"War bis jetzt immer abgeneigt von Österreich"

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Ein Aufsteiger sorgt in der höchsten Spielklasse für Furore.

In Österreich seit Jahren nichts Neues, für die niederländische Ehrendivision sehr wohl. Der NEC Nijmegen kämpfte bis zum letzten Spieltag um die Playoffs zur Europa League. Mittendrin: Marcel Ritzmaier.

Eigentlich steht der Österreicher noch bis 2018 bei PSV Eindhoven unter Vertrag. Dort wurde er 2014/2015 niederländischer Kampioen, kam jedoch nur zu fünf Kurzeinsätzen. Daher verließ er den Philips-Klub im Sommer 2015 zum zweiten Mal leihweise (2013/2014 an SC Cambuur). Ernest Faber, bei PSV noch Co-Trainer von Oranje-Legende Philip Cocu, nahm Ritzmaier mit nach Nijmegen.

Mit NEC gegen Stammklub PSV
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Beim Aufsteiger folgte für den jüngst (22. April) 23 Jahre alt gewordenen ÖFB-Legionär ein Auf und Ab. Als unumstrittener Stammspieler der Hinrunde (852 Einsatzminuten, drei Assists) erlebte er in der Rückrunde nur 301 Minuten auf dem Platz. Am letzten Spieltag (Feyenoord-NEC 1:0) durfte er sich aber immerhin noch einmal über einen Platz in der Startelf freuen.

Im LAOLA1-Interview erzählt Marcel Ritzmaier, warum die Mission Spielpraxis in Nijmegen nur anfangs aufging, von zermürbenden Leihen, rätselhaften Trainer-Entscheidungen und wo er nach Ende des Leihvertrages seine Zukunft sieht.

LAOLA1: Nach 20 Spieltagen Vierter, bis zum letzten Spieltag im Europacuprennen. Hättest du dir das letzten Sommer bei deinem Wechsel zum Aufsteiger erwartet?

Ritzmaier: Nein, das hätte niemand von uns erwartet. Wenn man von der zweiten Liga aufsteigt, wird man immer als Abstiegskandidat gehandelt. Wir haben das Gegenteil bewiesen und gezeigt, was drinnen ist.

LAOLA1: Wie ist die späte Leihe (Ende August) zustande gekommen?

Ritzmaier: Bei Eindhoven habe ich keine Aussicht auf Spielminuten gehabt. Für mich war klar, dass ich weg muss und weg will. Ernest Faber kannte mich schon aus meiner Zeit bei Eindhoven. So hat sich das mit NEC ergeben.

LAOLA1: Vertritt Coach Ernest Faber die klassisch-niederländische Philosophie, offensiv und im 4-3-3-System?

Ritzmaier: Ja klar, er hat viel mitbekommen von Philip Cocu (Trainer von PSV Eindhoven) und ist bekannt für die holländische Schule. Ernest probiert, diese auch hier umzusetzen.

LAOLA1: Bei Cambuur hast du im offensiven Mittelfeld einen Nebenmann gehabt, bei NEC hast du deine zwei Mittelfeld-Kollegen hinter dir. Welchen Unterschied macht das für dich?

Ritzmaier: Es ist immer besser, wenn man einen Zweiten auf seiner Linie hat. Der Trainer gibt uns aber alle Freiheiten und im Ballbesitz können wir machen, was wir wollen. Die Positionen müssen besetzt sein. Wir spielen meistens mit zwei sehr defensiv eingestellten Mittelfeldspielern, da bleibe ich dann alleine über, was nicht immer einfach ist.

Ritzmaier mit Coach Ernest Faber
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LAOLA1: Was ist deine Lieblingsposition?

Ritzmaier: Am liebsten spiele ich auf der Achter-Position, als Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff. Als Zehner kann ich aber auch spielen, ich bin sehr vielfältig im Mittelfeld.

LAOLA1: Ist diese Vielseitigkeit ein Vor- oder Nachteil?

Ritzmaier: Sie kann beides sein. Wenn du auf mehreren Positionen spielen kannst, ist die Gelegenheit größer, dass du spielen kannst. Andererseits kannst du für alles „benutzt“ werden und spielst nie auf deiner Lieblingsposition. Letztendlich geht’s aber im Fußball darum, dass du spielst. Das ist das Wichtigste.

LAOLA1: Spielpraxis ist das Stichwort. Für dich persönlich lief es in der Hinrunde als Stammspieler gut. Seit Dezember kamst du aber meist nur noch zu Kurzeinsätzen. Wieso?

Ritzmaier: Wir haben eine Phase mit etwas schlechteren Ergebnissen gehabt. Der Trainer hat verschiedene Sachen ausprobiert. Es ist danach nicht wirklich besser gelaufen. Schwer zu sagen, warum ich nicht mehr richtig zurückgekommen bin.

LAOLA1: Was hat dir der Trainer persönlich mitgeteilt?

