Hindernisse und Hintertüren zur Trading Deadline

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Montag, 21 Uhr österreichischer Zeit – nichts geht mehr in der NHL.

Bis zu diesem Zeitpunkt müssen alle Trades über die Bühne gegangen sein, danach stehen die Kader bis zum Saisonende. Bis dahin wuchern die Spekulationen ins Kraut, Fans und Medien wetteifern miteinander in den verschiedensten Transferszenarios.

LAOLA1 gibt allerdings den Spielverderber und zeigt, warum einige Trades einfach nicht machbar sind.

 „NTC“ und „NMC“

 Was versteckt sich hinter diesen beiden Kürzeln?

„NTC“ – „No-trade clause“ – der Spieler kann nicht zu einem anderen Team getradet werden

„NMC“ – „No-movement clause“ – der Spieler kann nicht getradet, in die AHL geschickt oder auf „Waivers“ gesetzt werden

Spieler mit NTCs oder NMCs können aber im Sommer mittels Buy-Out aus ihren Verträgen herausgekauft werden.

Wer kommt zu solchen spielerfreundlichen Klauseln?

Nur „UFAs Group 3“ – „Unrestricted Free Agents” der Gruppe 3, das sind entweder Spieler mit sieben NHL Saisonen oder die mindestens 27 Jahre alt sind

Besteht ein Anrecht auf diese Klausel?

Nein, sie werden von den Agenten ausverhandelt, werden aber in den letzten Jahren immer populärer. Spieler geben’s vielleicht etwas billiger, haben aber dann mehr Sicherheit während ihrer Vertragsdauer. Diese Informationen werden natürlich von den Teams nicht offiziell gemacht, doch man weiß von mindestens 185 Spielern mit diesen Klauseln.

Gibt es hier noch weitere Unterschiede?

Ja, sogenannte „limited“ oder „modified clauses“ – die Spieler können eine gewisse Anzahl von Teams angegeben, zu denen sie einen Trade akzeptieren würden. Oder umgekehrt, eine Liste von Teams, die sie ausschließen. Winnipeg oder Edmonton gehören schon aufgrund der Temperaturen meist auf diese Listen der ungewünschten Destinationen.

Spieler mit solchen Klauseln können also nicht getraded werden?

Ja, in der Theorie, manchmal wird aber gehöriger Druck auf die Spieler ausgeübt. Einige halten diesem stand, andere knicken ein. Tampa-Defender Dan Boyle, der im Februar 2008 einen 6-Jahres-Vertrag mit einer NTC unterschrieben hatte, wurde im darauffolgenden Sommer nach Verletzungen damit gedroht, auf die Waiver List zu kommen und damit keine Kontrolle über seine nächste Destination zu haben. Boyle stimmte dann zähneknirschend einem Trade nach San Jose zu.

Das umgekehrte Beispiel: Mats Sundin lehnte zur Trading-Deadline 2008 einen Trade aus Toronto ab, obwohl ihn die Maple Leafs händeringend darum baten und ihm eine Liste aus mehreren Interessenten zur Absegnung vorlegten.

Na gut, aber sonst ist ja alles klar, oder?

Nicht ganz - der Fall des „Leider-nein-Klagenfurters“ Lubomir Visnovsky beweist, wie vertrickt diese Fälle werden können. Der Slowake wurde 2008 von den LA Kings nach Edmonton getradet, einen Tag, bevor dessen NTC gültig wurde. Visnovsky war nicht gerade glücklich darüber, zwei Jahre später aber dann umso mehr – zurück nach Kalifornien zu den Anaheim Ducks, Visnovsky hatte nichts dagegen.

2012 sollte der Slowake aber wieder getradet werden, von den Ducks zu den New York Islanders. Er berief sich auf seine NTC und blieb schmollend in seiner Heimatstadt Bratislava.

Streitfall Visnovsky
Foto: © GEPA

Doch so einfach war das Ganze nicht: Der CBA hält fest, dass ein neues Team diese Klausel nicht berücksichtigen muss, wenn sie noch nicht in Kraft getreten ist. Das galt also für die Edmonton Oilers beim Trade mit den Kings. Oder haben sie sie akzeptiert und Visnovsky hat sie dann bei seinem Move nach Anaheim selbst außer Kraft gesetzt? Wenn ja, was bedeutete das für seinen Trade zu den Islanders? War die NTC irgendwann gültig oder nicht?

Alles sehr verworren, ein „Arbitrator“ entschied schließlich gegen Visnovsky, der dann zähneknirschend für die Islanders auflief.

Welch ein Unterschied zu den Zeiten, als der hartgesottene Boston-GM Harry Sinden seinen Starspieler Phil Esposito fragte: „Wo möchtest du hingehen?“ „Überall hin, nur nicht nach New York!“ Kaum hatte Esposito das ausgesprochen, fand er sich schon bei den Rangers wieder…

NHL-Expansion bringt neue Probleme

Diese Klauseln, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, haben aber noch weitreichendere Folgen: Wie sind sie im Falle der NHL-Expansion zu behandeln?

Las Vegas und vielleicht Seattle kommen über kurz oder lang in die NHL, da wird es wieder zu einer Expansion Draft kommen, bei der die bestehenden Franchises eine gewisse Anzahl von Spielern „beschützen“ können, die neuen Teams dann nur aus dem Rest auswählen können. Nur: Worunter fallen dann diese Spieler mit den Klauseln?

