Koalition Krammer/Jauk: Drohung an Liga-Konkurrenz

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Bundesliga-Spiele, denen die Fans so richtig entgegenfiebern, sind bekanntlich rar geworden.

Messen sich die vier Großvereine nicht untereinander, wird es schon eng. Am Wochenende matchten sich der SK Sturm und der SK Rapid beim 2:1-Sieg der Grazer in einer Partie, die sportlich als auch atmosphärisch zu jenen Raritäten der Saison zählt.

Auf dem Feld Rivalen, wollen die beiden zuschauerstärksten Traditionsvereine des Fußball-Landes abseits davon in Zukunft verstärkt gemeinsame Sache machen.

Das haben die beiden Präsidenten Michael Krammer (Rapid) und Christian Jauk (Sturm) vergangene Woche am Rande ihres Doppel-Interviews mit LAOLA1 angekündigt.

"Die anderen Klubs können von dem, was Rapid und Sturm machen, sehr viel lernen: Was das Marketing betrifft und wie man mit den Fans umgeht, damit sie ins Stadion kommen und dort für Stimmung sorgen."

Michael Krammer

Das bedeutet konkret: Einerseits mit Vorbildwirkung vorangehen, andererseits jedoch auch den (finanziellen) Druck auf die Konkurrenz massiv zu erhöhen, um dringend notwendige Maßnahmen in Sachen Attraktivität zu erzwingen.

10.000 Zuschauer? "Davon ist die Liga meilenweit entfernt"

Aber der Reihe nach. Ausgangspunkt ist der Status quo, der ein denkbar unbefriedigender ist, wie Krammer erläutert:

„Die Liga hat sich selbst das Ziel gesetzt, bis 2020 einen Zuschauerschnitt von über 10.000 zu haben. Davon ist sie derzeit meilenweit entfernt. Nehmen wir zum Beispiel aus der 24. Runde die Zahlen aus den Heimspielen von Rapid und Sturm heraus. Es bleibt ein Schnitt von etwa 3500 Besuchern. Wahnsinn! Die anderen Klubs können von dem, was Rapid und Sturm machen, sehr viel lernen: Was das Marketing betrifft und wie man mit den Fans umgeht, damit sie ins Stadion kommen und dort für Stimmung sorgen.“

Jauk unterstützt die These, dass es zu wenige Topspiele in der Liga gibt und hofft in Sachen Attraktivität auf die im Sommer 2018 in Kraft tretende Liga-Reform:

„Die Liga hat jetzt zumindest Mut gezeigt und das Format geändert. Wir wissen noch nicht, wie das ausgehen wird, aber wir unterstützen das beide. Ich hoffe jedenfalls, dass es zu einer Steigerung der Liga-Attraktivität insgesamt kommt.“

Maßnahmen, die einigen Klubs wehtun würden

Ligaintern werden derzeit diverse flankierende Maßnahmen diskutiert. Stadien mit Laufbahn könnten bald ebenso der Vergangenheit angehören wie Stahlrohr-Tribünen beziehungsweise nicht überdachte Tribünen für Auswärts-Fans.

Dies sind – natürlich längst nicht beschlossene – Ideen, die vor allem Vereinen wie dem SV Mattersburg, dem Wolfsberger AC oder der Admira samt ihren in die Jahre gekommenen Fußball-Plätzen wehtun würden.

Dass die Bundesliga in Sachen Infrastruktur Nachholbedarf hat, sind keine Breaking News. Darüber herrscht weitestgehend Konsens.

TV-Geld? "Sonst kriegt er gar nichts von jenen leistungsbezogenen Geldern"

Krammer lässt mit einem Vorschlag aufhorchen, wie man Vereinen, die zu wenig Wert auf die Attraktivität des Stadionerlebnisses legen, die Daumenschraube anlegen könnte – nämlich mit dem TV-Geld:

„Ich würde sogar so weit gehen: Wenn ein Klub nicht einen Mindestzuschauerschnitt erreicht, kriegt er gar nichts von jenen leistungsbezogenen Geldern, die für den Bereich Besucher im Stadion definiert werden sollten. Die Klubs wären dann gezwungen, mehr Wert auf die Vermarktung und die Infrastruktur zu legen. Es ist nur legitim, wenn jene, die das Produkt besser machen, mehr bekommen. Es profitieren dann ja auch die anderen Vereine von einer attraktiveren Bundesliga.“

Der TV-Vertrag wird für die neue Liga-Ära ab der Saison 2018/19 neu ausgeschrieben. Die Stoßrichtung von Krammer und Jauk ist klar: In der Aufteilung müssen attraktive Vereine, sprich vor allem ihre beiden Klubs, mehr vom Kuchen bekommen.

„In den großen Ligen ist das TV-Geld das dominanteste Budgetelement. Bei uns ist es ein untergeordneter Punkt“, sagt Jauk. Krammer assistiert: „Kaum wahrnehmbar in der Relation zum Gesamtbudget.“

„Trotzdem sind wir froh, dass wir es haben. Aber wir wollen die Einnahmen natürlich steigern und auch anders aufteilen. Wer mehr für die Liga tut, soll auch mehr bekommen. Hier gehören Rapid und Sturm an die Spitze. Was das Produkt Fußball insgesamt hebt, wird von uns am meisten unterstützt“, ist der Sturm-Boss dabei mit seinem grün-weißen Kollegen voll auf einer Argumentations-Linie.

