So kann das nix werden

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Österreichs Tischtennis-Herren verpassen durch das 1:3 im Viertelfinale gegen Deutschland zwar die zum Ziel gesetzte Olympia-Medaille, landen mit Rang fünf aber im Bereich der Erwartungen.

Robert Gardos und Co. ist das naturgemäß zu wenig. Der 37-Jährige, für den im Einzel bereits zum Auftakt Endstation war, lässt nach den von ihn schwachen Olympischen Spielen kein gutes Haar an der Vorbereitung.

"Ich habe ähnliches erwartet", schüttelt Gardos frustriert den Kopf. "Die Vorbereitung und das ganze Paket im Vorfeld von Olympia war einfach enttäuschend."



Jetzt gelte es, sich zusammenzusetzen und zu überlegen, was man besser machen wolle.

Das geht nicht mit Links

Der schon in den letzten Monaten mit seiner Form kämpfende Gardos hatte gegen Deutschland im Auftakt-Einzel gegen Timo Boll nach vergebenem Satzball in Satz eins mit 0:3 verloren. "Deutschland war die bessere Mannschaft", musste der Chartres-Legionär neidlos anerkennen.

Doch mit Blick auf die anderen Viertelfinalgegner sei gesagt, dass die DTTB-Auswahl noch zu den eher schlagbaren Aufgaben zählte. Doch auf deren Niveau mitzuhalten, sei für Österreich an normalen Tagen sehr schwer.

"Darum habe ich im Vorfeld zum Verband gesagt, wenn wir eine Medaille holen wollen, müssen wir in der Vorbereitung etwas ganz Besonderes machen", so Gardos, dessen Begehren sich jedoch nicht erfüllte.

Konkret bestand dringender Bedarf nach einem Linkshänder, da es in Österreich derzeit keinen international adäquaten Vertreter dieser Zunft gibt. Dies sei wichtig, um sich im Training auf Leute wie beispielsweise besagten Timo Boll einstellen zu können. "Wir haben super Bedingungen und auch super Trainer, aber ohne einen Linkshänder kannst du so viel Geld reinschütten, wie du willst, und es bringt nicht viel", untermauert Gardos deren Bedeutung.

Laut ihm habe der ÖTTV zwar versucht, zwei Chinesen einzufliegen, doch die hätten letzten Endes kein Visum bekommen. Auch Anrufe bei der Botschaft hätten nicht gefruchtet. Linkshänder aus anderen Ländern kämen nicht infrage, "weil uns auf diesem Niveau eigentlich nur noch Chinesen weiterhelfen".

Einen Lösungsvorschlag für die Zukunft hätte der Doppel-Europameister von 2012 auch gleich parat, wobei nicht ganz klar ist, inwieweit da der Frust aus ihm spricht. "Wahrscheinlich ist es besser, wenn wir das nächste Mal selbst 2.000 Euro zusammenkratzen, nach China fliegen und damit einen chinesischen Verein bestechen, damit uns der Linkshänder schickt. Weil wir bei Förderstellen so etwas bestimmt nicht abrechnen können", meint er launig.

Vor Ort in Rio gelang es den Österreichern immerhin noch, niemand geringeren als Xu Xin, den chinesischen Weltranglisten-Dritten, als Trainingspartner zu gewinnen.

In der Vorbereitung ausgesperrt

Mit der Insolvenz sowie der ungewissen Zukunft der Werner-Schlager-Akademie legt sich ein dunkler Schatten über die heimische Tischtennis-Szene. Österreichs Asse spulten über sechs Wochen der Olympia-Vorbereitung im Schwechater Kompetenz-Zentrum ab, ehe sie in der finalen Phase vom Sachverwalter kurzerhand vor die Tür gesetzt wurden.

"Die wollten plötzlich 10.000 Euro von uns, dann hätten wir wieder reingekonnt", schildert Gardos. Auch die Benützung der Fitness-Anlagen wurde mit einem Mal in Rechnung gestellt.

Wie es mit der Akademie weitergeht, ist unklar. Im März geisterte durch die Medien ein chinesischer Investor, der die WSA kaufen wollte. Stefan Fegerl und Daniel Habesohn kündigen jetzt an, zum Training vermehrt nach Düsseldorf ausweichen zu wollen.

 

Aus Rio berichtet Reinhold Pühringer



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