"Wollen, dass Bayern und Schalke zu Gast sind"

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"Angst und Hoffnung paaren sich."

Michael Gspurning bringt die Gefühlswelt bei und rund um Union Berlin auf den Punkt.

Fünf Runden vor Schluss ist der Underdog als Dritter voll im engen Rennen um den Aufstieg in die deutsche Bundesliga dabei.

"Die Stimmung in der Alten Försterei ist jetzt schon überragend, ein absolutes Highlight. Wir Spieler wollen dem Klub und den Fans bieten, dass wirklich Gegner wie Bayern oder Schalke zu Gast sind. Das ist das Schönste, was passieren kann", meint der Goalie.


Die Angst der Fans

Der Hype um den Hauptstadt-Klub ist ein riesiger. Die große Hoffnung sei, mit der Beförderung ins Oberhaus "Geschichte zu schreiben".

Der Faktor Angst ist jedoch kein gänzlich unbegründeter. Der Klub und vor allem seine Anhänger definieren sich nicht gerade über Kommerz, ganz im Gegenteil. In der Bundesliga könnten die Uhren anders ticken.

"Dieser Verein ist etwas Spezielles und deswegen sehen die Fans die Gefahr, dass sich der Verein verändert", verdeutlicht Gspurning, "aber insgeheim will jeder diesen Aufstieg."

Aufstieg ein Kann, aber kein Muss

Drei Konkurrenten sind verblieben. Die beiden letztjährigen Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart und Hannover 96 wollen umgehend die Rückkehr ins Oberhaus schaffen und führen auch die Tabelle an. Eintracht Braunschweig ist punktegleich mit Union Vierter.

"Unser großer Vorteil ist: Wir müssen nicht. Wir haben jetzt schon eine tolle Saison gespielt. Aber natürlich, jetzt so kurz vor Schluss willst du natürlich das große Wunder von Köpenick schaffen und in die Bundesliga aufsteigen. Es sind noch ein paar Runden zu spielen, jedes Spiel ist extrem wichtig, jetzt zählen nur noch Ergebnisse. Vielleicht geht es auch über die Relegation, was noch einmal Extraspannung bieten würde. Uns wäre ein Aufstieg ohne diese nervenaufreibende Zusatzrunde von zwei Barrage-Spielen klarerweise lieber, wir würden aber auch den indirekten Weg nehmen, wenn er in die Bundesliga führt", schmunzelt Gspurning.

Am Montag steht der Schlager in Stuttgart an, auch in Braunschweig muss Union noch ran. Nach einem Zwischentief Anfang April haben sich die Berliner zuletzt mit einem 3:1-Sieg gegen Kaiserslautern zurückgemeldet.

"Das Schlechteste wäre, wenn wir zum Nachdenken beginnen. Das ist uns jetzt schon einmal passiert, und wir haben hoffentlich daraus gelernt. Einfach tun, einfach machen - am Ende sehen wir, was dabei herauskommt."

Das Karriereende muss warten

Gspurning selbst ist an Matchtagen im Normalfall zum Zusehen und Mitfiebern gezwungen. Der Steirer dient als Backup für die beiden jungen Keeper Jakob Busk und Daniel Mesenhöler. Während er dem Duo mit seiner Erfahrung helfen soll, ermöglicht es ihm der Verein berufsbegleitend seine Ausbildung in wirtschaftlicher als auch sportlicher Sicht voranzutreiben.

Die gegenseitige Wertschätzung dieser Rolle ist gegeben, weshalb erst unlängst die Zusammenarbeit bis Sommer 2018 verlängert wurde - ein Jahr, das Union im Idealfall in der deutschen Bundesliga verbringen wird.

"Die eigene Leistungsfähigkeit erlaubt es mir, dass ich noch ein Jahr anhänge", meint Gspurning und erläutert, wie sehr ihm seine Aufgabe gefällt: "Ich genieße es, es macht irrsinnigen Spaß. Ich will Mentor der beiden jungen Keeper und eine Art Bindeglied zwischen Trainer-Team und Mannschaft sein. Das funktioniert, glaube ich, ganz gut. Zusätzlich habe ich die Chance, dass ich im Verein in der Jugendabteilung etwas aufbauen darf. Unter diesem Aspekt habe ich im Herbst meiner Karriere einen tollen Verein und eine tolle Möglichkeit gefunden, mich auf die Karriere danach vorzubereiten."

Auch wenn sich altersbedingt der Karriere-Fokus ein wenig verschiebt, stellt der ehemalige ÖFB-Team-Goalie außer Streit: "Ich liebe es trotzdem noch, mich jeden Tag auf dem Platz herumzuwerfen und die Bälle von 'Hosi' und den anderen Stürmern abzuwehren, was bei der Qualität derselbigen nicht immer leicht fällt. Es macht einfach noch Spaß, und es wäre noch nicht der richtige Zeitpunkt zum Aufhören. Union Berlin gibt mir die Möglichkeit, dass ich das Jetzt mit der Zukunft verbinde."

Union-Österreicher sorgen für Schmäh

Hosiner erzielte zuletzt wichtige Tore
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Mit besagtem "Hosi" ist natürlich Philipp Hosiner gemeint, neben Christopher Trimmel, Emanuel Pogatetz und Gspurning einer von vier Österreichern im Union-Kader.

"'Trimmi' spielt eine überragende Saison, ist eine der Stützen im Team. 'Hosi' ist vor allem in der jetzigen Phase extrem wichtig für uns. 'Poga' ist ein Profi, der sich top verhält und seine Leistung bringt, wenn es wie bei St. Pauli darauf ankommt. Jeder von uns hat seinen Anteil am Gesamtprodukt. Es ist natürlich Zufall, dass wir vier Österreicher haben. Das Mannschaftsklima stimmt generell und wenn wir Österreicher uns noch dazu gut verstehen, ist es umso schöner", berichtet Gspurning.

Und regelmäßig heimischen Dialekt zu hören, tut ohnehin gut: "Wir unterhalten und schon auf Österreichisch, in der Kabine läuft der österreichische Schmäh unter uns und manchmal kommt der spezielle Humor auch schon zu unseren Mitspielern durch."

Platz für Union und Hertha BSC

Wenn das Quartett gemeinsam mit seinen Kollegen den Aufstieg feiern dürfte, würde natürlich ein Traum in Erfüllung gehen. Berlin hätte dann zudem zwei Bundesligisten, nachdem Hertha BSC in der jüngeren Vergangenheit, sofern selbst dabei, stets das Hauptstadt-Monopol in der höchsten Spielklasse inne hatte.

Gspurning vermutet, dass man bei der "Alten Dame" die lokale Konkurrenz durchaus als Bereicherung empfinden würde:

"Ich glaube schon, dass die Hertha uns den Aufstieg wünscht. Vor langer, langer Zeit zu West-Ost-Zeiten war es eher ein freundschaftliches Verhältnis. Die Rivalität ist natürlich gegeben, aber eher auf freundschaftlicher Basis. Ich glaube, es würde der Hertha gut tun. In Berlin ist sicher Platz für zwei Bundesliga-Vereine und in der Stadt würden sich mehr Leute interessieren: Bist du Rot-Weiß oder Blau-Weiß? Es wäre für beide Vereine ein tolles Erlebnis, für uns natürlich noch mehr."





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