Eine österreichische Lösung

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„Aja, ich hab‘ ja ganz vergessen, dass wir in Österreich sind…“, so die Reaktion eines Kollegen auf die neuesten Entwicklungen rund um die Ligareform. Es wird sie nämlich geben, die klassische „österreichische Lösung“.

Der Wartungserlass, die mehr oder weniger offen ausgesprochene Triebfeder der Reformpläne, wird entschärft. Der Wartungserlass besagt, dass alle Profi-Vereine ihre Profi-Abteilung bis 1. Jänner 2017 ausgliedern müssen. Weil Fußball-Klubs aber keine Jahresmeisterschaft bestreiten und für gewöhnlich nach Saisonen bilanzieren, ist es ratsam, schon mit 1. Juli 2016 auszugliedern. Andernfalls müssten Dinge wie die Einnahmen aus Abos wesentlich komplizierter abgerechnet werden.

Das ist nicht neu und kommt für die Klubs alles andere als überraschend. Sollte man zumindest meinen. Fakt ist, dass bis heute nur die Wiener Austria und der SK Sturm ausgegliedert haben. Einige Klubs, wie RB Salzburg, werden das pünktlich am 1. Juli tun. Nicht wenige, vor allem jene in der Ersten Liga, haben damit mehr als nur ihre liebe Not. Rund 200.000 Euro soll eine Ausgliederung kosten, wobei die Meinungen diesbezüglich auseinandergehen.

Und weil so manche Herrschaften das Thema bisher typisch österreichisch vor sich hergeschoben haben und die Zeit nun drängt bzw. es offenbar schwierig ist, das alles zu finanzieren, wird es richtig eng. Deshalb der Vorstoß, die zweite Spielklasse zu einer Halbprofi-Liga zu machen, um jenen Klubs, die sowieso keine Ambitionen haben, schnell in die höchste Liga aufzusteigen, Probleme zu ersparen.

Doch seit der Klub-Konferenz am Donnerstag ist alles ein bisschen anders. Das Finanzministerium hat mit der Bundesliga vereinbart, dass die Umsetzung des Wartungserlasses um ein Jahr nach hinten verschoben werden kann, also erst mit 1. Jänner 2018 fällig wird. Wir wären ja nicht in Österreich, wenn man das mit derartigen Gesetzen alles so eng sehen würde. Rauchverbot, Schanigärten, etc. – man kennt das.

Damit ist jenen Kräften in der Liga, die für ein neues Ligaformat sind, ein ganz großer Coup gelungen

Der Haken an der Sache: Diese Verschiebung ist nur dann möglich, wenn die Bundesliga in diesem Sommer eine Reform beschließt. Damit ist jenen Kräften in der Liga, die für ein neues Ligaformat sind, ein ganz großer Coup gelungen. Viele Zweitligisten, die bisher gegen eine Reform waren, werden somit praktisch dazu gezwungen, dem Ligaformat zuzustimmen.

Den Vereinen wird also etwas Luft verschafft. Die Gefahr, dass einige Klubs ob der zusätzlich verschafften Zeit das Thema fürs Erste wieder zur Seite schieben und mit einem Jahr Verspätung erst recht wieder in die Bredouille geraten, ist groß. Der Hang zur Prokrastination ist in Österreich bekanntlich groß.

Nun liegt es in der Hand der Bundesliga, etwas ganz Unösterreichisches zu tun. Die Ausgliederung der Profi-Abteilung per 1. Juli 2017, also ein halbes Jahr vor der Deadline, könnte für die Vereine in der höchsten Spielklasse in der kommenden Lizenzierung festgeschrieben werden. Bei Verstößen gegen dieses Lizenzkriterium, das aufgrund des früheren Zeitpunkts der Lizenzvergabe erst im Laufe der Saison erbracht werden könnte, könnten etwa empfindliche Punktabzüge angedacht werden. Es wird wohl nur so funktionieren, um auch wirklich alle Funktionäre zum rechtzeitigen Handeln zu zwingen.

Aber natürlich ist das unrealistisch, wir sind ja in Österreich…

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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