Konkrete Forderungen von Krammer und Jauk

Aber ob die Schere nicht noch weiter auseinander gehen würde, wenn Rapid und Sturm zwar auf der einen Seite eine attraktivere Liga fordern, den kleineren Vereinen auf der anderen jedoch weniger Einnahmen aus dem TV-Vertrag gönnen?

„Wir sagen ja nicht, dass der Letzte in diesem Ranking nichts und der Erste alles bekommt. Es wird Sockelbeträge geben müssen. Aber es müssen eben auch leistungsabhängige Kriterien wie Platzierung oder Zuschauerzahlen dabei sein“, verdeutlicht Krammer.

Und – wie erwähnt - eine komplette Streichung des leistungsbezogenen Bonus, wenn nicht genügend Zuschauer ins Stadion pilgern.

Dass Rapid die Politik der Bundesliga in Sachen TV-Rechte in der Vergangenheit ein Dorn im Auge war, ist kein Geheimnis.

"Haben zwei Bühnen: Eine ist der Fußballplatz, die andere ist die Fantribüne"

Krammers Vorstellungen für die neue Ausschreibung: „Beim letzten Vertrag wurden in Bausch und Bogen alle Rechte auf einmal vergeben. Die Medienwelt ist aber wesentlich vielfältiger geworden. Es gibt nicht nur TV, sondern auch Online beziehungsweise Over-The-Top-Anbieter. Deswegen ist es ganz wichtig, und dafür kämpfen wir gemeinsam mit dem SK Sturm, dass auf der einen Seite der neue Ausschüttungsmechanismus definiert wird, und auf der anderen Seite auch die Rechtepakete differenzierter werden. Welche Einheiten gibt es in welchem Medium zu welcher Zeit? Das gehört vorher definiert. Danach sollen die Pakete für die verschiedenen Anbieter zur Versteigerung zur Verfügung gestellt werden. Damit sollten wir unbedingt mit dem neuen Ligaformat ab 2018/19 starten.“

"Natürlich brauchen wir mehr Zuschauer in den Stadien, wir brauchen aber insbesondere die angesprochene Atmosphäre. Es hilft nichts, eine Zuschauerbasis und ein schönes Stadion zu haben, wenn dann keine Stimmung da ist. Dann macht es wirklich keinen Unterschied mehr, ob man vor dem Fernseher sitzt oder im Stadion ein Match besucht."

Christian Jauk

TV-Vertrag und Attraktivität der Liga sind zwei Themen, die Hand in Hand gehen. Entsprechend entscheidend ist für die beiden „Koalitionäre“, dass den Fernseh-Partnern ein gutes Produkt angeboten werden kann.

„Wir haben deshalb einen Vorteil, weil wir zwei Bühnen haben. Eine ist der Fußballplatz, die andere ist die Fantribüne. Deshalb kommen die Leute auch ins Stadion. Sie wollen etwas erleben, wenn sie nichts hören wollen, können sie im Fernsehen zusehen und den Ton abdrehen“, sagt Krammer.

Jauk betont: „Natürlich brauchen wir mehr Zuschauer in den Stadien, wir brauchen aber insbesondere die angesprochene Atmosphäre. Es hilft nichts, eine Zuschauerbasis und ein schönes Stadion zu haben, wenn dann keine Stimmung da ist. Dann macht es wirklich keinen Unterschied mehr, ob man vor dem Fernseher sitzt oder im Stadion ein Match besucht. Aber Tradition kann man nicht kaufen, das muss sich entwickeln – genauso wie eine dazugehörige, aktive Fanszene. Auf unsere Fanszene bin ich stolz.“

Gleicher Fußball, komplett anderer Eindruck?

In punkto „Verkaufen“ des Produkts nimmt Krammer jedoch nicht nur die weniger mondäne Konkurrenz, sondern auch die jeweiligen TV-Partner in die Pflicht:

„Wenn man sich an einem Samstagnachmittag abwechselnd österreichische und deutsche Bundesliga ansieht und man nicht die deutschen Spitzenspiele, sondern jene von Mittelständlern schaut, dann ist das ein Spiel auf einem ähnlichen Niveau wie bei uns. Nur sitzen dort 45.000 Zuschauer im Stadion, die noch dazu gute Stimmung machen. Und dann gibt es noch einen Unterschied: Die Kommentatoren in Deutschland erklären Fehlpasses mit der Schnelligkeit des Spiels. Bei uns sieht man bei vielen Spielen ein leeres Stadion, ab und zu ist ein Feld mit Kühen im Bild und es kommentieren Reporter, die beim zweiten Fehlpass schon über die Qualität des Spiels zu jammern beginnen. Vereinfacht gesagt: Ich sehe den gleichen Fußball, nehme aber einen komplett anderen Eindruck mit und die mediale Vermarktung ist bei uns wesentlich schlechter möglich als in Deutschland, wo ‚all singing, all dancing‘ stattfindet.“

Stimmen die infrastrukturellen Rahmenbedingungen und sind genügend Zuschauer im Stadion, fällt es womöglich auch dem Reporter leichter, das Spiel marktschreierischer zu verkaufen.

Textquelle: © LAOLA1.at

Rapid-Fauxpas bei der Stadion-Gestaltung

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