Da wächst etwas zusammen

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Freilich ist es schöner, bei einem Groß-Ereignis wie der gerade in Polen stattfindenden EM (alle Spiele im LIVE-Stream) mitzuspielen, als die Vor-Qualifikation für die nächste WM spielen zu müssen.

Doch für die Weiter-Entwicklung der stark verjüngten österreichischen Handball-Nationalmannschaft war dies womöglich genau das Richtige.

Mit einem deutlichen 32:20-Heimsieg am Sonntag über Finnland beendet die ÖHB-Auswahl nicht nur ihre Gruppe punktegleich vor Rumänien an der ersten Stelle, sondern ließ den Eindruck verhärten, dass hier bereits ein kleines Pflänzchen herangereift ist.

Eine neue Breite

Erstaunlich, wie es Teamchef Patrekur Johannesson verstand, trotz der hochkarätigen Ausfälle eines Viktor Szilagyi, Robert Weber, Max Hermann, Romas Kirveliavicius oder zuletzt Raul Santos eine junge schlagkräftige Truppe zu finden, welche den Einzug in das Quali-Playoff im Juni (10.-12. bzw. 14.-16.) fixierte.

ÖHB-Teamchef Patrekur Johannesson
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Eine Sieben, welche am Sonntag über weite Strecken ohne Legionär auskam (die Tormänner einmal ausgenommen) und die physisch nachlassenden Finnen in Hälfte zwei förmlich überrannte.

„Wir haben das heute so gespielt, wie wir es uns vorgenommen hatten: Viel Tempo und 60 Minuten Vollgas“, sagte mit Nikola Bilyk einer der wenigen ÖHB-Akteure, die bereits dem WM-Kader von 2015 angehört hatten.

Der künftige Kiel-Legionär, der mit sieben Toren erfolgreichster ÖHB-Werfer war und mit insgesamt 40 Treffern ex-aequo die Schützenliste der Vor-Qualifikation anführt, kennt die große Stärke des im Augenblick sehr breiten ÖHB-Kaders: „Alle unsere Spieler haben ein gutes Niveau, da kann jeder jeden ersetzen.“ Die dadurch möglichen Wechselspiele führten letztlich zur Höhe des Sieges über die anfänglich stark dagegenhaltenden Finnen.

WM-Qualifikation

# S U N Pkt
  1. Österreich*
6 5 0 1 10
  1. Rumänien
6 5 0 1 10
  1. Italien
6 1 0 4 2
  1. Finnland
6 1 0 5 2

* Bei Punktgleichheit entscheidet das direkte Duell. Österreich setzt sich aufgrund der mehr geschossenen Auswärtstore vor Rumänien durch.
 

Finnland nicht der Anspruch des ÖHB-Teams

Zu Beginn machte sich die ÖHB-Truppe durch Hektik in der Verteidigung selbst das Leben schwer. „Das kommt nicht so überraschend, schließlich standen sich hier zwei Mannschaften auf der einen Seite mit vielleicht 400 Länderspielen und auf der anderen mit schätzungsweise 1.400 gegenüber“, versuchte Johannesson, den Erfahrungs-Unterschied in Zahlen zu gießen.

Einer jener, die in der schwierigen Anfangsphase das Spiel der Österreicher trugen, war Gerald Zeiner. Der Harder setzte Mitspieler gut in Szene und übernahm mit fünf Toren selbst Verantwortung. Der 27-jährige Spätstarter zeigte eines seiner besten Spiele im Nationalteam und demonstrierte, dass er einer der größten Gewinner der Vorqualifikation ist.

In den letzten Spielen aufgezeigt: Gerald Zeiner
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„Bei mir hat es aber auch schon davor gut geklappt. Etwa in den Spielen gegen Spanien oder Deutschland“, will Zeiner Gegner Finnland nicht überbewerten, womit er in die gleiche Kerbe wie Bilyk schlägt.

„Ohne arrogant wirken zu wollen, denke ich, dass wir einfach eine Klasse stärker als Finnland sind“, gibt der Fiver einen Einblick auf das Anspruchsdenken des Teams. „Es war wichtig, dass wir sie nicht unterschätzen – und das ist uns gelungen.“

Das Selbstvertrauen ist mitgewachsen

Für Johannesson heißt es mit Blick Richtung Juni, nun die richtigen Lehren aus den vergangenen Spielen zu ziehen. „Das Spiel in Rumänien war unsere größte Leistung, schließlich waren sie von der Parpierform her Gruppenfavorit“, weiß der Isländer.

Die Niederlagen in Rumänien sowie beim Yellow Cup gegen Tunesien haben zudem dafür gesorgt, dass die Bäume bei seinen Jungs nicht in den Himmel wachsen. Johannesson: „Speziell gegen Tunesien war der noch fehlende Unterschied deutlich erkennbar.“

Einen Wunschgegner für die am 31. Jänner im Rahmen der EM stattfindende Playoff-Auslosung gibt es weder beim Trainer, noch bei seinen Spielern. Am treffendsten formulierte es Bilyk: „Wir alle wollen zur WM. Scheißegal, welcher Gegner – scheißegal, wie stark der ist.“

Worte, die erahnen lassen, wie wichtig die Vor-Qualifikation für die Entwicklung des Teams tatsächlich war.

 

Reinhold Pühringer

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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