"Ein trauriger Tag für unseren Sport"

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Der wegen des Doping- und Korruptionsskandals suspendierte russische Verband bleibt gesperrt, die Leichtathletik-Welt erlebt ihr Erdbeben.

IAAF-Präsident Sebastian Coe spricht von einem "traurigen Tag für alle, einem traurigen Tag für unseren Sport". Die Entscheidung sei keine leichte gewesen. 

"Die Entscheidung der IAAF war zu erwarten. Wir werden reagieren", kündigt indes Russlands Sportminister Witali Mutko an. 

"Der Traum vieler unserer Sportler ist zerstört wegen eines falschen Verhaltens einzelner Sportler, Trainer und Spezialisten", heißt es in einem Statement des Ministeriums.

Auch Präsident Putin meldet sich zu Wort: "Was völlig sicher ist, ich möchte das unterstreichen: Es hat in Russland keine Unterstützung für Verstöße im Sport - und vor allem nicht im Bereich Doping - gegeben, und es wird sie auch nicht geben."

"Verstoß gegen die Menschenrechte"

Harte Kritik an der Entscheidung des IAAF kommt indes von Stabhochsprung-Olympiasiegerin und -Weltrekordlerin Jelena Isinbajeva. "Das ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Dazu werde ich nicht schweigen. Ich werde für die Gerechtigkeit kämpfen. Das schlimmste ist, dass sie damit die Karriere junger Sportstars zerstören", meint die Russin.

In Österreich wird die Entscheidung hingegen durchwegs positiv aufgenommen. "Ich finde, es eine gute Entscheidung, es ist ein starkes Zeichen. Es wird nicht das letzte Zeichen sein, das notwendig ist, aber es ist zumindest jetzt einmal ein erster Schritt", sagt Michael Cepic, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur.

"Dies ist ein wichtiges Zeichen. Systematisches Doping wurde aufgedeckt und jetzt ein Schritt gesetzt. Dies könnte für die Zukunft wichtig sein, weil jetzt geht es nicht nur um den Ausschluss von Russland bei den Olympischen Spielen, es geht im nächsten Schritt darum, einen neuen Weg zu gehen. Und zwar für alle. Und da bin ich gespannt, was Neues kommt, es soll ein neuer Weg werden", pflichtet auch Ralph Vallon, der Präsident des Österreichischen Leichtathletikverbandes, bei.

Mit Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting meldet sich auch ein Athlet zu Wort: "Ich freue mich über diesen Schritt, das ist das richtige Signal für den Weltsport. Die Leidenschaft und der Glaube, dass das, wofür ich kämpfe, erreichbar ist, wurde mir persönlich somit ein wenig erhalten."

"Whistleblowerin" zu Olympia?

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, prüft der russische Verband laut IAAF-Councilmitglied Michail Butow den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne (CAS). "Wir werden das Dokument analysieren. Wenn es eine Basis dafür gibt, werden wir es tun", sagte Butow, der vor der Abstimmung den Tagungsraum verlassen hatte.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will am Samstag in einer Telefonkonferenz die IAAF-Entscheidung beraten. "Das IOC hat die Entscheidung des IAAF-Councils zur Kenntnis genommen. Nun wird das IOC-Exekutivkomitee die angemessenen nächsten Schritte in einen Telefonkonferenz beraten", hieß es in der knappen Erklärung.

Die Möglichkeit für russische Leichtathleten als "neutrale Athleten" in Rio anzutreten, schätzt Coe als gering ein. "Der Riss in der Tür ist schmal", sagt auch Ermittler Rune Andersen.

Eine Chance auf eine Rio-Teilnahme soll die als "Whistleblowerin" bekannt gewordene Läuferin Julia Stepanova bekommen, wegen ihren Einsatzes im Anti-Doping-Kampf. Die Russin lebt mittlerweile in den USA, weil sie sich in der Heimat nicht mehr sicher fühlte.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang»
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