"Für die meisten spielt Domi einfach zu heavy"

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Das Tennis-Fieber hat Österreich erfasst. Dominic Thiem sei Dank!

Mit seinen unglaublichen Erfolgen in Lateinamerika eroberte der junge Niederösterreicher in den vergangenen Wochen aber auch die Herzen der internationalen Fans.

Nach seinen Turniersiegen in Buenos Aires und Acapulco wird der 22-Jährige weltweit als kommender Top-10-Akteur und sogar als Grand-Slam-Sieger gehandelt.

„Das ist natürlich eine Supersache, aber es ist trotzdem erst Ende Februar“, bleibt der Youngster am Boden.

Wobei der ehrgeizige Lichtenwörther seine Zielplanung nicht verhehlen will: „Wenn ich so weitermache, dann geht es hoffentlich noch weiter nach oben, sollten die Top Ten auf jeden Fall möglich sein.“ 285 Punkte fehlen dem Weltranglisten-14. noch zum Sprung in diese elitäre Gruppe.

Konzentration auf den Davis Cup

Bevor es allerdings wieder auf die ATP-Tour geht, steht zunächst das Davis-Cup-Duell in Guiamares gegen Portugal auf dem Programm (4. bis 6. Februar). Dort will Thiem endlich seinen ersten Erfolg für Österreich einfahren.

Trotz extremer Reisestrapazen nimmt er den langen Flug von Übersee nach Europa auf sich, um das ÖTV-Team auf seinem Weg zurück in die Weltgruppe zu unterstützen.

Am Montagabend landet Thiem in Wien, ehe er am Mittwoch zu seinen Mannschaftskollegen stößt.

ÖTV-Team von Thiem begeistert

Diese freuen sich schon auf ein Wiedersehen mit ihrem Landsmann, dessen Erfolgslauf sie in den letzten Wochen ebenfalls genau verfolgten.

„Ich habe seine Spiele natürlich verfolgt“, erzählt Gerald Melzer, voraussichtlich der Nummer-zwei-Spieler gegen Portugal, im Gespräch mit LAOLA1.

"Es ist wirklich unglaublich, wie er spielt. Ich bin in den letzten Wochen zu jeder Uhrzeit vor dem Fernseher gesessen und habe mir alle Matches von ihm angesehen. Das Highlight war sicherlich das Spiel gegen Nadal. Ich habe extrem mitgefiebert und war selbst beim Matchball nervös."

Langjähriger Thiem-Freund Dennis Novak

 „Mit Dennis (Anm.: Novak) habe ich mir gemeinsam das Halbfinale (gegen Rafael Nadal) und das Finale von Buenos Aires angesehen und auch in Acapulco war ich meistens vor dem Bildschirm mit dabei. Es ist einfach beeindruckend, wie er spielt.“

Novak: „Zu jeder Uhrzeit vor dem Fernseher“

Teamkollege Dennis Novak stimmt bei LAOLA1 in die Lobeshymnen mit ein: „Es ist wirklich unglaublich, wie er spielt. Ich bin in den letzten Wochen zu jeder Uhrzeit vor dem Fernseher gesessen und habe mir alle Matches von ihm angesehen.“

„Das Highlight war sicherlich das Spiel gegen Nadal. Ich habe extrem mitgefiebert und war selbst beim Matchball nervös“, erzählt der 22-Jährige aus Wr. Neustadt, der seit seinem 14. Lebensjahr gemeinsam mit Thiem bei Günter Bresnik trainiert und oft mit Thiem-Vater Wolfgang, selbst ein erfahrener Tennis-Coach, gemeinsam auf Tour geht.

Dementsprechend hat Novak auch einen guten Einblick, warum es bei Thiem derzeit so steil bergauf geht: „Körperlich hat er mit seinem neuen Physiotherapeuten (Anm.: Alexander Stober) heuer wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Auch Aufschlag und Return konnte er verbessern.“

Koubek: „Dominic kommt schneller auf die Grundlinie“

ÖTV-Kapitän Stefan Koubek sieht es ähnlich: „Der Return ist viel besser geworden. Er spielt immer noch von hinten, kommt aber schneller auf die Grundlinie.“

Auch Gerald Melzer sieht die größte Steigerung beim Rückschlag: „Da ist er um einiges besser geworden. Auch seine Rückhand ist stabiler und gefährlicher.“

„Er ist topfit und spielt für die meisten einfach zu heavy. Das ist der Hauptgrund warum er so viel gewinnt“, sieht der 25-jährige Deutsch-Wagramer Thiems größte Stärken in dessen „extremem Vorhand-Topspin“.

