Analyse des EBEL-Wochenendes

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Was hat sich an diesem Wochenende in der EBEL getan? Wer hat überzeugt, was war nicht so gut? Und was tut sich generell in der Liga?

Wir haben LAOLA1-Scout Bernd Freimüller entsendet, der die brennendsten Fragen beantwortet:

29.1.: KAC – Fehervar 6:4

Wie schon Tage zuvor in Graz ein Start-Ziel-Sieg des KAC. Die ersten 30 Minuten waren eigentlich eine Demonstration des Könnens, das im Team steckt: Alle Cracks hielten ihre Beine stets in Bewegung, die Übergänge von der Defensive in die Offensive funktionierten fließend. Die Tore fielen dann auch auf ganz verschiedene Art und Weise: Odd-Man-Breaks (1:0, 4:0), ein perfekter Stretchpass (2:0), lange Druckphasen in der offensiven Zone (3:0, 5:0). Wenn einzelne Spieler nicht glauben, dass sie das Spiel alleine entscheiden müssen, läuft das "Werkel". Vor allem, da fast alle Cracks zum offensiven Output beitragen können.

Im Sparmodus – der offenbar auch in Laibach zum Tragen kam - sah das dann schon wieder anders aus. Zwar verständlich, dass man so eine Leistung nicht über 60 Minuten bringen kann, aber ganz irrelevant waren die vier Gegentreffer auch wieder nicht: Bei einem eventuellen Punktegleichstand mit Fehervar wäre das Punkt- und Torverhältnis der beiden Partien gegeneinander entscheidend.

Doch das Auftreten der Ungarn machte wenig Hoffnung auf eine Siegesserie: Beide Goalies wie so oft heuer kein Rückhalt, Schlüsselspieler wie Andrew Sarauer, Istvan Bartalis und Frank Banham (in seiner wohl letzten Saison) nur eine blasse Erinnerung an bessere Tage. Dazu kamen noch aufgrund von schlechter Gap Control turnsaalgroße Löcher zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen, die die Klagenfurter unerbittlich ausnutzten.

Beim KAC sollte ein Comeback von Jonas Nordqvist (Leisten) in absehbarer Zeit möglich sein, Luke Walker könnte einem neuen Center Platz machen, so der Markt noch etwas hergibt.


31.1.: Vienna Capitals – Bozen 5:4

Ein äußerst unterhaltsames Spiel zweier Teams, die eigentlich eher für solide Defensive bekannt sind. Bozen ging vor allem aus zwei Gründen leer aus: Gleich drei 5-3 Überlegenheiten blieben ungenützt und Goalie Jaroslav Hübl hatte einen äußerst schwachen Tag. Die Südtiroler wirken im Powerplay sehr mutlos, das beginnt bei fast wehrlos verlorenen Face-offs, sehr schlampigen Pässen im Angriffsdrittel und wilden Schüssen von der blauen Linie. Neuerwerbung Brendan Bell, der den Wienern noch dazu den Siegestreffer auflegte, hat seine besten Zeiten auch schon hinter sich und kann im Powerplay keine Akzente mehr setzen. Bozen wird aber von fast allen Coaches in der Liga sehr hoch eingeschätzt, allerdings sind sie auswärts meist nur die Hälfte wert und einen Top-Vier-Platz verspielen sie mit solchen Spielen wie in Wien.

Bei den Caps überzeugte Jamie Johnson schon weit mehr: Seine Beinarbeit war nach seiner langen Pause weit besser als erwartet und beim Saucer Pass über Hannes Oberdörfers Stock zum Führungstreffer von Mario Fischer zeigte er seine guten Hände. Überraschend, dass er im PK weit mehr zum Einsatz kam als im Powerplay, wo Jim Boni bei einer 4-3-Überlegenheit einmal sogar mit vier Angreifern aufwartete. Der für ihn abgemeldete Kurtis McLean wird vor Transferschluss noch einmal auf seine Sporttauglichkeit überprüft, ein Verbleib von Johnson (natürlich auch bei einer Verletzung eines weiteren Spielers) würde mich aber nicht überraschen.

Schön langsam rücken bei den Caps alle Spieler in die Rollen, die sie ausfüllen können. Wenn jetzt auch noch Danny Bois zurückkommt, gibt es unter den Top-12-Stürmern nur erfahrene Cracks. In der Defensive müßte bei einer Verletzung Dominic Hackl übernehmen, Sven Klimbachers Rückkehr ist in weite Ferne gerückt.

Apropos Verletzungen: Nathan Lawson erlitt bei einem Schuss von Jerry Pollastrone eine Schlüsselbeinverletzung und das knapp zwei Wochen vor Transferschluss. David Kickert war dann aber wie gewohnt hellwach und gibt dem Verein Zeit und Muße, auf dieser Position nicht in blinde Hektik zu verfallen.

