor vier Jahren aus der bequemen Position des Underdogs zu, wäre ein Erfolg diesmal kein Wunder. Man kann vielmehr ein ausgeglichenes Duell erwarten, beide Teams verfügen über gute Argumente für einen Sieg.
Ein Leckerbissen der Extraklasse scheint jedenfalls garantiert. Wer wird die Nase vorne haben? LAOLA1 analysiert die wichtigsten Positionen:
QUARTERBACKS:
Tom Brady (New England Patriots): Über die Extraklasse des 34-Jährigen muss man nicht streiten. Längst läuft die Diskussion, ob Brady im Falle eines vierten Super-Bowl-Triumphs zum Größten aller Zeiten avanciert. Soll der große Wurf gelingen, kommt es womöglich mehr denn je auf die Genialität des Ausnahmekönners an – und die Tagesform seiner O-Line. Denn einer der absoluten Schlüssel zum Sieg ist, wie gut die Patriots ihren Quarterback gegen den unwiderstehlichen Pass Rush der New Yorker (siehe Giants-Defense) schützen können. Im AFC-Finale gegen Baltimore erwischte unter anderen Right Tackle Nate Solder einen rabenschwarzen Tag, ein Duell des Rookies mit einem Kaliber wie Justin Tuck wäre nicht gerade auf Augenhöhe. Kurzum: Bekommt Brady genügend Zeit, wird er in gewohnter Manier Passempfänger finden. Wird er so wie in Super Bowl XLII konstant unter Druck gesetzt und somit aus dem Rhythmus gebracht, könnte es erneut eng werden für New England. Gegen die Ravens bot Brady eine ungewohnt bescheidene Leistung. Oft gehörter Spruch der letzten Tage: „Zwei schlechte Spiele in Folge gibt es bei Brady nicht.“ Man wird sehen…
Eli Manning (New York Giants): Schon vor Saisonbeginn legte sich der Anführer der „G-Men“ die Latte selbst sehr, sehr hoch. Er stelle sich vom Können her auf eine Stufe mit Brady, ließ Manning wissen. Was zum damaligen Zeitpunkt schwer vermessen klang, kann er nun endgültig beweisen, indem er das Patriots-Idol ein zweites Mal in einer Super Bowl besiegt. Der 30-Jährige geht mit dem Selbstvertrauen einer grandiosen Saison ins Match, speziell in den Playoffs lief er mit acht Touchdown-Pässen und nur einer Interception zur Hochform auf. Es ist kein Geheimnis, dass die Passverteidigung New Englands Achillesferse ist. Legt Peytons kleiner Bruder wie in den letzten Spielen Ruhe, Übersicht, Präzision und gewaltige Nervenstärke an den Tag, wäre dies ein massiver Trumpf für die Giants.
LAOLA1-Analyse: Gegen einen der besten Quarterbacks der NFL-Geschichte zu votieren, wäre wahnwitzig, deswegen geht dieser Punkt auch an Brady. Dennoch: Eli gehört inzwischen der Elite an, und es gibt durchaus Experten, welche in der Frage, ob denn Eli Manning oder Tom Brady zum aktuellen Zeitpunkt der besser Spielmacher sei, dem Giants-Star den Vorzug geben. Dass der Ausgang dieses Endspiels enorm von der jeweiligen Quarterback-Performance abhängt, liegt auf der Hand. 1:0 für New England
RUNNING BACKS:
New England Patriots: Der am meisten unterschätzte Spieler am Feld ist wohl BenJarvus Green-Ellis. Der 26-Jährige findet im Vorfeld dieser Super Bowl kaum Erwähnung. Zu Unrecht. Denn erstens wird es ohne Unterstützung des Laufspiels nicht gehen, zweitens sind die Fähigkeiten des 26-Jährigen ausgeprägter als viele glauben. 24 Touchdowns in den vergangenen zwei Saisonen sind aller Ehren wert. Dass er in seiner gesamten NFL-Karriere noch kein Fumble verloren hat, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Gegen die gefährliche Giants-Defense ist es von essentieller Bedeutung, auch am Boden Fortschritte zu erzielen, um Brady zu entlasten. Diesbezüglich kommen auch der vielseitige Danny Woodhead und der talentierte Rookie Stevan Ridley, der gegen Baltimore eine Nachdenkpause bekam, diesmal aber wieder mit von der Partie sein sollte, ins Spiel.
