Die Probleme in Kollers ÖFB-Defensive

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Als echter Eidgenosse weiß Marcel Koller um die Relevanz der Löcher im Schweizer Käse.

Als österreichischer Teamchef will er genau diese Löcher tunlichst vermeiden, zumindest wenn es um die Defensiv-Arbeit seiner Mannschaft geht.

In der EM-Qualifikation (fünf Gegentore in zehn Spielen) gelang dies recht gut. Seit dem Beginn der Vorbereitungsspiele auf die EURO kassierte das Nationalteam jedoch in fünf Partien ganze acht Treffer.

Grund dafür sind nicht nur so manche Slapstick-Tore, sondern auch die fehlende Kompaktheit in der Defensive. Das 0:2 gegen die Niederlande deckte dieses Problem erneut auf.

Erschreckendes Musterbeispiel 

Schon gegen Albanien oder die Türkei gelang es Österreich nicht immer, die Räume dicht zu machen. Gegen die „Elftal“ war dies vor allem in der zweiten Hälfte der Fall.

Zum erschreckenden Musterbeispiel avancierte der niederländische Angriff vor dem zweiten Treffer durch Georginio Wijnaldum (66.). Mit einem einzigen Diagonalball hebelte Kevin Strootman das Pressing aus, danach ging es über die linke Seite schnell nach vorne bis der Torschütze aus sechzehn Metern relativ unbedrängt einschießen konnte.

Die Österreicher liefen dabei ihren Gegenspielern stets hinterher – warum?


Abstände passen nicht

Das Grundproblem des ÖFB-Teams war der große Abstand zwischen Stürmerreihe und Verteidigung. Dadurch hatten die Mittelfeldspieler einen zu weitflächigen Raum abzudecken. Die Abwehr hätte hier möglicherweise höher mitaufrücken müssen.

Denn die Offensiv-Kräfte attackierten im Spiel gegen den Ball relativ weit vorne. Marc Janko und Zlatko Junuzovic liefen regelmäßig die Innenverteidiger an, dazu rückten auch David Alba sowie Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer forsch nach vorne.

Dieses Pressing funktionierte zwar anfangs recht gut, doch die Niederländer wussten mit Fortdauer des Spiels ihre zahlenmäßige Überlegenheit im Zentrum (siehe Grafik) auszunutzen.

Sorgen um Defensive?

Immer öfter lief das Forechecking der Österreicher deswegen ins Leere. Daraufhin stand Julian Baumgartlinger als alleinige Absicherung vor der Abwehr auf verlorenem Posten da.

„Wir hätten auch 3:0 oder 4:0 gewinnen können“, sagte Bondscoach Danny Blind angesichts der niederländischen Chancen nach der Pause.

Müssen sich die österreichischen Fußball-Fans nun also ausgerechnet vor der EM Sorgen um die Defensive ihres Teams machen?

Risiko geht vor 

Die Antwortet lautet Nein. Koller ist bekannt dafür, seine Mannschaft akribisch auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Momentan liegt der Fokus aber eindeutig auf der Europameisterschaft, weswegen das Ergebnis gegen die Niederlande wohl zweitrangig war.

Denn mit einer etwas passiveren Spielweise hätte man es auch den Niederländern schwerer machen können. Stattdessen nützte das ÖFB-Team dieses Freundschaftsspiel für eine riskantere Spielweise.

Zumal das schnelle 0:1 diesen Stil auch nötig machte.

Die Balance wird da sein 

„Wenn du im Rückstand bist und versuchst, nach vorne mehr zu tun, dann entstehen hinten Löcher“, meinte der Teamchef nach der Partie.

Vor dem EM-Auftakt gegen Ungarn wird er seine Spieler mit Taktik-Einheiten wieder gezielt auf den nächsten Gegner vorbereiten. Der Formaufbau stimmt. Im Training in Frankreich hat Koller Zeit, seinen Schützlingen den letzten Feinschliff zu verpassen.

„Es ist immer wieder ein Prozess, die richtige Abstimmung und Balance zu finden“, meint Mittelfeld-Stratege Baumgartlinger. Hoffentlich schließt das Nationalteam diese Suche bis zum ersten EM-Spiel erfolgreich ab.

 

Jakob Faber/Peter Altmann

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