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ÖFB-Team: Unnötig schlechte Laune

Für Gregoritsch war es ein Wachmacher, dass es so nicht geht. Baumgartner plädiert für einen Mittelweg. Veräppeln will man sich aber nicht lassen.

ÖFB-Team: Unnötig schlechte Laune Foto: © GEPA

Phasenweise Pfiffe für eine schwache Leistung, nur ein 1:1 gegen den Underdog aus der Republik Moldau.

Keine Frage, dieser Test ist ganz und gar nicht so gelaufen, wie man es sich im ÖFB-Team vorgestellt hat.

Am Tag danach stellt sich die Frage der korrekten Einordnung, schließlich steht das ungleich wichtigere Match dieses Lehrgangs mit dem Gastspiel in Schweden noch aus.

"Ich denke, dass man einen Mittelweg finden muss", erläutert Christoph Baumgartner.

Ehrliche und teilweise harte Analyse

Natürlich müsse man das Spiel aufarbeiten: "Ich denke, es bringt nichts, das Ganze zu groß zu machen, aber man muss in der Analyse schon ehrlich und teilweise auch hart sein. Das gehört auch dazu. Wenn wir das in den nächsten Tagen vernünftig machen, und das werden wir definitiv, können wir das Ganze gut einordnen."

Michael Gregoritsch ist im Nationalteam für ehrliche und klare Einschätzungen bekannt.

Sein Ärger, dass man am Ende nicht doch noch als Sieger vom Platz ging, ist durchaus noch vorhanden.

"Du machst dir selbst unnötig schlechte Laune für diese ein, zwei Tage, an denen du jetzt überlegen musst, warum, wieso und weshalb", moniert der Steirer.

Ein kleiner Wachmacher

Seiner Meinung nach könne man in Stockholm in einem ganz anderen Spiel einiges wieder richtig stellen. Auch Sorgen seien im Hinblick auf das Match in Stockholm nicht angebracht.

"Aber es war schon ein kleiner Wachmacher, dass es auf so eine Art und Weise einfach nicht funktioniert. Viele taktische Dinge, die vorgegeben waren, wurden nicht umgesetzt. Mentalitäts-Dinge wurden nicht durchgezogen. Dann kommt eben so ein Spiel raus, wie vor allem in der ersten Halbzeit", kritisiert der Stürmer.

Es gibt Tore, die Gregoritsch schon weitaus mehr gefreut haben, als sein Ausgleich gegen Moldawien. Letztlich überwiegt der Ärger über den verpassten Sieg:

"Aber ich bin froh, dass es ein Freundschaftsspiel war und es uns nicht Druck in der Quali gemacht hat."

Wie kann das passieren?

Gerade in Testspielen kommen Leistungen wie diese im Fußball immer wieder einmal vor. Auch der 29-Jährige erläutert, dass er solche Spiele in seiner Karriere schon öfter erlebt habe.

Wie dies passieren kann? "Manche Spieler haben vom Standing her vielleicht nicht die gleiche Rolle wie im Verein. Dann passieren ein paar Fehler, die im Verein nicht passieren – und dann ist eine gewisse Nervosität dabei, weil es immer etwas anderes ist, für sein Land zu spielen als in einem ‚normalen‘ Bundesliga-Spiel. Da machst du dir dann Druck und kriegst die Sachen nicht so auf den Platz, wie du es eigentlich hinkriegen könntest."

"Es wäre ja auch schlimm, wenn wir einen Spieler von Real Madrid hätten und es nicht auffallen würde, wenn er nicht spielt."

Michael Gregoritsch

Nach dem donnerstäglichen Fußballabend kommen einem einige Kandidaten in den Sinn, auf die diese Schilderung zutrifft, gerade in der ersten Halbzeit.

Als diverse Nationalteam-Routiniers für den zweiten Durchgang ins Spiel kamen, wurde es besser. Durchaus logisch, dass die Diskussion aufkam, ob es ohne Kaliber wie David Alaba, Marko Arnautovic oder Marcel Sabitzer nicht geht.

Natürlich bemerkt man einen Real-Kicker

Gregoritsch zeigt Verständnis für diese Gedanken: "Sie sind seit Jahren unsere besten Spieler und so ein bisschen der Kern. Es wäre ja auch schlimm, wenn wir einen Spieler von Real Madrid hätten und es nicht auffallen würde, wenn er nicht spielt. Wir sind immer sehr froh, wenn er auf dem Platz ist, weil er erstens unglaubliche fußballerische Qualität und zweitens eine extreme Mentalität reinbringt."

Gleichzeitig kann man natürlich auf die Idee kommen, mehr von einer mit Spielern aus der zweiten Reihe ergänzten Startelf zu erwarten, von denen die meisten dennoch im Ausland in guten Ligen spielen.

"Das müssen wir noch hinkriegen, dass wir es so wie Dänemark vor zwei Jahren machen", erinnert Gregoritsch.

Die Skandinavier schickten damals in der EM-Qualifikation eine komplette B-Elf – übrigens gegen Moldawien – ins Rennen, die 8:0 gewann. Die ausgeruhte Stammformation schoss drei Tage später Österreich mit 4:0 aus dem Happel-Stadion.

Auch dieses Thema nicht zu hoch hängen

"Ich würde auch dieses Thema nicht zu hoch hängen", plädiert Baumgartner. Natürlich müsse man auch diese Frage hart und ehrlich analysieren, aber nicht zu viel hineininterpretieren.

Der Leipzig-Legionär gehörte zu jenen Jokern, die mit Wiederanpfiff ins Spiel kamen und halfen, für Besserung zu sorgen. Gleichzeitig erinnert er an die Umstände, die es den Kollegen in Halbzeit eins nicht so leicht gemacht hätten – von den mühsamen Platzverhältnissen bis hin zum kapitalen Fehlstart.

"Veräppeln wollen wir uns auch nicht lassen. Es ist wichtig, dass die eigenen Spieler unterstützt werden. Keiner macht absichtlich einen Fehler oder spielt absichtlich schlecht."

Michael Gregoritsch

"Es gab viele Fehlpässe oder Pässe, die drei, vier Meter am Mann vorbei waren, wo wir trotzdem in Ballbesitz geblieben sind, aber das Tempo komplett draußen war. Dann ist es für Spieler, die vielleicht noch nicht so oft gespielt haben oder neu dabei sind, natürlich nicht so einfach. Wenn ein, zwei von uns Stammkräften gespielt hätten, hätte es auch sein können, dass es bei uns nicht besser ausschaut."

Gregoritsch: „Veräppeln wollen wir uns auch nicht lassen“

Dass sich das Nationalteam erstmals seit längerer Zeit mit Pfiffen konfrontiert sah, fiel natürlich auf.

"So lange der Glaube an uns da ist, dass wir es noch drehen können und es nicht nur ins Negative geht, ist es in Ordnung, wenn es Pfiffe gibt", findet Gregoritsch.

Als inakzeptabel bezeichnete Marko Arnautovic indes die Verhöhnungen, denen sich Tormann Daniel Bachmann nach seinem Fehler mitunter ausgesetzt sah.

Dies sieht Gregoritsch genauso: "Veräppeln wollen wir uns auch nicht lassen. Es ist wichtig, dass die eigenen Spieler unterstützt werden. Keiner macht absichtlich einen Fehler oder spielt absichtlich schlecht. In diesem Fall ist es wichtig, dass 'Bachi' weiß, dass er unseren Rückhalt hat."


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