Roger Bader will Österreich in die A-WM führen

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Nach den Enttäuschungen des Jahres 2016 mit dem verpassten WM-Aufstieg unter Daniel Ratushny und der klar verfehlten Olympia-Qualifikation unter Alpo Suhonen hat Roger Bader als Teamchef die österreichische Eishockey-Nationalmannschaft übernommen.

Der Einstieg ist mit fünf Siegen in sechs Turnier-Testspielen und dem Sieg beim Heimturnier im Februar in Graz geglückt.

Bei der B-WM in Kiew (22. bis 28. April) soll der Schweizer sein Meisterstück liefern und Österreich in die Elitegruppe zurückführen.

Vor dem letzten Test gegen Italien (ab 16 Uhr im LAOLA1-LIVE-Stream) spricht bader im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur über seine Philosophie, seinen Spielstil, seine Pläne als parallel agierender Ausbildungschef und wie er seine Zukunft beim Verband sieht.

Frage: Das Ziel in Kiew muss wohl der Aufstieg sein?

Roger Bader: Ja, natürlich. Auf der anderen Seite muss man das realistisch einschätzen. Kasachstan ist jedes zweite Jahr auf- und abgestiegen, wenn sie aufgestiegen sind, dann immer ganz klar. Wenn Österreich zuletzt aufgestiegen ist, dann immer als Zweiter, nie deutlich. Kasachstan ist ohne Wenn und Aber sicher der stärkste Gegner. Die anderen Nationen sind aber auch stärker geworden. Südkorea klingt exotisch, aber die halbe Mannschaft sind eingebürgerte Kanadier im Hinblick auf Olympia (Anmerkung: 2018 in Pyeongchang). Auch Ungarn ist nicht ohne und gegen Polen haben wir im Vorjahr verloren.

Wichtig ist bei einer WM immer der Torhüter. Wie sehen Sie die Situation vor der WM?

Bader: Es war zuletzt immer ein Problem, weil Bernhard Starkbaum immer alle Partien spielen musste. Das war auch in Prag (Anm.: Abstieg bei der WM 2015) ein Problem. Er war gut, aber Frankreichs Huet war zwei Spiele auf der Tribüne und konnte sich für die wichtigen Partien ausruhen. Starkbaum nicht. Jetzt hatten wir die Freude, dass der KAC im Play-off zu David Madlener gewechselt hat. Fünf Spiele in sieben Tagen ist schon viel, es ist schön, wenn wir zwei Torhüter haben, die in Betrieb sind. Die Torhüter-Herausforderung ist weniger groß, als es schon einmal war.

Haben Sie auch überlegt, Routiniers in das WM-Team zurückzuholen?

Bader: Anfang Jänner habe ich mit meinen beiden Assistenten einen kleinen Workshop gemacht. Wir haben über insgesamt 70 Spieler geredet. Das heißt nicht, dass wir 70 Kandidaten haben, aber wir haben darüber geredet. Sie haben mich beraten, welche ältere Spieler ich kontaktieren soll. Ich habe drei, vier dieser Spieler gefragt, die drei Jahre nicht dabei waren, aber nie offiziell den Rücktritt erklärt haben. Alle haben das sehr geschätzt, sie haben geklagt, dass früher niemand angerufen hat. Aber sie haben gesagt, für sie ist die Nationalteamzeit vorbei.


Worauf bauen Sie bei der WM?

Bader: Es sollte gelingen, vier gute Blöcke zu haben, um die Lasten auf mehrere Schultern zu verteilen, die hohes Tempo und eine gute Intensität spielen können. Das sollte unsere Stärke sein. Ich bin kein Freund von Hierarchie-Coaching, ich spreche gerne von vier Triebwerken.

Welchen Spielstil wollen Sie von der Mannschaft sehen?

Bader: Wir spielen Eishockey so, wie in der A-WM gespielt wird. Meine zwei Prinzipien sind Pressing und schnelles Umschaltspiel. Wir versuchen, den Gegner unter Druck zu setzen, überall auf dem Eis. Mit der Scheibe hinter das Tor und schön gemütlich anlaufen, das möchte ich nicht. Wir wollen in die A-WM, und wir wollen wieder einmal zu Olympia. Also müssen wir lernen, so zu spielen, wie dort gespielt wird. Das ist das schnelle, druckvolle, intensive Eishockey. Um das zu spielen, braucht man vier Blöcke, 20 Spieler, die Einsatz zeigen. Der Unterschied von dem, der am meisten Eiszeit hat, zu dem, der am wenigsten Eiszeit hat, ist viel kleiner als im Verein.