New York Giants: Statistiken spielen im American Football bekanntlich eine große Rolle. Wie sehr die nackten Zahlen bisweilen täuschen können, beweist das Laufspiel der Giants. Denn dieses nur anhand der inferioren Ausbeute in der Regular Season, wo die New Yorker statistisch gesehen das schwächste NFL-Team waren, zu bewerten, greift viel zu kurz. In den Playoffs zeigten sich der wendige Ahmad Bradshaw und der bullige Brandon Jacobs ungleich verbessert, vor allem Ersterer ist nach einer von Verletzungen beeinträchtigten Saison genau zum richtigen Zeitpunkt wieder fit. Der 25-Jährige entlastet Manning nicht nur am Boden, sondern ist auch eine fangsichere Anspielstation. Auf Seiten der Patriots-Defense wartet mit Vince Wilfork jedoch eine Granate gegen das Laufspiel.
LAOLA1-Analyse: Beide Teams sind passlastig, weswegen die Wichtigkeit des Laufspiels meist kaum gewürdigt wird. Wer dieses besser etablieren kann, hat fraglos einen großen Vorteil. Vom Kräfteverhältnis der beiden Rushing-Abteilungen ist es eine enge Angelegenheit. Da die Giants über zwei routinierte Running Backs verfügen, geht der Punkt an sie. Ausgleich New York 1:1.WIDE RECEIVER/TIGHT ENDS:
New England Patriots: Wes Welker ist der Reciver mit den am Abstand meisten Catches dieser NFL-Saison, Rob Gronkowski hat die Rolle des Tight Ends neu definiert und mit 17 Touchdowns einen neuen Rekord für diese Position aufgestellt. Sein kongenialer Partner in der „Boston TE Party“ ist der wendige Aaron Hernandez. Selig sei ein Quarterback, der über solche Anspielstationen verfügt. Blöd nur, dass sich Gronkowski gegen Baltimore verletzt hat. Im Moment hat es den Anschein, als ob der „Knöchel der Nation“ rechtzeitig heilen würde. Fällt „Gronkenstein“, der aufgrund seiner Größe und Wucht für jede Defense einen Matchup-Albtraum darstellt, aus, wäre dies ein schlimmer Rückschlag für die Patriots. Mit diesem Trio kann New England stark durch die Mitte agieren, gerne auch mit kurzen Pässen. Was gerade im Vergleich mit den Giants fehlt, ist eine Waffe für tiefe Pässe. Routinier Deion Branch hat einiges an Schnelligkeit eingebüßt, genießt aber immer noch das blinde Vertrauen seines langjährigen Weggefährten Brady. Die Verpflichtung von Superstar Chad Ochocinco ging nicht wie geplant auf. Wer weiß, vielleicht hat er sich seine Sternstunde als Patriot ja für die ganz große Bühne aufgehoben…
New York Giants: Patriots-Head-Coach Bill Belichick ist immer für geschickte Defensiv-Schemen gut, aber wie er mit seiner überschaubar fähigen Passverteidigung die bärenstarken Giants-Receiver aus dem Spiel nehmen will, ist eine ebenso berechtigte wie möglicherweise spielentscheidende Frage. Hakeem Nicks und Victor Cruz, einer der spektakulärsten Shootingstars dieser NFL-Saison, zählen fraglos zum Besten, was die Liga auf dieser Position zu bieten hat. Beide verfügen über Schnelligkeit und Power für Big Plays. Viele Experten vermuten, dass Cruz verstärkt in Doppeldeckung genommen wird, was für Nicks Räume für Eins-gegen-Eins-Situationen öffnen würde. Sind die beiden Lieblingsanspielstationen Mannings nicht frei, gibt es mit Mario Manningham einen dritten Receiver, der jederzeit für einen spektakulären Catch gut ist. Klar den Kürzeren zieht das Team aus dem Big Apple im Vergleich der Tight Ends, was jedoch nicht abwertend gegenüber Jake Ballard gemeint sein soll. Der 24-Jährige ist kein Schlechter.