Ritzmaier: Dass er jetzt mal etwas anderes probiert. Das war eigentlich seine einzige Antwort. Ich habe natürlich probiert, mich im Training anzubieten. Aber er wählt letztendlich aus und da war ich eben meistens leider nicht mehr dabei.

LAOLA1: Faber nahm dich ja aus Eindhoven mit nach Nijmegen, was für ein gewisses Naheverhältnis sprechen sollte.

Ritzmaier: Ich habe noch immer einen guten Kontakt zu ihm, aber warum er mich immer seltener spielen ließ, ist für mich ehrlich gesagt auch ein Rätsel.

LAOLA1: Dein Leihvertrag läuft am 30. Juni aus. Wie geht’s weiter?

Ritzmaier: Sofern nichts anderes kommt, schließe ich in der Vorbereitung wieder bei PSV an. Aber ich hoffe, dass sich meine Situation noch vor der Sommerpause klärt und ich dann weiß, wie es weitergeht.

LAOLA1: Du warst letzte Saison aufgrund mangelnder Spielpraxis nicht glücklich bei PSV Eindhoven. Möchtest du den Verein verlassen?

Nur Kurzeinsätze bei PSV
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Ritzmaier: Es kommt auch darauf an, wen PSV holt. Aber ich würde mich freuen, wenn es woanders weitergeht.

LAOLA1: Kommt eine neuerliche Leihe in Frage oder willst du PSV endgültig verlassen?

Ritzmaier: Ich habe jetzt noch zwei Jahre Vertrag bei Eindhoven und jedes Mal ausleihen ist auch nicht das Wahre. Für mich ist es besser, wenn ich mich wieder wo einleben kann und ein paar Jahre dort bin.

LAOLA1: Die letzten Jahre warst du praktisch jedes Jahr bei einem neuen Klub. Wie schwer sind die ständigen Wechsel?

Ritzmaier: Das ist für mich nicht einfach. Neue Umgebung, andere Leute. Aber das ist jetzt mal so gewesen. Es kommt hoffentlich auch wieder die Zeit, wo ich drei, vier Jahre bei einem Verein bin. Davon gehe ich aus.

LAOLA1: Ist ein weiteres Jahr bei NEC eine Option?

Ritzmaier: Das kommt auf die Mannschaft, auf den Trainer und auf das Umfeld an. Das hängt alles zusammen, aber ich bin grundsätzlich für alles offen.

LAOLA1: Gibt es schon Interessenten?

Ritzmaier: Darüber weiß ich nichts. Ich treffe mich demnächst mit meinem Berater. Zuletzt habe ich mich nur auf die Meisterschaft konzentriert.

LAOLA1: Ist eine Rückkehr nach Österreich denkbar?

Ritzmaier: Ich war bis jetzt immer sehr abgeneigt von Österreich. Ich würde mich am liebsten noch immer im Ausland durchsetzen. Aber ich würde mir Angebote aus Österreich sicher anhören.

Erfolgreiche Zeit bei Cambuur 2013/2014
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LAOLA1: Du bist jetzt schon über acht Jahre in den Niederlanden. Wie schätzt du das Niveau der niederländischen Liga ein?

Ritzmaier: Die Niederlande werden immer mehr zu einer Ausbildungsliga. In der Liga spielen viele Talente und junge Spieler. Auf der einen Seite ist das gut, aber auf der anderen Seite sind sie jetzt nicht mal mehr bei der EM dabei. Das ist schade.

LAOLA1: Vorzeigeklub Ajax hat sich in jüngerer Vergangenheit gegen die österreichischen Klubs Red Bull Salzburg (EL-1/16-Finale 2014 0:3, 1:3) und Rapid Wien (CL-Quali 2015/2016; 2:2 und 2:3) blamiert. Wie wurden diese Pleiten in Holland wahrgenommen?

Ritzmaier: Österreich ist hier mehr für Wintersport, für das Skifahren bekannt. Mittlerweile gibt’s ein Umdenken, was ich auch hoffe. Ich kann jetzt sagen „Österreich ist bei der Europameisterschaft dabei und Holland nicht“. Da fallen in der Kabine schon ein paar Sprüche. (lacht)

LAOLA1: Du hast alle U-Auswahlen des ÖFB durchlaufen. Denkst du manchmal an das Nationalteam?

Ritzmaier: Für jeden Österreicher ist es eine Ehre, für Österreich zu spielen. Wenn ich aber im Verein nicht spiele, komme ich auch für das Nationalteam nicht in Frage. Ich muss erstmal schauen, dass ich mich hier etabliere.

LAOLA1: Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ritzmaier: Schwierige Frage. Ich hoffe, im österreichischen Nationalteam und in einer sehr attraktiven Liga in Europa.

LAOLA1: Danke für das Interview.


Das Gespräch führte Andreas Gstaltmeyr

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