Das sind die offenen Fragen zur Ligareform

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Es ist eine historische Entscheidung.

Ab der Saison 2018/19 stellt sich die österreichische Bundesliga auf neue Beine. Das Format mit zwei Zehnerligen gehört dann der Vergangenheit an. Stattdessen wird die oberste Spielklasse auf zwölf und das Unterhaus auf 16 Vereine aufgestockt.

Dennoch bleiben nach diesem „Grundsatzbeschluss“ viele Fragen offen. LAOLA1 versucht, sie zu beantworten:

Warum überhaupt die Reform?

Die Format-Änderung ist aus der Not geboren. Den beiden Zehnerligen hätte in den nächsten Jahren gedroht, dass ihnen die Vereine ausgehen. Alleine heuer traten drei Klubs aus wirtschaftlichen Gründen den Gang in den Amateur-Fußball an. Zumal durch den Wartungserlass des Finanzministeriums, der die Vereine zwingt, ihre Profi-Abteilungen in eine Kapitalgesellschaft auszulagern, zusätzliche finanzielle Belastungen auf die Verantwortlichen zukommen.

Warum ausgerechnet dieses Format?

Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es keine Alternative! Mehr Profi-Klubs kann bzw. will sich Österreich momentan nicht leisten. Zumal es eigentlich 15 Vereine braucht, die die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Bundesliga mitbringen. Nur so kann ein ein ordentlicher Wettbewerb inklusive Auf- und Abstiegskampf gewährleistet werden. Die 16 Klubs in der zweiten Spielklasse ergeben sich durch den Wunsch der ÖFB-Landesverbände, dass alle drei Regionalliga-Meister ohne Relegation aufsteigen können. Aufgrund dieser Faktoren meint Bundesliga-Aufsichtsrat Markus Kraetschmer: „Dieses Format ist im Moment der einzig gangbare Weg.“ Das ganze Gespräch mit dem Austria-Vorstand siehst du hier:


Droht uns 2017 eine Schrumpf-Meisterschaft in der Ersten Liga?

Ja. Entgegen der ursprünglichen Planung wird das neue Format erst 2018 statt schon im nächsten Jahr eingeführt. Allen voran hatte sich dafür der SK Rapid eingesetzt. Einerseits, weil die Vereine dadurch mehr Zeit haben, sich auf die Umstellung vorzubereiten. Andererseits, da die aktuellen TV-Verträge bis 2018 laufen. Gleichzeitig besteht dadurch jedoch die Gefahr, dass in der Saison 2016/17 zu wenige Klubs für die Erste Liga zur Verfügung stehen. Geben nächstes Jahr erneut drei Klubs aus wirtschaftlichen Gründen die Lizenz ab, so könnte die zweite Spielklasse am Ende zu wenige Teilnehmer haben. In diesem Fall würden entweder Amateur-Teams der Bundesligisten zum Zug kommen oder die Übergangssaison 2017/18 wird mit weniger Teams bestritten. Ried-Manager und Bundesliga-Aufsichtsrat Stefan Reiter warnt in diesem Interview eindringlich vor diesem Szenario:


Wann gibt es die perfekte Liga?

„Das ist ein kleiner Schritt zurück, um einen großen nach vorne zu machen“, kündigte Bundesliga-Präsident Hans Rinner bei der Präsentation des neuen Formats an. Geht es nach den Liga-Verantwortlichen, sollen die zwölf Vereine in der obersten Spielklasse nicht in Stein gemeiselt sein. Im Optimalfall hätte man gerne 14, 16 oder sogar 18 Bundesligisten. In wie viel Jahren beispielsweise eine 16er-Liga realisiert werden könnte, darauf wollte sich Rinner nicht festlegen. „Wenn wir der Meinung sind, wir haben 16 Klubs mit der entsprechenden Infrastruktur und der wirtschaftlichen Stabilität, dann wird dieser Zeipunkt da sein." Hier das gesamte Interview mit dem Bundesliga-Präsidenten:


Welchen Namen wird die zweite Spielklasse tragen?

Die Bezeichnung „Erste Liga“ für die zweite Leistungsstufe sorgt bei so manchem Beobachter noch immer für Verwirrung. Spannend wird deswegen, welchen Namen sich die Verantwortlichen diesmal einfallen lassen: Von „2. Liga“ über „Premier League“ bis hin zur „Wald-und-Wiesen-Division“ scheint einiges möglich. Jedenfalls steht die Namensgebung noch ebensowenig fest wie die Frage, ob und in welcher Form diese Leistungsstufe im Fernsehen zu sehen sein wird. Überhaupt sind viele wichtige Details noch zu klären, beispielsweise wie genau der Playoffmodus in der Bundesliga aussehen wird.

Geht die Schere zwischen erster und zweiter Spielkasse noch weiter auf?

Diese Gefahr besteht zweifellos. Für die Spitzenklubs in der zweiten Liga könnte es schwer werden, ordentliche Einnahmen zu lukrieren. Partien gegen Amateur-Mannschaften lassen sich in der Regel nicht so leicht verkaufen. Dazu entgehen den Vereinen Einkünfte durch die geringere Anzahl an Spieltagen. Fraglich bleibt auch, ob und in welcher Form die Spiele im Fernsehen übertragen werden. Eine ähnlich ausführliche Berichterstattung wie über die aktuelle zweite Spielklasse ist jedoch fast auszuschließen. All diese Aspekte könnten dazu führen, dass der wirtschaftliche Abstand zwischen erster und zweiter Liga noch größer wird. Die Bundesliga versucht dem jedoch schon jetzt entgegen zu wirken. Zweitliga-Klubs, die sich für den kostspieligen Profibetrieb entscheiden, sollen mit Fördermitteln unterstützt werden. Jene Vereine, die die Lizenzanforderungen der Bundesliga erfüllen würden, sollen zudem – unabhängig von der sportlichen Platzierung – einen „Lizenzbonus“ erhalten.

 


Sind die Dorfplätze in der Bundesliga damit Geschichte?

Nein. Die Lizenzanforderungen für die Bundesligisten bleiben gleich, obwohl es mit dem neuen Format formell weniger Profi-Klubs in Östereich geben wird. Die Verantwortlichen sind also nicht gezwungen, mehr Geld in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Stadion zu stecken. Dennoch will sich die Liga auch in diesem Bereich weiterentwickeln. „Wenn wir ein ordentliches Produkt anbieten wollen, brauchen wir eine ordentliche Infrastruktur“, meint Austria-Vorstand Kraetschmer und verweist im gleichen Atemzug auf positive Entwicklungen in Wien, Altach und Graz. Bundesliga-Präsident Rinner will mit zweckgebundenen Förderungen weitere Vereine zu mehr Invesitionen bewegen. Als Beispiel nennt er jene 100.000 Euro, die die Vereine für den Bau einer Rasenheizung erhalten. Diese Maßnahme kann aber nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer modernen Bundesliga sein. „Ziel muss es sein, dass alle Bundeslia-Klubs in professionellen Stadion spielen“, gibt Rinner die Richtung vor. Nun sind die Vereine gefordert.

 

Jakob Faber / Peter Altmann

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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