ÖEHV-Boss: "Vollzeit-Teamchef nicht möglich"

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Österreichs Eishockey-Nationalteam hat die Olympia-Qualifikation 2018 klar verpasst.

Der finnische ÖEHV-Sportdirektor Alpo Suhonen (68) wird künftig nicht mehr an der Bande stehen. Ein neuer Teamchef ist nicht in Sicht. Neo-Präsident Gernot Mittendorfer erklärt bei LAOLA1: "Ein Vollzeit-Teamchef ist budgetär nicht möglich. Es gibt mehrere Varianten, wie wir weiter vorgehen."

Erste-Bank-Vorstand Mittendorfer ist auch EBEL-Chef und wünscht sich "ausgeglichene Liga" und plant "drastische Maßnahmen".

LAOLA1: Das Quali-Turnier in Riga war Ihr erstes als ÖEHV-Präsident: Wie sehr waren Sie vom Auftreten des Teams überrascht oder gar schockiert?

Gernot Mittendorfer: Wir sind natürlich nicht als Favorit nach Riga geflogen, der dritte Platz war bei der Einschätzung im Vorfeld realistisch. Die ersten beiden Auftritte mit einem Gesamtscore von 1:14 gegen Lettland und Deutschland waren aber nicht akzeptabel und entsprechen auch nicht unseren Erwartungen. Diese Spiele waren sicher ernüchternd.

LAOLA1: Wo soll der neue Teamcoach herkommen und welche Anforderungen soll er mitbringen?

Mittendorfer: Wir sind natürlich budgetär eingeschränkt, ein Vollzeit-Teamcoach geht daher nicht. Es gibt mehrere Varianten, darunter wieder eine interne Lösung oder wie früher ein Coach aus der Liga. Auch die Frage, ob der neue Coach bis zum Ende der Saison oder darüber hinaus bleiben soll, muss bald entschieden werden.

LAOLA1: Mit Greg Holst wurde ja bereits gesprochen – ist das ein Hinweis, dass die ligainterne Lösung bevorzugt wird?

Mittendorfer: Nein, nicht unbedingt, er war nur ein guter Kandidat. Es liegt jetzt an Alpo Suhonen, weitere Varianten vorzuschlagen.

LAOLA1: Alpo Suhonen hat sich nach Riga einige Kritik anhören müssen. Vom Misserfolg dort abgesehen: Macht er sich durch seine schroffe Art nicht zu viele Feinde?

Mittendorfer: Ich schätze Alpo Suhonen als Fachmann sehr und Riga kann man ihm nicht alleine in die Schuhe schieben. Alpo ist sehr direkt und ungeduldig, damit können manche nicht so recht umgehen. Dass er sich mit dieser Art natürlich Feinde schafft, ist mir bewusst.

LAOLA1: Wird es in der Zukunft eine Dreifaltigkeit Headcoach-Sportdirektor-Nachwuchskoordinator weiter geben?

Mittendorfer: Es war sicher wichtig, einen Sportdirektor auf Vollzeitbasis nach Österreich zu holen. Aber in Zukunft werden diese drei Positionen nicht mehr getrennt besetzt werden können, es wird sicher zu Zusammenlegungen kommen.

LAOLA1: Sie haben sich als EBEL-Chef bei der Liga-Pressekonferenz überrascht gezeigt, dass es keine Fragen zur Punkteregel bzw. Ausländerbeschränkung gab? Kann es sein, dass die Verantwortlichen und Medienvertreter nichts mehr über Programme und Konzepte hören wollen?

Mittendorfer: Es gibt in dieser Saison Teams wie den KAC oder Graz, wo ein klares Umdenken stattgefunden hat. Aber in Summe sind wir in dieser Frage nicht weitergekommen, das stimmt. Die Vereinsverantwortlichen haben aber anklingen lassen, dass sie weniger Legionäre wollen. Wenn wir also bei der nächsten Pressekonferenz über die gleiche Anzahl an Ausländern wie heuer sprechen, dann sollte es schon eine Diskussion geben.

"Ich glaube, die Vereine wurden in der letzten Zeit etwas überfordert"

LAOLA1: Bei einem Meeting der Entscheidungsträger der österreichischen EBEL-Vereine im Frühjahr haben sich die Verantwortlichen zur Stärkung des Nationalteams bekannt. Trotzdem gab es Teams wie Villach oder Wien, die in der Folge sogar noch mehr Ausländer engagiert haben und dazu kommt Dornbirn, das mit 13 Legionären und davon sechs in der Verteidigung aufläuft. Braucht es da nicht mehr Druck von der Ligaführung?

Mittendorfer: Wie gesagt: Ich glaube, dass ein Umdenken stattgefunden hat, allerdings geht dieser Prozess in unterschiedlichen Geschwindigkeiten voran. Wir werden da in Zukunft vielleicht konkreter werden müssen, allerdings können wir den Vereinen nichts vorschreiben. Ich glaube, die Liga wird sich eine Selbstbeschränkung auferlegen.

