Der Umbruch von oben

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Nein, Umbruch sei das natürlich keiner, betonte Teamchef Marcel Koller bei seiner Kader-Bekanntgabe. Natürlich nicht. Mit Michael Gregoritsch und Louis Schaub sind ja auch nur zwei Neulinge mit von der A-Team-Partie.

Mit der WM-Quali beginnt für Österreichs Nationalteam ein neuer Zyklus. In der U21-Auswahl ist das anders – die Truppe von Werner Gregoritsch steckt mitten in der Quali für die EM 2017 in Polen, sechs von zehn Spielen sind absolviert.

Doch von den Leistungsträgern, mit denen Gregoritsch ursprünglich in diese Quali gestartet ist, stehen ihm nicht mehr viele zur Verfügung. Neben seinem Sohn und Schaub spielen auch Alessandro Schöpf und Valentino Lazaro bei Koller, Marcel Sabitzer dürfte auch noch im Nachwuchs ran und Sinan Bytyqi spielt ab sofort für den Kosovo (Das sagen seine Kollegen dazu!).

"Damals hat mir Koller die Spieler überlassen"

Verdruss setzt beim Coach deswegen aber keiner ein: „Damit muss man als U21-Teamchef leben.“ Der Steirer sieht es mit dem lachenden Auge: „Für mich ist das eine Riesenfreude. Wenn du in der U21 gut spielst, hast du die Chance, ins A-Team zu kommen. Das ist eine schöne Sache. Die Durchgängigkeit ist gegeben.“

Und überhaupt: „Es war vor einem Jahr schon das Thema, Gregoritsch und Schöpf abzuziehen. Damals war für das ÖFB-Team aber in der Quali alles schon erledigt, deswegen hat Marcel Koller mir die Spieler überlassen.“

Die Abwesenden haben 13 der 18 Quali-Tore erzielt und acht davon vorbereitet. Vor allem die Offensive der U21 leidet also unter dem Aufstieg der Talente. „Ich lebe in der Gegenwart und akzeptiere das. Da gibt es kein Jammern“, winkt Gregoritsch ab.

Goalie Daniel Bachmann schwenkt sofort ins Positive um: „Mit den Spielern, die neu dazugekommen sind, sind wir offensiv sehr gut aufgestellt. Wir brauchen uns wegen der Abwesenden also nicht fertigmachen, wir haben immer noch genug Qualität. Das ist kein Drama.“

"Eines der größten Talente Österreichs"

Die beiden Salzburger Konrad Laimer und Xaver Schlager (beide Jahrgang 1997) sind ebenso neu wie Rapids Maximilian Wöber und Middlesbrough-Youngster Arnel Jakupovic (beide Jahrgang 1998). Letztere sind also vier Jahre jünger als die ältesten U21-Spielberechtigten!

„Es gibt besondere Spieler, da ist egal, wie alt sie sind“, sagt der U21-Coach. Laimer sei „eines der größten Talente Österreichs“. Auch über Stürmer Jakupovic schwärmt er: „Arnel ist ein Riesentalent! Vom Potenzial her hat er dieselben Qualitäten wie Gregoritsch.“

„Die, die nachkommen, haben Qualität“, stellt Werder-Profi Florian Grillitsch nach den ersten gemeinsamen Trainingseinheiten zufrieden fest.

"In Wahrheit wird ihnen durch den Fußball und den Beruf die Jugend gestohlen"

Werner Gregoritsch

Der U21-Teamchef sieht das so: „Die Akademien und die Landesausbildungszentren greifen bei sehr guten Spielern. Sie werden systematisch und professionell trainiert. Diese Spieler sind durch die Erziehung und die fußballerische Ausbildung frühreif.“

Kritischer Nachsatz: „Andererseits wird ihnen in Wahrheit durch den Fußball und den Beruf die Jugend gestohlen. Sie können nicht so agieren wie viele andere Jugendliche.“

Gregoritsch weiter: „Junge Menschen zwischen 18 und 22 Jahren durchleben die schwierigste Phase. Du bist in der Endphase der Pubertät, wirst selbstständig, lässt dir wenig sagen. Die Kunst ist, trotzdem für eine gute Mischung und eine Hierarchie zu sorgen. Das ist mir gut gelungen, deswegen waren wir erfolgreich.“

"Die Erwartungshaltung muss herabgesetzt werden"

Aktuell liegen die ÖFB-Youngster mit fünf Siegen und einer Niederlage hinter Deutschland auf Platz zwei, der für das Playoff berechtigt. Die Finnen haben drei Punkte Rückstand, Russland bei einem Spiel mehr schon acht. Am Freitag (18 Uhr) müssen Grillitsch und Co. in Finnland ran, am Dienstag (16 Uhr) in Russland.

„Wenn wir das abrufen, was wir können, können wir auf jeden Fall etwas mitnehmen“, ist sich Martin Rasner sicher. Gregoritsch: „Es wäre schön, wenn wir aus diesen beiden Spielen vier Punkte mitnehmen, dann wären wir voll dabei.“

Denn angesichts der vielen Abwesenden steigt der Coach ein wenig auf die Bremse: „Die Erwartungshaltung muss natürlich herabgesetzt werden. Man muss das realistisch sehen und darf den Druck auf die Spieler nicht erhöhen.“


Harald Prantl


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