Knapp 80 Prozent der Strafen in diesem Spiel waren glasklar, zwei Situationen jedoch haarig, wurden aber richtig gelöst. Raffi Rotter fing einen Hübl-Pass in der Luft ab, nach Ansicht von Schiri Viki Trilar, der gleich daneben stand, mit dem hohen Stock, bevor er einschoss. Ob richtig oder nicht ist schwer zu sagen, Trilar pfiff aber sofort und energisch. Ein Videobeweis wäre hier fatal gewesen: Nur bei direkten Toren mit dem hohen Stock darf dieser herangezogen werden. Kollege Ladislav Smetana setzte sich vor Jahren bei einer ähnlichen Situation schon einmal gehörig in die Nesseln.

Knapp vor Schluss hob dann Caps-Defender Tyler Cuma in einer Druckphase das eigene Tor aus den Angeln: Schiri-Freshman Miroslav Stolc sah das auch richtig, musste sich aber erst mit Trilar besprechen, bevor er richtigerweise auf Penalty Shot entschied.

Warum gibt es in den letzten zwei Minuten (und in der ganzen Overtime) in so einer Situation einen Penalty-Shot und keine kleine Strafe? Ganz einfach: Bei einer 3-5-Unterlegenheit könnte ein Team sonst ein ums andere Mal das Tor aushebeln, die Spieleranzahl bliebe ja gleich und die aufgeschobene Strafe käme nicht oder nicht zur Gänze zum Tragen.

Eine ähnliche Regel haben wir dem Ex-NHL-Coach Roger Neilson zu verdanken: Ein von ihm gecoachtes Juniorenteam hatte in der Schlussphase eines Spiels auch nur drei Spieler am Eis, er ließ dann halt immer nach dem Face-off sofort einen weiteren Spieler über die Bande hüpfen, so verstrichen immer einige Sekunden, die Strafen waren ihm dann egal. Nicht die einzige Regel, die aufgrund von Neilsons Findigkeit korrigiert wurde - heute würde so eine Szene in der Endphase auch einen Strafschuss nach sich ziehen…


Aus der Liga:

Das Ende der ersten Phase des Grunddurchgangs war gleichzeitig auch ein wichtiges Datum für die Planungen der einzelnen Teams, gab doch die Liga ihre erste Punkteliste für die nächste Saison heraus. Diese beinhaltet nur die EBEL-Cracks, für sie gilt die Saison nach den ersten 44 Runden als abgeschlossenen. Bei einigen Spielern konnten auch noch keine endgültigen Werte angegeben werden, ein Beispiel dafür ist etwa der Linzer David Franz: Da er für Zell/See mehr Spiele als für die Black Wings bestritten hat, kommen die Werte aus der INL zum Tragen und da läuft der Grunddurchgang ja noch.

Doch grundsätzlich wissen die Teams, woran sie sind, ligaübergreifend gab es wie jedes Jahr keine großen Überraschungen, die Tendenzen bei der Punktevergabe sind eigentlich immer gleich:

Vor allem Teams, bei denen mehrere Cracks zum ersten Male punktepflichtig sind (=Jahrgang 1992), sehen ihre Teamwerte drastisch ansteigen. Dornbirn oder Znojmo sind hier die Paradebeispiele. In 90 Prozent der Fälle kann hier fast automatisch ein Wert von 1, 5 Punkten für solche Spieler angenommen werden.

Sonstige Korrekturen betragen meistens nur einen halben Punkt auf oder ab, außer Spieler haben einen Großteil der Saison wegen Verletzungen versäumt (z. B. Andrew Sarauer, Frank Banham oder Gerhard Unterluggauer).

Punkte dazuzubekommen ist leichter als sie wieder zu verlieren, das gilt vor allem für ältere Spieler.

Hier die Punktekorrekturen für die nächste Saison, sollten die Teams ihren Inländerstamm behalten wollen:

Ljubljana: +8

Znojmo: +6, 5

Dornbirn (ohne Georg Waldhauser): +6

Linz (ohne David Franz): +4

VSV, KAC, Bozen: +3, 5

Graz: +2, 5

Salzburg: +2

Capitals, Innsbruck: +1, 5

Fehervar (ohne Brance Orban): +0, 5

Wenig Gutes gibt es von den ersten Tagen der verpflichtenden Time-on-ice-Erfassung zu hören: Probleme in allen Hallen, teilweise auf den menschlichen, teilweise auf den technischen Faktor zurückzuführen. Schon seit Beginn der Saison spielen sich die Vereine, die Liga, sowie Statistikerfasser „hockeydata“ in dieser Frage den Ball gegenseitig zu. Nur: Der Veranstalter der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz, bei der die Erfassung dieser Werte den anwesenden Medien vollmundig und zeitnah angekündigt wurde, war eindeutig die Liga. Sollte hockeydata vertraglich zur Erfassung dieser Daten verpflichtet sein, müssen sich die EBEL und diese Firma die Schuldfrage untereinander ausschnapsen.

Sollten diese Werte auch in der nächsten Saison nicht zu erfassen sein, wäre das nicht nur ein blaues Auge für die EBEL, sondern würde auch den geplanten „Österreicher-Topf“ auf die lange Bank schieben. Was die Erste Bank als Ligasponsor wohl davon hält?

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