Kick-Aufschlag stellt Gegner vor unlösbare Aufgaben

Bruder Jürgen Melzer erklärt es im Detail: „Wenn man gegen Dominic spielt, sind fast alle gezwungen nach hinten zu gehen und dort werden die Wege extrem weit. Im Halbfinale von Acapulco gegen Sam Querrey hat man das gut gesehen. Der hat nicht mehr gewusst, wie er sich hätte wehren können.“

Die Verbesserung beim Aufschlag sei zudem nur auf den zweiten Blick ersichtlich. Teilweise hat Thiem die Geschwindigkeit beim Service gegenüber dem Vorjahr sogar etwas reduziert. Mit dem extremen Kick-Aufschlag nach außen stellt er seine Kontrahenten aber trotzdem vor meist unlösbare Aufgaben.

Wenn man es schafft, vorne zu retournieren, dann ist etwas möglich. Du musst allerdings den Return sehr gut treffen, denn sonst ist der Platz offen.

Jürgen Melzer über Thiems Kick-Aufschlag

„Wenn du Dominics Kick-Aufschlag aufspringen lässt, bist du zwei Meter vom Platz draußen“, erklärt der ehemalige Weltranglisten-Achte, der derzeit nach einer Schulter-Operation rekonvaleszent ist.

„Wenn man es schafft, vorne zu retournieren, dann ist etwas möglich. Du musst allerdings den Return sehr gut treffen, denn sonst ist der Platz offen. Es gibt nur mehr ganz wenige Spieler, die das so praktizieren. David Ferrer hat es probiert und trotzdem eine am Schädel bekommen“, erinnert Melzer an den beeindruckenden Viertelfinal-Sieg in Rio de Janeiro.

Jürgen Melzer: „Derzeit sind alle ratlos gegen Dominic“

Doch reicht es mit diesen Waffen auch für ganz nach oben? Kann Thiem heuer schon um die ganz großen Titel mitspielen?

„Er kann in jedem Fall dieses Jahr in den Top Ten abschließen. Ob es zu einem Grand-Slam-Sieg reicht, ist schwer zu sagen“, so Melzer, der den größten Nachteil vor allem in der fehlenden Erfahrung sieht.

„Ich glaube, dass es zumindest heuer gegen Djokovic, Federer und Murray bei Best-of-Five-Partien noch sehr hart für ihn wird. Alle anderen Spieler sind absolut in seiner Reichweite“, ist der 34-jährige Deutsch-Wagramer überzeugt.

 

Wobei die größere Berühmtheit ein zweischneidiges Schwert sein kann: „Wenn die anderen Spieler öfter gegen ihn spielen, könnten sie sich auch besser auf Dominic einstellen. Man wird sehen, ob sie eine Schwäche finden, derzeit sind sie eigentlich alle ratlos.“

Teamkollegen wollen von Thiem profitieren

Thiems Landsleute hoffen hingegen viel mehr darauf, selbst vom Topstar in den eigenen Reihen profitieren zu können.

„Wie oft habe ich schon die Möglichkeit mit einem Top-15-Spieler zu trainieren?“, streicht Gerald Melzer, aktuell die Nummer 116 der Welt, die Vorteile heraus. „Vor allem auf Sand kann man sich einiges abschauen. Er spielt einen extremen Topspin mit der Vorhand, so etwas könnte ich für mein Spiel auch gut brauchen.“

Auch mental sei es extrem hilfreich, einen derart starken Spieler in den eigenen Reihen zu haben. Novak: „Es motiviert mich extrem. Ich bin jeden Tag mit ihm in Kontakt und ich finde es auch toll, dass er trotz dieser Erfolge unsere Freundschaft pflegt und nicht abhebt.“

Neben den direkten Erfolgen von Thiem könnte das rot-weiß-rote Tennis also auch davon profitieren, dank des von ihm geschaffenen Windschattens weitere Spitzenspieler produzieren.

Das beste Beispiel für eine derartige Karriere ist Stan Wawrinka. Der Schweizer stand jahrelang im Schatten des großen Roger Federer, mauserte sich über die Jahre hinweg aber klammheimlich selbst zum Top-Star mit mittlerweile zwei Grand-Slam-Titeln.

Schließlich soll auch so ein Tennis-Fieber hochansteckend sein.

Christian Frühwald


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