ÖOC-Präsident Stoss: "Haben eine Menge zu tun"

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Die Bilanz von ÖOC-Präsident zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro fällt angesichts der bescheidenden Medaillen-Ausbeute gemischt aus.

"Wir sind erleichtert, wir sind nicht ganz zufrieden, wir haben noch eine Menge zu tun", erklärt Stoss. Für Erleichterung sorgte das Segel-Duo Zajac/Frank mit der ersten Sommer-Olympia-Medaille seit 2008: "Das war eine großartige Leistung."

Er fordert aber neuerlich deutlich Reformen ein, vor allem eine Zusammeführung des Förderwesens.

Drittschwächste Bilanz

Bis Freitag erreichten die Sportler des Österreichischen Olympischen Komitees 17 Top-Ten-Platzierungen, hinter der Bronzemedaille der Nacra-17-Segler gibt es als weitere beste Resultate sechs fünfte Ränge. Am Wochenende sind noch einige Österreicher im Einsatz, sie haben aber keine realistischen Medaillenchancen.

Die Ausbeute wird damit wohl die drittschlechteste bei Sommerspielen nach den beiden "Nullnummern" 1964 in Tokio und 2012 in London sein.

Debütanten positiv hervorgestrichen

Besonders strich Stoss die "großartigen Leistungen" einiger Debütanten hervor, so von Schützin Olivia Hofmann und der kranken und an der Schulter verletzten Judoka Bernadette Graf ("Hut ziehen vor Beißermentalität"), die jeweils Fünfte wurden. "Eine ganz große Überraschung" war für ihn Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger (6.) und "toll" Ruderin Magdalena Lobnig (6).

Auch Tischtennisspieler Daniel Habesohn habe sich im Teambewerb (5.) ordentlich geschlagen. Judokämpferin Kathrin Unterwurzacher (7.) und die Synchronschwimmerinnen Anna Maria und Eirini Marina Alexandri (12.) fanden positive Erwähnung.

"Andere, auch zum Beispiel im Segeln, sind nicht in den Medaillenrängen, sind Top Ten, das kann ja nicht zufriedenstellend sein, da werden wir mehr machen müssen", meinte Stoss.

Nicht zurücklehnen

Deshalb, so das neu gewählte Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, könne man, wenn am ganz ehrlich sei, sich nicht zurücklehnen und sagen, "Toll, wir haben das Ziel erreicht".

Insgeheim hätte man mit der einen oder anderen Medaille mehr gerechnet. "Obwohl 17 Top-10-Plätze nicht schlecht sind, das muss man zusammenbringen."

In längeren Zeiträumen denken

Man müsse sich in Ruhe vor Augen führen, an was es gelegen sei. Jeder einzelne Athlet soll analysiert und Gespräche mit den Fachverbänden geführt werden. "Wir sind auf einem recht guten Weg. Die Zusammenarbeit mit den Olympiazenten hat sich bewährt, die müssen wir weiter ausbauen", sagte Stoss.

Es ginge nun darum, eine klare Zielsetzung für vier bis acht Jahre zu definieren. "Die Zeit vor Rio war zu kurz, man muss längere Zeiträume ansetzen. Wir haben ein Investment getätigt, der Return ist noch nicht da. Wir müssen uns Gedanken machen, welche Strategie wir verfolgen wollen", so der ÖOC-Boss.

Reduzierung des Aufgebots?

Ob man mit jenen zu den Spielen fahren und die forcieren will, die eine wahrscheinliche Medaillenchance haben, oder all jene mit internationaler Startberechtigung, was eine Breitenwirkung habe.

So ist es übrigens derzeit der Fall, weshalb das ÖOC-Aufgebot in Rio 71 Sportler umfasste. Einen Blick will das ÖOC auch auf ebenfalls kleine Länder wie Neuseeland, Dänemark und Ungarn werfen, weshalb diese zur Weltspitze gehören.

Athleten früher zum ÖOC?

Weiter vorangetrieben werden sollen die Nachläufer des "Projekt Rio". "Unser Wunsch, und das ist auch mit dem Sportminister abgesprochen, ist ein solches Projekt für Pyeongchang, aber dann auch für Tokio 2020. Weil ein Return on Investment nicht in drei Jahren kommt, da muss man mit acht bis zwölf Jahren rechnen."

Stoss sprach von einem "zaghaften Beginn eines sehr langen, sehr intensiven Weges". Aktuell betreut das ÖOC die Sportler ja nur kurz vor den Spielen und übergibt sie danach wieder an die Fachverbände.

"Wir müssen klar diskutieren, ob wir etwas früher in Aktion treten. Wir sind nicht nur für die Beschickung da, wir gehen auch in die Verantwortlichkeit, wenn man und lässt. Wir wünschen uns und wollen weit mehr im Spitzensport sein."

"Interessenskonflikte beseitigen"

Zum wiederholten Male betonte Stoss, dass man das Fördersystem zusammenführen müsse. ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel will "Interessenskonflikte beseitigen". Man sehe sich als Dienstleister des österreichischen Spitzensports.

Was die Bündelung der Kräfte und Institutionen betrifft, meinte er, dass es keine juristische Zusammenführung sein müsse. "Es geht um die gemeinsame Beurteilung und Verteilung der Mittel. Das sollte möglich sein in den nächsten sechs Monaten."

Glücklich war der Generalsekretär, dass es im ÖOC-Team keinen Sicherheitsvorfall gegeben habe. "Wir haben unsere Athleten ganz intensiv darauf vorbereitet, in welchem Umfeld sie sich bewegen werden und müssen und welche Risiken bestehen." Ausdrücklich lobte er die Arbeit von Chef de Mission Christoph Sieber. "Eine Goldmedaillenleistung."

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