LAOLA1: Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger können Sie die Sponsor-Keule hervorholen. Denken Sie, diese einmal auszupacken?

Mittendorfer: Ich glaube, ich wäre falsch beraten, hier den Sponsorvertreter hervorzukehren. Die Erste Bank hat sich langfristig sowohl in der EBEL als auch beim ÖEHV engagiert, das ist sogar unser größtes Einzelbudget im Sportbereich. Ich glaube weiterhin, dass das Interesse an einem guten Nationalteam von innen kommen muss und das auch passieren wird. Daher will ich hier gar nicht an eine Keule denken.

LAOLA1: Neben Alpo Suhonen ist nach Riga auch die Punkteregel unter Beschuss gekommen. Wird diese in absehbarer Zeit fallen oder modifiziert werden?

Mittendorfer: Worauf es mir ankommt ist, dass Österreicher in wichtigen Rollen eingesetzt werden und die Liga gleichzeitig ausgeglichen bleibt. Ob es mit einem anderen System oder Änderungen dieser Regel passiert, ist Sache der Liga, da mische ich mich nicht ein.

LAOLA1: Könnte man hier nicht schnelle Maßnahmen einleiten, zum Beispiel die Punkteanzahl für Legionäre von vier auf fünf erhöhen?

Mittendorfer: Wir werden sicher mehrere Varianten mit den Verantwortlichen diskutieren, aber mir ist vor allem das Commitment der Vereine wichtig.

LAOLA1: Die Erste Bank hat sowohl in den Nachwuchsligen als auch bei den Junioren-Nationalteams in den letzten Jahren sehr viel investiert. Scheitert der gemessene Output dann nicht am Wasserkopf EBEL?

Mittendorfer: Das ist richtig, dieses Problem soll jetzt auch die Alps Hockey League mitlösen. Der Sprung war mitunter zu groß und auch das Problem verschieden starker Jahrgänge ist in Österreich natürlich gegeben. Wir hoffen, dass mit der AHL jetzt der Sprung in den Seniorenbereich leichter wird.

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LAOLA1: Was ist mit dem Österreicher-Topf passiert? Er sollte schon heuer eingeführt werden, wurde aber auf nächste Saison verschoben.

Mittendorfer: Das hängt mit der Time-on-ice-Problematik zusammen, die Messung, die diesem Topf zugrunde liegt, funktioniert noch immer nicht. Vielleicht müssen wir andere drastische Maßnahmen setzen. Zum Beispiel, dass Teams mit österreichischen Torhütern aus diesem Topf belohnt werden.

LAOLA1: Time-on-ice wurde jetzt zwei Jahre hintereinander angekündigt, funktioniert aber immer noch nicht. Was ist da das Problem?

Mittendorfer: Ich glaube, die Vereine wurden in der letzten Zeit etwas überfordert. Erst der Wartungserlass des Finanzministeriums, der für das österreichische Eishockey ein Riesenproblem darstellt. Jetzt müssen die Teams auch die Highlights der Spiele selbst produzieren. Die Liga selbst war heuer im Sommer sehr mit der neuen Alps Hockey League beschäftigt. Diese Chance bietet sich nur alle 15 Jahre, das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Time-on-ice-Statistik ist dabei an den Rand gerückt, das muss man so sagen.

LAOLA1: Im Gegensatz zu den Ligen in der Schweiz oder Deutschland gibt es in der EBEL sechs Spielermärkte – die der fünf teilnehmenden Nationen sowie jenen der Legionäre. Verhindert nicht auch das eine Selbstbeschränkung der österreichischen Teams? Ist es vielleicht auch einmal wieder Zeit, diese internationale Liga aufzulösen und mehr österreichische Teams unter den gleichen Regeln spielen zu lassen?

Mittendorfer: Wie ich gesagt habe, wir wollen natürlich eine ausgeglichene Liga, wo kein Team große Vor- oder Nachteile besitzt. Das ist in einer solchen internationalen Liga natürlich schwerer als in einer nationalen. Aber an eine Auflösung denken wir sicher nicht, dazu gibt es, glaube ich, auch zu wenig aufstiegswillige österreichische Teams, die Budgets zwischen den beiden Ligen sind einfach zu unterschiedlich.

LAOLA1: Noch ein Wort zum Sorgenkind der Liga, Olimpija Ljubljana: Auch heuer sind die ersten Meldungen aus Slowenien nicht ermutigend. Wer hält diese Organisation in der Liga? Ist das ein Wunsch der Erste Bank?

Mittendorfer: Überhaupt nicht. Es spielt ja auch Bozen mit und in Italien ist die Erste Bank gar nicht vertreten. Es gibt da keinerlei Wünsche oder gar Klauseln. Für uns ist Österreich der wichtigste Markt, die Internationalität der Liga durch ausländische Teams ist nur ein Nebeneffekt.

Das Gespräch führte Bernd Freimüller

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