"Sie sind vor allem vom Gehalt gesättigt"

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In Klagenfurt sind sie sprachlos.

1:6 bei den Vienna Capitals, 0:7 zu Hause gegen Meister Red Bull Salzburg.

Der KAC ist aktuell ein Schatten seiner selbst und droht vier Runden vor Ende des Grunddurchgangs zum dritten Mal in Folge die „Pickround“ der besten Sechs in der EBEL verpassen.

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Für den Anspruch des Rekordmeisters im heimischen Eishockey natürlich viel zu wenig.

Aber woran liegt es? Spieler? Trainer? Management? Vorstand?

LAOLA1 suchte einen KAC-Kenner, der nicht aktuell im Verein tätig ist, und wurde mit Gregor Hager fündig.

Der frühere Stürmer war bei fünf der 30 Meistertitel mit an Bord, stand insgesamt 13 Saisonen in Klagenfurt unter Vertrag, ehe er 2013 seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beendete.

„Es liegt am fehlenden Kern der Mannschaft“

Nach einer schweren Gehirnerschütterung hörte Hager der Gesundheit zuliebe auf. Damals wurde der KAC zum letzten Mal Meister. Seither läuft nicht mehr viel bei den "Rotjacken".

„In den letzten Jahren ist ein großer Fehler passiert. Der Kern der Mannschaft ist nicht mehr der, der er schon war und wie er gehört. Nämlich mit Leuten, die für die Mannschaft arbeiten“, sagt Hager.

„Es sind für mich nur Einzelspieler, zu viele Häuptlinge und alle glauben, keiner muss Indianer spielen. Die Qualität ist unbestritten, aber es gehört auch dazu, Schüsse zu blocken und zu arbeiten.“

Früher war das anders.

„Wir haben uns damals abseits vom Eis ebenfalls verstanden, aber auch auf dem Eis. Jetzt ist offenbar keiner bereit, am Eis auch nur einen Finger für den anderen hinzuhalten.“

Meines Erachtens sind sie gesättigt, nicht nur von Erfolgen, sondern vor allem vom Gehalt. Die haben scheinbar so schwere Taschen, dass sie die Füße nicht mehr nach vorne bekommen. Das ist sicherlich ein ganz großes Problem beim KAC und das sage ich auch ganz offen und ehrlich.

Gregor Hager über die KAC-Spieler

Liegt es am lieben Geld?

Ist die Mannschaft gesättigt? Kritik an Routiniers und Legionären wurde dieser Tage laut.

Auch der passionierte Jäger schießt in Richtung Spieler scharf.

„Meines Erachtens sind sie gesättigt, nicht nur von Erfolgen, sondern vor allem vom Gehalt. Die haben scheinbar so schwere Taschen, dass sie die Füße nicht mehr nach vorne bekommen. Das ist sicherlich ein ganz großes Problem beim KAC und das sage ich auch ganz offen und ehrlich.“

Hager, der sich nach dem Karriereende mit einem Sägewerk selbstständig machte, stellt Vergleiche an.

„Es sind jetzt vielleicht Leute dabei, die im Hinterkopf haben, der und der verdient mehr. Bei uns haben auch gewisse Spieler mehr verdient, aber die anderen waren mit dem zufrieden, was sie bekommen haben. Und wenn sie den Job machten, waren sie mit von der Partie. Andernfalls waren sie weg vom Fenster. Das wussten sie. So gaben sie 100 Prozent und holten nicht nur die Kohle ab.“

Hager nimmt die Spieler in Pflicht

Fünf Trainer verbrauchte der Rekordmeister in den vergangenen drei Jahren. Nach einem 0:9 (!) zu Hause gegen die Black Wings 2014 musste Trainer Martin Stloukal nach kurzer Zeit den Hut nehmen, nachdem die Mannschaft offenkundig nicht länger mit ihm zusammenarbeiten wollte.

Hager nimmt nach dem nächsten Debakel die Spieler in die Pflicht.

„Mir blutet das Herz, wie sich die Spieler am Eis präsentieren. Egal welcher Trainer an der Bande steht, die Spieler stehen am Eis und treffen die Entscheidungen. Jeder ist Profi, jeder verdient genug Geld, da muss sich jeder selbst an der Nase nehmen und schauen, die Leistung am Eis zu bringen.“

Die Fans kritisieren allerdings auch den Vorstand und das Management für die Kaderpolitik.

„Sie arbeiten zum Teil an verschiedenen Fronten. Der Vorstand ist groß, es gibt mehrere Leute, die etwas zu sagen haben. Von dem her kann man beim KAC sagen: Zu viele Köche verderben den Brei.“

Trotz der beiden hohen Niederlagen möchte Hager nicht den Teufel an die Wand malen. Doch die Tendenz seit dem letzten Titel bereitet ihm Sorgen.

„Es gibt viele Spiele und man bekommt ab und an eine auf den Deckel, vor allem gegen Salzburg kann das passieren. Aber der Verlauf der letzten zweieinhalb Saisonen ist düster.“

Gregor Hager feierte mit dem KAC 2013 den Titel

KAC kündigt Änderungen an

Nach dem Meistertitel 2013 verpassten die Klagenfurter eine Saison darauf die Playoffs, schafften es ein Jahr darauf zwar noch ins Halbfinale, um aber nun wieder um die Playoffs zittern zu müssen.

Prämisse habe, dass die Mannschaft wieder einen Kern und Herz entwickle. Für Letzteres würde sich wohl auch der eine oder andere jüngere Spieler anbieten. Doch das ist wiederum ein eigenes Thema.

„Ich habe das Gefühl, die Leute werden eher von außen geholt, als dass man dem Nachwuchs die Zeit gibt. Es gibt genügend Talente, man muss nur mit ihnen arbeiten“, so Hager, der neben seinem Brotberuf (weswegen er 2015 als KAC-Nachwuchscoach aufhörte) den 1. EHC Althofen coacht.

Der aktuelle Trainer des KAC, Mason-Nachfolger Alexander Mellitzer, hatte nach dem Spiel gegen Salzburg von einem „verheerenden Tiefschlag“ gesprochen und gab sich selbstkritisch.

Am Freitag geht es nun gegen Schlusslicht Ljubljana, „mit vier neuen Sturmlinien, vier neuen Abwehrpaaren und vier oder fünf U18/20-Spielern im Aufgebot“, ließ der KAC via „twitter“ wissen.

 

Bernhard Kastler



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