Fan-Probleme, wo sonst keine sind

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Die Viertelfinalserie zwischen Black Wings Linz und dem HC Bozen (3:2 im Best of 7) gerät immer mehr aus den Fugen. Zumindest was die Fan-Emotionen betrifft.

Die Stahlstädter sahen sich am Montag sogar gezwungen, ihre Facebook-Seite für italienische IP-Adressen zu sperren. „Das ist eine Notmaßnahme“, bezieht sich BWL-Sprecher Klaus Führer bei LAOLA1 auf eine Flut an aggressiven Kommentaren in den sozialen Medien.

Ein Phänomen, das für Eishockey ungewöhnlich ist, sich zuletzt aber hochschaukelte.

Die Entstaubung einer unschönen Floskel

„Wir brennen eure Stadt nieder!“ Das und anderweitiger Müll hatten zuletzt „Fans“ auf die Linzer Facebookseite gepostet.

„Nach Spiel eins sind wir vier Stunden gesessen, um alle anstößigen Kommentare zu löschen“, berichtet Führer, der betont, dass dies freilich auch im umgekehrten Fall auftrete, sprich: Linzer Anhänger Schwachsinn in Richtung der Bozener ablassen. „Idioten gibt es überall“, bemüht er eine leider viel zu häufig gebrauchte Floskel.

Eine, die aber zumindest im Eishockey noch eher selten gebraucht wurde. Die Stimmung auf den Rängen in den Eis-Hallen gilt schließlich gemeinhin als friedliches Miteinander. Woher kommt diese Fan-Problematik nun so plötzlich?

Führer ortet mehre Gründe. Zum einen seien die Bozener Fans – 7.000 bedeuteten am Sonntag neuen Klub-Rekord – enorm enthusiastisch. „Zum anderen legen sie Entscheidungen, die vielleicht gefühlt gegen sie sind, gerne als Benachteiligung aus, weil sie nicht wie der Großteil der Liga ein österreichischer Klub sind.“

 
Der Frust entlud sich neben sinnfreien Facebook-Kommentaren auch im Werfen von Gegenständen auf das Eis. So musste Spiel fünf am Sonntag kurz vor Ende sogar unterbrochen werden, um das Feld wieder spieltauglich zu machen.

Pfiffe für Pfeifen

Da bekanntlich immer zwei dazugehören, trugen Auseinandersetzungen unter den Fans das Ihre zur aufgeheizten Stimmung bei. Auf einen schwer alkoholisierten Linzer Fan in Spiel eins, der sogar gegen die Polizei gepöbelt haben soll, folgten Vorfälle auf dem Parkplatz vor der Eis-Halle.

Dass mit Patrick Gruber und Shane Warschaw am Sonntag ausgerechnet jenes Schiedsrichter-Gespann pfiff, welches bereits die erste Heim-Niederlage der Bozener leitete, muss für Bozener Weltverschwörungs-Theoretiker dann wie das Sahnehäubchen gewirkt haben.

Auch Bozen-Coach Tom Pokel richtete nach der Schluss-Sirene unüberhorbar Kritik in Richtung der Schiris (siehe Video unten).

 
Eine unglückliche Referee-Auswahl? „Nein“, entgegnet Führer bestimmt. „ Das ist schließlich ein Profi-Sport – und da gehören die Schiris genauso dazu, wie die beiden Mannschaften. Ohne Refs und strittige Entscheidungen wäre es vielleicht der langweiligste Sport der Welt.“ Aus seiner Sicht wäre es auch unter einer anderen Spielleitung hitzig hergegangen.

Klubs arbeiten gemeinsam an Lösungen

Das Verhältnis zwischen den beiden Klubs konnten die jüngsten Vorfälle jedoch keineswegs trüben. Verantwortliche beider Vereine trafen sich im Laufe der Serie zu einer Besprechung, um Problem-Felder aktiv anzugehen.

Sowohl von Bozener, als auch von Linzer Seite sei man optimistisch, dass die Serie – zumindest auf den Rängen – friedlich zu Ende geführt wird. Und auch die Facebook-Seite der Linzer wird schon bald wieder für italienische IP-Adressen geöffnet werden.

Führer: „Insbesondere was die Fans betrifft, ist Eishockey zu 99 Prozent ein fairer Sport und das wird sich jetzt auch nicht ändern.“

 

Reinhold Pühringer

 
Viertelfinale 6: Black Wings - Bozen am Dienstag, 19:40 Uhr im LIVE-Ticker

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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