Schlechtes Timing
Es ist schon verblüffend. Vor einem Jahr ging Salzburg in der 3. CL-Quali-Runde auswärts gegen Fenerbahce Istanbul nach fünf Minuten in Führung. Kevin Kampl passte von links in die Mitte und Jonatan Soriano vollendete. Danach kassierten die Gäste noch drei Tore und schieden aus, darunter ein Sonntagsschuss von Raul Meireles. In Malmö verpasste Soriano die Kampl-Hereingabe, es wäre wieder nach fünf Minuten die Führung gewesen. Salzburg kassierte wieder drei Treffer, darunter wieder einen Sonntagsschuss, jener von Eriksson. Der Effekt? Derselbe, Salzburg ist wieder nicht dabei im Konzert der Großen. Der Unterschied? Salzburg hatte beim türkischen Großklub ein Vielfaches mehr an Chancen als in Malmö, wo die „Bullen“ bis kurz vor Schluss keine vorfanden.
Die 110-Saison-Tore-Bullen, die in der Ära Rangnick auch international immer ihre Chancen vorfanden, waren offensiv einfach harmlos und nicht wiederzuerkennen. Sie nahmen am Ende auch nicht das Geschenk des Torhüters an, während auf der anderen Seite Markus Rosenberg zuvor gar nicht mehr wusste, mit welcher Fußspitze er den Ball zum 3:0 über die Linie drücken sollte. Ein Sinnbild. Cleverness und Abgebrühtheit besiegte Qualität, die sich an diesem Abend nicht zeigte. Es hatte den Anschein, Männer besiegten Kinder. „Von der Aggressivität her ja“, gab der CL-erprobte Massimo Bruno dieser These nicht Unrecht. „Entscheidend war, dass wir da Wirkung gezeigt haben“, schloss sich Sportchef Ralf Rangnick an. Fakt ist aber auch, dass falsche Entscheidungen zur falschen Zeit getroffen wurden. Zum einen tat Sadio Mane mit seinem Handeln sich und seiner Mannschaft keinen Gefallen. „Natürlich berührt einen das. Jeder weiß, wie wichtig Sadio für uns war. Dann ist es nicht einfach, wenn das zwei Tage vor dem wichtigsten Spiel passiert. Das ist im Kopf drin, es wird darüber geredet“, sagte Kevin Kampl, der aber zugab, dass die Stimmung sehr gut und man sich sicher war, es zu schaffen.
Doch die Umstellungen von Trainer Adi Hütter erschwerten dies. Im wichtigsten Spiel spielte Hinteregger plötzlich zum ersten Mal seit zwei Jahren Linksverteidiger. Stefan Ilsanker war wieder Innenverteidiger, den er de facto nur ganz selten in den vergangenen Jahren mimte (u.a. gegen Düdelingen) sowie der 19-Jährige Naby Keita im zentralen Mittelfeld, der in der Liga bärenstark spielte, aber dem diese Bühne sichtlich (Foul) eine Nummer zu groß war (und damit an diesem Abend gewiss nicht alleine war). Die Salzburger mögen ideal auf ihr Spiel des Jahres vorbereitet gewesen sein, dennoch schieden sie aus. Sie haben sich einmal mehr selbst geschlagen, wie immer völlig unnötig. Dieses Mal ist es aber insofern bitter, als dass der eingeschlagene Weg der Kontinuität sich einen Aufstieg ganz einfach verdient hätte. Man darf hoffen, dass der Schock über das Aus nicht wieder zu alten Verhaltensmustern führt. Denn dafür war das Timing nie gut.