Der Rahmentarifvertrag CBA hat auf diesen Fall vergessen, Spielergewerkschaftsboss Donald Fehr hat jetzt schon festgehalten: „No movement means no movement, right?“ Da sind natürlich Streitereien zwischen ihm und NHL-Boss Gary Bettman vorprogrammiert.

 „LTIR“ und die „Salary Cap Ceiling“

Ein weiterer Punkt, der zur Trading Deadline zu beachten ist: Natürlich darf kein Team die Gehaltsobergrenze (=Ceiling) von 71, 4 Millionen Dollar überschreiten. Aber halt: Genau das tun ja jetzt schon sechs Teams (St. Louis, Pittsburgh, Detroit, Tampa Bay, Los Angeles, Washington) – das wird sich auch am Montag kaum ändern. Wie kann das gehen?

Ganz einfach: „LTIR“ - „Long term injured reserve“. Spieler, die länger verletzt sind (24 Tage bzw. zehn Spiele) fallen unter diesen Begriff. Zwar verschwinden ihre Gehälter nicht von der Payroll, aber sie können durch andere Spieler ersetzt werden.

Alles nach der Formel: Gehalt des Ersatzspielers minus noch offenes Geld zur Salary Cap Ceiling = Summe, mit der das Team über die Gehaltsobergrenze gehen darf.

Der Blackhawks-Geniestreich

Auch das ist alles sehr kompliziert, doch wer diesen Paragraphen ausnutzt, ist im Vorteil. Aber Achtung: Wenn der verletzte Spieler zurückkommt, muss das Team wieder „cap compliant“ werden, sprich die Payroll der Gehaltsgrenze angepasst werden.

Die Blackhawks machten sich letzte Saison diesen Paragraphen zunutze: Topstar Patrick Kane brach sich sieben Tage vor der Trading Deadline 2015 das Schlüsselbein. GM Stan Bowman angelte sich stattdessen Oldie Kimmo Timonen, Antoine Vermette und Andrew Desjardins, presste diese in die LTIR-Lücke von Kane.

Foto: © GEPA

Sniper Kane selbst stand dann genau zu Beginn der Play-Offs wieder zur Verfügung, Timonen, Vermette und Desjardins konnten aber auch weiter im Lineup bleiben – in den Play-Offs ist die Gehaltsobergrenze außer Kraft gesetzt.

Ein Meisterwerk von GM Bowman, das dann auch mit dem Stanley-Cup-Sieg belohnt wurde.

Feinheiten beim Jahresgehalt

Weiters zu wissen: Der „Salary-cap-hit“ eines Spielers wird natürlich während der Saison „pro-rated“ (=aliquot) berechnet. Das bedeutet, das Jahresgehalt wird auf die ausstehenden Tage der Saison (insgesamt heuer 186) hinuntergerechnet.

Beispiel: Ein Gehalt von einer Million Dollar wird zur Trading Deadline mit knapp 40 von 186 Tagen berechnet, beträgt daher ungefähr 215.000 Dollar.

Der Österreicher-Check:

Das gilt natürlich auch für die vier österreichischen Cracks mit NHL-Verträgen, hier die Reihenfolge der Wahrscheinlichkeit von Trades für sie:

Foto: © GEPA

Michael Grabner (Toronto Maple Leafs/im letzten Vertragsjahr/Jahres-Cap-Hit: 3 Mio./aliquoter Hit: ca. 700.000 Dollar)

Durchaus wahrscheinlich, dass er getradet wird, er ist der typische Fall eines Rental-Players: Ein Team könnte ihn für den Rest der Saison als zusätzliche Alternative verpflichten, über den Sommer hinaus hat man dann keine Verpflichtung mehr. Grabner bringt Speed und mittlerweile auch PK-Expertise mit, das aufnehmende Team könnte darauf hoffen, dass Grabner vielleicht einen kleinen Break-Out im Scoring erfährt. Die Maple Leafs würden wohl alles in Return nehmen, sei es ein (niedriger) Draft Pick oder ein mittelmäßiger Prospect.

Michael Raffl (Philadelphia Flyers/im letzten Vertragsjahr/1, 1 Mio/ca. 250.000)

Raffl ist im Sommer ein Unrestricted Free Agent. Er könnte bei den Flyers einen neuen Vertrag unterschreiben. Die Verhandlungen laufen zur Stunde. Die Flyers verfügen noch über knapp fünf Millionen Cap Space.

Thomas Vanek (Minnesota Wild/ noch ein Jahr unter Vertrag/6, 5 Mio/1, 5 Mio)

Vanek verfügt über eine NMC, die er sicher auch nicht aufgeben würde. Die Wild steckt im Play-Off-Rennen, wird den Kader wohl nur in Kleinigkeiten ändern. Ein Buy-Out im Sommer wäre noch wahrscheinlicher als ein Trade, beides wird aber nicht passieren.

Thomas Raffl (Winnipeg Jets/im letzten Vertragsjahr/Kein Cap Hit)

Raffl spielt im Jets-Farmteam, den Manitoba Moose, daher fällt für ihn kein Cap Hit an. Nach einer verletzungsgeplagten Saison gibt es für ihn sicher keinen Markt. Theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich: Er wechselt als Zugabe in einem größeren Trade oder als Swap zwischen Minor Leaguern. Raffl wird das Saisonende bei den Moose oder mit etwas Glück bei den chancenlosen Jets erleben.

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