Also ähnlich wie Ex-Teamchef Daniel Ratushny?

Bader: Ja, es gibt einige Dinge, wo Ratushny und ich die gleiche Philosophie haben. Im Spiel ohne Scheibe sind wir ziemlich gleich. Wo wir uns ein bisschen unterscheiden, ist das Spiel mit Scheibe, da möchte ich ein bisschen schneller spielen."

Was haben Sie verändert?

Bader: Ich habe so viele Dinge geändert. Ich will keine Klischees bedienen, sondern mache, wovon ich überzeugt bin. Es gibt einen Spruch, den habe ich mit: Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es einfach gemacht!

Was waren die wichtigsten Punkte?

Bader: Im November habe ich den Kandidatenkreis vergrößert und die Mannschaft verjüngt, mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren. Das war ja ein Risiko, wir hätten dreimal verlieren können und dann wäre ich vielleicht nur für dieses Turnier Nationalcoach gewesen, dann nie wieder. Aber ich war überzeugt, dass es richtig ist. Wir haben gezeigt, dass es junge Spieler gibt, denen muss man mehr vertrauen. Das hat sich ausgezahlt, wenn man die vielen Ausfälle für die WM sieht.

Wie lautet Ihre Zielsetzung als Teamchef?

Bader: Im November habe ich gesagt, es braucht kurz-, mittel- und langfristige Ziele. Kurzfristig hieß ein gutes Turnier im November spielen. Mittelfristig eine Mannschaft finden, die bei der WM gut spielt. Langfristig heißt eine Mannschaft aufbauen, die sich in drei Jahren für Olympia qualifiziert. In der Schweiz und Schweden denkt man beim Nationalteam in olympischen Zyklen, das habe ich versucht, auch dem Präsidium schmackhaft zu machen. Die WM ist jetzt das wichtigste, aber auch eine Mannschaft zu bauen. Darum 23 Jahre Durchschnitt im November: man zählt drei Jahre drauf, dann ist die Mannschaft 26 und voll im Saft, dieses Ziel zu schaffen.

Sie sind als Nachwuchsleiter seit drei Jahren beim österreichischen Verband. Wo sehen Sie seither die größten Fortschritte?

Bader: Dass wir das Nationalteam-Programm in der Quantität massiv ausgebaut haben. Wir machen jetzt das Doppelte wie vor vier Jahren. Wir können aber nicht in Schweden anrufen und sagen, wir wollen mit der U17 gegen euch spielen, weil die wollen nicht gegen uns spielen. Weil wir nicht gut genug sind. Wir müssen uns etablieren und die Spiele gegen Deutschland, Schweiz, Norwegen gewinnen und dadurch für die Top-Nationen interessant werden.

Wo sehen Sie noch das größte Potenzial?

Bader: Quantitativ sind wir noch nicht bei den Top-Nationen. Das hat immer mit Geld zu tun, das kostet immer. Es ist viel passiert, nicht vergleichbar mit dem, was war, aber es fehlen noch 20 bis 30 Prozent.

Können wir uns mit Schweden oder der Schweiz überhaupt vergleichen?

Bader: Natürlich ist es ein Unterschied. Schweden hat 70.000 Spieler, wir 5.000, das ist ein Riesenvorteil. Und die haben 300 Eishallen. Aber wir haben mehr Spieler als Dänemark und die sind überall A-Klasse. Das ist also ein bisschen eine Ausrede. Wir müssen versuchen, die Mannschaften zwischen den Rängen 10 bis 15 einzuholen oder zu überholen.

Nach der Saison laufen beim Verband einige Verträge aus, unter anderem auch Ihrer. Wissen Sie schon, wie es mit Ihnen weitergeht?

Bader: Ich hatte ein Gespräch mit Präsident Gernot Mittendorfer. Ich weiß, dass man mich in einer wichtigen Rolle weiter beschäftigen möchte. Details kann ich keine bekanntgeben. Ich bin gerne hier.

Textquelle: © APA

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