Ein Experiment mit Licht und Schatten

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Es war die Überraschung in der ÖFB-Aufstellung beim 2:2 im WM-Quali-Match gegen Wales: Teamchef Marcel Koller schickte Kevin Wimmer als Linksverteidiger ins Rennen.

Leider machte der Tottenham-Profi bei beiden Gegentoren eine unglückliche Figur. Vor allem bei seinem Eigentor war er im Pech (VIDEO).

"Ich sehe nur noch, dass der Ball verlängert wird, mein Gegenspieler ihn irgendwie aufs Tor bringt. Ich liege dann schon am Boden und spüre nur mehr, dass der Ball meinen Oberschenkel berührt."

"Dann war der Ball auch schon im Tor. Eine ganz kuriose Situation und natürlich sehr unglücklich. Es ist sehr ärgerlich, vor allem weil es aus einem Einwurf resultiert. So eine Aktion ist zu vermeiden. Das haben wir dann in der zweiten Halbzeit auch besser gemacht", schildert Wimmer jene Szene, in der er zum Unglücksraben wurde.

Die Highlights von Österreich gegen Wales:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)


Koller: "Nach Georgien ist mir das durch den Kopf geschossen"

Letztlich war es ein Experiment mit Licht und Schatten, Wimmer auf der ungewohnten Position aufzubieten. Wobei so ungewohnt, wie viele im ersten Moment glauben möchten, ist sie gar nicht.

"Wir haben auf der linken Seite jemanden gesucht, der Linksfuß ist und die Möglichkeit hat, da zu spielen. Kevin wurde in Linz auf der Linksverteidiger-Position ausgebildet und hat sie teilweise auch in Köln gespielt. In den Tagen nach Georgien ist mir das durch den Kopf geschossen", schildert Koller den Prozess, wie er auf diese unerwartete Idee kam.

"Natürlich war es ein gewisses Risiko, aber er ist einer, der in England trainiert, den englischen Fußball kennt. Er weiß mit einer solchen Situation umzugehen, weil er extrem viel Ruhe in sich hat - egal ob außerhalb oder auf dem Platz", verdeutlicht der Schweizer.

Seine Analyse der Performance von Wimmer: "Er hat das gut gemacht. Natürlich gibt es immer auch Dinge, die man verbessern kann. Er kann noch ein bisschen mehr Zug nach vorne entwickeln. Das sind Kleinigkeiten, die er mitnehmen kann. Aber Wales ist nicht besonders gefährlich geworden."

Degradierung von Suttner?

Mit dem robusten Oberösterreicher die Kompaktheit zu stärken, war wohl ein wesentlicher Hintergedanke dieser Personalentscheidung. Markus Suttner - eigentlich der designierte Kronprinz des zurückgetretenen Christian Fuchs links in der Viererkette - erwischte beim WM-Quali-Auftakt in Georgien nicht seinen besten Tag und lieferte auch 2013 beim Test gegen Wales keine gute Leistung ab.

Die Frage, ob man die Nominierung Wimmers als Kritik an Suttner verstehen könne, schmettert Koller trocken ab: "Nein."

Gleichzeitig stellt er dem Aushilfs-Linksverteidiger weitere Bewährungsproben in Aussicht: "Er hat so gespielt, dass er immer für diese Position in Frage kommt. Im Moment sehe ich keinen Grund, das zu ändern. Wenn er die eine oder andere Information bekommt und noch umsetzt, dann kann er noch mehr Zug nach vorne entwickeln."

Gegen Wales waren für die Außenverteidiger im Spiel nach vorne durchaus Räume vorhanden, die Florian Klein auf der gegenüberliegenden Seite auch einige Male zu nutzen wusste, während Wimmer in der Offensive noch ein wenig schüchtern agierte. Gerade in diesem Hinblick konnte man erkennen, dass er sich nach einigen Jahren in der Innenverteidigung erst wieder an das neue Umfeld gewöhnen musste.

"In der Offensive war ich noch ein bisschen zurückhaltend"

"Natürlich ist es schon ein Zeiterl her, dass ich das letzte Mal Linksverteidiger gespielt habe. Ich glaube, das war damals in Köln noch in der zweiten Liga. Da ist natürlich schon auch ein bisschen ein Qualitäts-Unterschied von der zweiten Liga zum Nationalteam und einem Quali-Spiel gegen Wales vorhanden. Sicherlich war es ein bisschen ungewohnt, wenn man normal Woche für Woche in der Innenverteidigung agiert, die Abläufe sind doch ein wenig anders, und recht viel Zeit, sich darauf einzustellen, gab es nicht. Aber ich habe trotzdem versucht, das Beste daraus zu machen", meint der 23-Jährige.

Am Montag habe der Teamchef ein Gespräch mit ihm geführt, ob er sich diese Rolle vorstellen könne: "Ich habe mich natürlich gefreut und gesagt, dass ich es mir selbstverständlich vorstellen kann. In den wenigen Trainings, die wir vor dem Spiel hatten, haben wir es taktisch eingeübt. Aber natürlich war es ungewohnt, dass man sich auch in der Offensive ein bisschen mehr einschalten kann. Da war ich noch ein bisschen zurückhaltend und wollte den Fokus eher auf die Defensive legen, weil wir gewusst haben, dass die Waliser sehr konterstark sind, schnelle Spieler wie Gareth Bale haben. Deswegen lag der Fokus immer darauf, dass wir hinten in Überzahl bleiben, wenn wir vorne im Angriff waren."

Bereits seit Herbst 2013 gehört Wimmer fix dem ÖFB-Kader an, dennoch war es erst sein fünftes Länderspiel und das erste Pflichtspiel von Beginn an. Bislang fungierte er als treuer Ersatzmann in der Abwehrzentrale und bewies dabei trotz seltener Einsatzminuten eine Engelsgeduld.

Erschwerend hinzu kommt, dass der frühere LASK- und Köln-Kicker derzeit kaum über Spielpraxis verfügt. Bei Tottenham durfte er in dieser Saison erst ein Mal ran, und das im League Cup gegen den unterklassigen FC Gillingham.

Nächste Bewährungsprobe in Belgrad?

Vielleicht kann Wimmer seine bisherige Vereins-Einsatzzeit in dieser Saison alleine in dieser Länderspiel-Woche verdoppeln, zumindest wenn Koller seine Ankündigung, keinen Grund für einen Wechsel zu sehen, wahr macht und ihn auch in Serbien links in der Viererkette nominiert.

"Natürlich würde es mich sehr freuen, wenn ich auch am Sonntag auflaufen darf", erklärt der Oberösterreicher, übt sich jedoch in Dilpomatie: "Wir haben sehr viele Spieler, die links hinten sehr gut spielen können, die die Qualität haben und das auch schon mehrmals bewiesen haben. Wir werden sehen, wie die taktische Grundausrichtung für Sonntag aussieht. Das ist ja wieder ein anderes Spiel, das auf uns zukommt." 

Bezüglich potenzieller Suttner-Alternativen als Linksverteidiger kam in der Öffentlichkeit vielen als erstes der Name David Alaba in den Sinn. Koller antwortete mit Wimmer. Die weitere Entwicklung auf dieser Position dürfte spannend werden.

Peter Altmann/Jakob Faber




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