Damit macht man es sich ein wenig einfach

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Die riesige Erwartungshaltung, manche Spieler nicht in bester körperlicher Verfassung und folglich weit entfernt von ihrer Bestform, andere mit zu wenig Spielpraxis, der Stress aufgrund der ungewohnten Turniersituation und der schlechten Leistungen, zu große Ablenkung aufgrund von Transfer-Hoffnungen, Fehler in der mentalen Vorbereitung, eine schlecht geplante Heimreise aus Paris, letztlich auch fehlendes Glück und, und, und.

Ja eh.

Die führenden ÖFB-Köpfe Leo Windtner, Willi Ruttensteiner und Marcel Koller haben sich intensiv mit dem Scheitern bei der EURO auseinandergesetzt und die Erkenntnisse ihrer Analyse der Öffentlichkeit präsentiert.

Weite Teile dieser bemühten Referate kann man auch so unterschreiben. Bahnbrechende Neuigkeiten geschweige denn ein Aha-Erlebnis waren nicht dabei. Vieles wusste man schon aus der Zeit in Frankreich oder konnte man sich zumindest recht einfach zusammenreimen.

Fazit: Schlussendlich war der Rucksack, den viele Spieler zur EURO mitgenommen haben, zu schwer.

Ja eh. Kann sein.

Doch haben besagte Herrschaften genügend dagegen unternommen?

Ein wenig kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die unausgesprochene Erkenntnis ist: Die Spieler haben es nicht hingekriegt, wir Verantwortlichen vom ÖFB haben eh weitestgehend geliefert ("perfekte Rahmenbedingungen, perfekte Organisation"...).

Und damit macht man es sich schon ein wenig zu einfach. Nein, man hat sogar eine Chance vertan.

Ruttensteiner über angebliche Spannungen im Team:


Okay, nur die wenigsten Trainer werden mit dem wenigen Abstand einiger Wochen zugeben, dass ihre Taktik, etwa die Dreierkette gegen Island, nicht die glücklichste war. Oder dass man nicht jede Personalentscheidung, etwa Alessandro Schöpf nicht von Anfang an zu bringen, richtig getroffen hat.

Aber warum eigentlich nicht? Man könnte ja dazu stehen, eine Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen getroffen zu haben – im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer -, aber gleichzeitig eingestehen, dass sie vielleicht nicht ideal war. Diesbezüglich würde niemandem ein Zacken aus der Krone fallen.

Klare Selbstkritik kam nur in zwei Punkten. Einerseits die missglückte Heimreise nach dem Portugal-Spiel, angesichts der es laut Ruttensteiner schlauer gewesen wäre, über Nacht in Paris zu bleiben. Aber ob man deshalb das Island-Spiel in den Sand gesetzt hat?

Andererseits, wenigstens etwas, im vielleicht wesentlichsten Punkt von allen: Das Unterschätzen der mentalen Belastung für die Spieler, das vernachlässigte Gegensteuern bezüglich der zu erwartenden Stresssituation.

Auch nicht unbedingt Breaking News, das Kopfproblem konnte man in Frankreich deutlich spüren, aber immer noch ärgerlich. Denn darauf hätte man schon kommen können, dass die Bühne einer EURO für die meisten im Kader Neuland ist und man den riesigen Druck irgendwie kanalisieren wird müssen.

Leider hat man nicht besser gegengesteuert. Wie auch in anderen Bereichen. Österreich wird nicht der einzige EURO-Teilnehmer gewesen sein, dessen Kadermitglieder beispielsweise eine lange Saison hinter sich hatten oder nicht in Bestform angereist sind.

Warum war es in der jüngeren Vergangenheit geradezu ein Markenzeichen des ÖFB, Spieler mit Vereinsproblemen auf den Punkt wieder aufzupeppeln, und warum hat das diesmal so ganz und gar nicht geklappt?

Ja, es bleibt ohne jeden Zweifel dabei: Jeder einzelne Spieler muss in sich gehen und für sich selbst beantworten, was er in den Wochen und Monaten der Vorbereitung auf die EURO beziehungsweise beim Turnier selbst besser hätte machen können.

Aber das gilt auch für die Verantwortlichen. War ansonsten wirklich jede Maßnahme in der Vorbereitung richtig gesetzt? War jede Entscheidung im Turnierverlauf richtig? Wurde auf alle auftretenden Probleme richtig reagiert?

Fragen, die uns in der Aufarbeitung vermutlich noch ein wenig beschäftigen werden.

Viel wichtiger sind jedoch die Rückschlüsse, die aus den jeweiligen Antworten gezogen werden. Denn die EURO ist passiert, die Zeit lässt sich nicht mehr zurückspulen.

Man darf gespannt sein, wie die ÖFB-Entscheider etwa auf die verfehlte mentale Vorbereitung reagieren. Verpflichtende Gespräche der Spieler mit dem Sportpsychologen werde es laut Koller auch in Zukunft nicht geben. Aufgezwungen bringt das vermutlich auch wenig, aber irgendwie wird man diesem Manko begegnen müssen. Die erste Frage dabei: Hat man mit Thomas Graw überhaupt den richtigen Sportpsychologen?

Auch Ruttensteiner, Koller und Co. sind nicht gerade reich an Erfahrungen, was Großereignisse betrifft. Auch ihnen muss und soll man die Chance geben, aus dieser EM klüger zu werden.

Dies fängt mit einer ehrlichen und beinharten Analyse der eigenen Arbeit an. Hoffentlich geht selbige intern eine Spur weiter als jene, die an die Öffentlichkeit kommuniziert wurde.

Koller über den Rücktritt von Christian Fuchs:


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