LAOLA1-Analyse: Die Passempfänger gehören zu den Prunkstücken beider Teams. Die Zuschauer bekommen in dieser Super Bowl wahre Könner zu sehen. Geht es nach der Papierform, könnte sich das Duell der Giants-Receiver gegen die Patriots-Secondary als das größte Mismatch dieser Partie erweisen. Davon ausgehend, dass Gronkowski rechtzeitig fit wird und auch nicht allzu sehr beeinträchtigt ist, ist es jedoch unmöglich gegen die Patriots zu votieren. Dafür ist alleine diese „One-Man-Show“ zu gut. Daher Punkt für beide. Neuer Zwischenstand: 2:2
DEFENSE:
New England Patriots: Dass man die starke Giants-Offense durchaus halbwegs neutralisieren kann, hat San Francisco im NFC-Finale bewiesen. Die 49ers-Defense ist jedoch um zumindest eine Klasse besser als jene der Patriots. Man darf gespannt sein, was sich Trainer-Genie Bill Belichick einfallen lässt, um gerade die Schwäche in der Passverteidigung zu kaschieren. Dort ist die Decke sowohl qualitativ als auch quantitativ recht dünn. Cornerback Devin McCourty hat zwar Potenzial, spielte aber eine enttäuschende Saison. Der zweite Cornerback Kyle Arrington ist immer wieder für Turnover gut, kann jedoch im direkten Duell durchaus besiegt werden. Dass Safety Patrick Chung rechtzeitig zu den Playoffs fit wurde, hat indes keinesfalls geschadet. Während die Linebacker wohl viele Löcher stopfen werden müssen und man davon ausgehen kann, dass Belichick verschiedene Akteure Richtung Manning schickt (die bisherigen acht Playoff-Sacks gehen auf das Konto von sechs Spielern), steht das größte Ass der Patriots-Abwehr in der D-Line. Vince Wilfork wird ein Problem für die Giants-O-Line darstellen und meist wohl zwei Gegenspieler auf sich ziehen.
New York Giants: Wie die New Yorker New Englands Schwäche gegen den Pass ausnützen, ist der eine Schlüssel zum Sieg. Der andere ist der Pass Rush. Mit Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora an der Spitze verfügt das Team aus dem Big Apple über gnadenlose Quarterback-Jäger, die jeden Gegner zur Verzweiflung bringen können. Der größte Vorteil der starken D-Line ist, dass die „G-Men“ dadurch mehr Akteure für das Zustellen der Receiver abstellen können. Dass ist auch durchaus notwendig, denn auch gegen die New Yorker Secondary kann man durchaus werfen, noch dazu wenn man über das Können von Brady verfügt. Spieler wie Safety Antrel Rolle oder die Cornerback Aaron Ross und Corey Webster sind zwar durchaus solide, aber auch nicht mehr. Letzterer sieht sich zwar auf einer Stufe mit einem Kaliber wie Darrelle Revis, dabei muss es sich jedoch um einen selbstverliebten Traum handeln. Mit Michael Boley und Mathias Kiwanuka gehören zwei der Linebacker durchaus zur gehobenen Klasse. Interessant ist, dass Brady gerne mit einer No-Huddle-Offense agiert, was ein gutes Mittel gegen diese Einheit sein könnte.
LAOLA1-Analyse: Gelingt es der guten Patriots-O-Line nicht, Pierre-Paul und Co. im Zaum zu halten, könnte es ein langer Tag für Brady werden. Die Giants-D machte im Verlauf der Saison verletzungsbedingt zwar nicht immer den besten Eindruck, präsentierte sich in den Playoffs jedoch in Topform. Auch die Patriots-Abwehr ist nicht ganz so schlecht, wie viele meinen, aber durchaus verwundbar. Belichick wird wohl viele verschiedene Packages aufs Feld schicken, in der Hoffnung, Manning zu verwirren. Dieser Punkt geht dennoch klar an die Giants. 3:2 für New York.SPECIAL TEAMS:
New England Patriots: Beide Teams verfügen nicht gerade über ein sonderlich explosives Return-Spiel. Danny Woodhead und Julian Edelman sind jedoch keine Schlechten. Kicker Stephen Gostkowski gehört zu den Besseren in der NFL, der gebürtige Rumäne Zoltan Mesko ist zwar ein unerfahrener Punter, hat aber jede Menge Kraft im Bein.
