Die Top-Ten der größten Olympia-Momente

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Die 120 Jahre dauernde Geschichte der Olympischen Sommerspiele brachte unzählige Helden und unvergessene Momente hervor. Vor dem Beginn in Rio de Janeiro haben wir uns die zehn größten Momente herausgepickt.

Eine Top-Ten-Liste, die leider NUR zehn umfassen kann:


10. Der Fall und Aufstieg und Fall... des Dorando Pietri

Marathon in den olympischen Anfängen – das waren Rennen, in denen Helden und Legenden geboren wurden. Von Läufern, die von Hunden gejagt, von Autos getragen und von mangelhaften Strecken-Markierungen fehlgeleitet wurden. Eine griechische Tragödie in Reinkultur lieferte Dorando Pietri 1908 in London.

Also justament bei jenen Spielen, bei denen der Marathon – dank der Sportaffinität der Queen – seine heute noch gültige Länge von exakt 42,195 km verordnet bekam. Doch genau diese Verlängerung um knapp einen Kilometer sollte Pietri zum Verhängnis werden. Der Italiener war mit Riesen-Vorsprung in das mit über 75.000 Zuschauern besetzte Final-Stadion eingelaufen. Eine halbe Stadionrunde vor dem Zielstrich sackte er erschöpfte zusammen. Aufrappeln und Hinfallen wechselten einander ab. Pietri drohte sogar in die falsche Richtung zu laufen. Nur mithilfe von Ärzten und Kampfrichtern konnte er die Ziellinie doch noch überqueren, als der zweitplatzierte John Hayes (USA) zehn Minuten nach Pietri gerade im Stadion ankam.

Da es der Italiener nicht aus eigener Kraft geschafft hatte, wurde ihm infolge eines US-Protests der Sieg aberkannt. Jedoch war die Queen von Pietris Kampf derartig angetan, dass sie ihm während der Abschlussfeier eine kleine Silber-Trophäe überreichte.


9. Sternzeichen: Goldfisch

Achtmal Gold in Peking: Michael Phelps
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Er zählte gerade einmal 23 Lenze, als Michael Phelps bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking acht (!) Mal Gold holte. Noch nie zuvor hatte ein Sportler mehr Siege bei einer Auflage davongetragen. Er überflügelte Rekordhalter Mark Spitz (7) und trug sich in die Geschichtsbücher ein. Dabei galt der junge Phelps als nicht leicht zu handeln, litt am Aufmerksamkeits-Defizitssyndrom (ADS).

Seine ältere Schwester Whitney hatte zudem als Favoritin die US-Ausscheidungen für die Spiele 1996 verpasst. Ein Ereignis, welches der kleine Michael von der Tribüne aus miterlebte: „Diese Niederlage hinterließ eine Narbe. Sie überforderte uns. Wir waren zerstört.“

All diese Dinge schienen sich in jenem Moment zu entladen, als der Titan des Wassers den Sieg über 100m Delfin einfuhr. Mit nur einer lächerlichen Hundertstel-Sekunde Vorsprung nahm er mit dem allerletzten Zug dem lange führenden Serben Milorad Cavic noch die Butter vom Brot. Der finale Sieg mit der US-Lagenstaffel war dann mehr oder weniger Pflicht.


8. Black Power

Tommie Smith und John Carlos damals sowie 2008 bei den ESPY-Awards
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Es ist eine der berühmtesten politischen Protest-Aktionen unserer Zeit: Die beiden US-Sprinter Tommie Smith (1. in 19,83 Sekunden/WR) und John Carlos (3.) recken 1968 bei der 200m-Siegerehrung die in einen schwarzen Handschuh gehüllten Fäuste in den Nachthimmel von Mexiko City.

Es ist ein Zeichen gegen rassistische Diskriminierung in den USA. Eine mutige Tat, welche zur damaligen Zeit nicht ohne Konsequenzen bleibt. Noch im Stadion ernten Smith und Carlos Buhrufe. Da eine derartige politische Message bei den ach so apolitischen Spielen nichts verloren hätten, besteht IOC-Boss Avery Brundage auf den sofortigen Ausschluss von den Spielen. Jener Brundage, der 32 Jahre zuvor als Chef des US-amerikanischen Komitees keine Probleme mit dem Zeigen des Hitlergrußes hatte.

Smith meinte zu seiner Aktion: „Wenn ich siege, bin ich Amerikaner, kein schwarzer Amerikaner. Aber wenn ich etwas Schlechtes mache, sagen sie, ich sei ein Neger. Wir sind schwarz und wir sind stolz darauf. Das schwarze Amerika versteht, was wir heute gemacht haben.“


7. Lightning-Bolt

Sprintete in eine neue Dimension: Usain Bolt
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Gewinnst du bei Olympia das 100m-Finale, bist du ein Star.

Gewinnst du es in Weltrekordzeit, ein Superstar.

Und tust du das Ganze auch noch mit offenen Schuhbändern, dann bist du Usain Bolt.

Die Show des jamaikanischen Sprint-Wunders bei den Spielen 2008 in Peking hob die Leichtathletik in neue Sphären. Dabei begann der Pfitschi-Pfeil aus der Karibik schon vor dem Zielstich, den er nach 9,69 Sekunden überquerte, mit dem Feiern. Als erster Leichtathlet seit dem großen Carl Lewis, der das Sprint-Triple aus 100m, 200m und 4x100m gewinnt. Eine Erfolgsgeschichte, die 2012 mit der Verteidigung der drei Goldenen weiterging und deren Ende noch nicht geschrieben ist.


6. Baywatch vor der Küste Koreas

Einer der unbesungenen Helden der Spiele von Seoul
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Lawrence Lemieux könnte Olympiamedaillen-Gewinner sein. Womöglich sogar Olympiasieger. Doch der Kanadier entscheidet sich 1988 dagegen – und zwar aus dem besten Grund der Welt.

Als bei den Olympischen Spielen in Seoul der Wind und die Wellen vor der Küste Pusans (KOR) grenzwertige Ausmaße annehmen, macht das Lemieux nur wenig aus. Der Finn-Dinghy-Segler liegt nach fünf Wettfahrten auf Silberkurs. Als jedoch das gleichzeitig gestartete 470er-Boot mit Joseph Chan und Siew Shaw (Singapur) kentert, reagiert Lemieux geistesgegenwärtig, pfeift kurzerhand auf das eigene Rennen und fischt die beiden Verletzten aus dem Wasser. Chan ist sogar so bedient, dass er aus eigener Kraft nicht einmal mehr alleine ins Boot klettern kann.

Lemieux liefert sie anschließend bei einem Boot der koreanischen Navy ab, um anschließend in das Rennen zurückzukehren. Die Medaille (Rang 21 von 32 Booten) ist zwar futsch, doch für seine Courage und Selbstlosigkeit wird der damals 33-Jährige von IOC-Präsidenten Jose Antonio Samaranch mit der Pierre-Coubertin-Medaille dekoriert.


Zu den Plätzen 5 bis 1 unserer Top-Ten:


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