New York Giants: Im Prinzip haben die Special Teams durch zwei eroberte Fumbles das Duell gegen San Francisco gewonnen – ein weiterer Beleg dafür, dass die New Yorker gegen Returns sehr stark sind. Lawrence Tynes mag nicht zur Kicker-Elite gehören, dass er starke Nerven hat, hat er inzwischen jedoch schon in mehreren brenzligen Situationen bewiesen. Der routinierte Punter Steve Weatherford erledigte seinen Job in den vergangenen Wochen ausgesprochen stark.
LAOLA1-Analyse: Die Wertigkeit der Special Teams wird nur allzu gerne unterschätzt. Gerade in einem ausgeglichenen Duell wie diesem kommt der Feldposition jedoch enorme Bedeutung zu. Auch wenn New England mit Gostkowski den um eine Spur besseren Kicker hat, sehen wir insgesamt Vorteile bei den Giants. 4:2 für New York.HEAD COACHES:
Bill Belichick (New England Patriots): Man könnte fast meinen, da stimmt etwas nicht. Der Mastermind des Patriots-Erfolgs präsentierte sich während der Super-Bowl-Woche derart entspannt und bisweilen gar gut gelaunt, dass man beinahe den Eindruck bekommen könnte, dass er zum Lachen nicht mehr ins Tiefgeschoss sondern nur mehr in den Keller geht. Altersmilde kurz vor dem 60. Geburtstag? Wie sympathisch der knorrige Coach üblicherweise rüberkommen mag, ist ohnehin egal. Fakt ist, dass er gemeinsam mit Brady eine der genialsten Head Coach/Quarterback-Combos aller Zeiten bildet. Dass er eigentlich ein Defensiv-Spezialist ist, lässt sich derzeit erkennen, denn mit diesem Abwehr-Personal schafft es nicht jeder Coach ins Endspiel. Im Falle eines Sieges wäre er nach Chuck Noll (Pittsburgh) erst der zweite Head Coach mit vier Super-Bowl-Triumphen.
Tom Coughlin (New York Giants): Als Players Coach wird der relativ humorbefreite Disziplinfanatiker nicht mehr in die Geschichte eingehen. Dass er ab der Saison 2007 ein bisschen vom Gas stieg, rechneten ihm seine Spieler jedoch durchaus hoch an und dankten es ihm mit dem Gewinn der Super Bowl. Vom Status des Volkshelden ist er dennoch weit entfernt. Noch während dieser Regular Season forderten die Fans aufgrund einer hartnäckigen Krise seinen Kopf. Der 65-Jährige behielt aber die Ruhe, blieb seinem Konzept treu und stellte sich vor seine Spieler. Danken diese es ihm erneut mit der Vince-Lombardi-Trophy?
LAOLA1-Analyse: Belichick ist ein Defensiv-Guru und verfügt seit Jahren über eine der besten Offenses im NFL-Business, Coughlin ist ein Offense-Experte und konnte seit Amtsantritt 2004 meist auf eine starke Defense vertrauen. Keine Seltenheit in der NFL, dass es anders kommt, als bei der Trainerbestellung gedacht. Beide gehören definitiv zu den besten Coaches der Liga, Belichick ist jedoch der beste. New England verkürzt auf 3:4.
LAOLA1-Prognose: Stärken und Schwächen der beiden Teams versprechen ein ausgeglichenes und hoffentlich bis zum Schluss spannendes Duell. Die Giants sind tendenziell ausgeglichener besetzt als die Patriots. Auch wenn es schwer fällt gegen die Genialität eines Brady und Belichick zu setzen, glauben wir, dass Manning im Fall der Fälle ausreichend mit dem Patriots-Quarterback Schritt halten kann und tippen knapp aber doch auf die Giants. Eine epochale Sensation wie 2008 wäre es diesmal keineswegs. 27:24 für New York.
Peter Altmann