Kainz/Stangl: Rapids linke Seite der Macht

Aufmacherbild Foto: © GEPA

Elf Tore, 14 Assists!

Diese Ausbeute geht beim SK Rapid auf die Kappe eines Duos, das sich seit Jugendtagen kennt.

Diese Eingespieltheit ist auch auf dem Spielfeld durchaus erkennbar. Beide sind „Steirermen“ – durch und durch.

Nach unterschiedlichen Werdegängen haben sie in Wien wieder zueinander gefunden, und Rapids Flügel - frei nach Star Wars - zur linken Seite der Macht gemacht.

Rapids Linkslastigkeit ist kein Zufall

Das Spiel der Hütteldorfer hat sich durch Florian Kainz und Stefan Stangl gewandelt. Wenn man von Linkslastigkeit spricht, ist das nicht übertrieben.

In gewissen Spielen werden bis zu zwei Drittel der Angriffe über links gefahren, während sich der Rest auf die Mitte bzw. den rechten Flügel verteilt.

Florian Kainz Stefan Stangl
Einsätze/Minuten 23 Spiele/1908 Minuten 22 Spiele/1821 Minuten
Tore 6 5
Assists 12 2
Torschüsse 36 (24 aufs Tor) 16 (12 aufs Tor)
Minuten pro Tor 318,0 Minuten 364,2 Minuten
Torverteilung 6x mit rechts 2x mit links, 3x mit Kopf
Tore inner-/außerhalb Strafraum 5x im 16er, 1x außerhalb 16er 5x im 16er
Tore heim/auswärts 4x heim, 2x auswärts 3x heim, 2x auswärts

Dabei werden diese oft nach demselben Prinzip vorgetragen. Kainz fordert den Ball, Stangl hinterläuft und bringt den Ball zur Mitte – oder umgekehrt.

Im Herbst wurde dieses Spiel zur Perfektion getrieben – vor allem aufgrund der passenden Charaktere und Spielertypen.

Brandgefährlich dank blindem Verständnis

Im Frühjahr ist bei beiden noch Luft nach oben. Beim 3:0 gegen Mattersburg ließen die beiden Ex-Sturm-Spieler jedoch wieder ihre gewohnten Stärken aufblitzen.

Kainz lieferte den Assist für seinen Hintermann zum 2:0, die 12. Torvorlage der aktuellen Saison, und legte seinen sechsten Treffer in dieser Spielzeit zum 3:0-Endstand nach.

Stangl hält als linker Verteidiger bereits bei fünf Saisontreffern und zwei Assists, zudem haben ihm mit drei Kopfballtoren nur Admiras Christoph Schößwendter und Austrias Lary Kayode etwas voraus (beide 4).


Auf der gegenüberliegenden rechten Seite fehlt dieses perfekt eingespielte Duo. Teilweise beabsichtigt, um nicht auf beiden Flanken gleichzeitig zu offensiv zu werden, teilweise aufgrund des fehlenden durchschlagskräftigen Rechtsverteidigers.

Defensive Unterstützung unter Freunden

Zwar muss sich Philipp Schobesberger mit sechs Toren und sechs Assists nicht verstecken, das Zusammenspiel mit Mario Pavelic (1 Tor/3 Assists) bzw. Stephan Auer (0 Tore/1 Assist) ist jedoch noch nicht auf dem Level wie jenes von Kainz und Stangl.

Doch nicht nur offensiv spielt der linke Flügel seine Stärken aus, auch in der Rückwärtsbewegung sind beide ein eingespieltes Team. Vor allem Kainz hat sich in puncto Defensivarbeit in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert.

2015/16 führte der 23-jährige Grazer bisher 260 Zweikämpfe und gewann für einen Offensivspieler beachtliche 46,15 Prozent. Stangl kann diesen Wert mit 255 Zweikämpfen und 59,61 Prozent als Defensivspieler klarerweise noch toppen.

Florian Kainz Stefan Stangl
Ballkontakte 1568 1599
Pässe 790/1039 (76,03% erfolgreich) 754/986 (76,47% erfolgreich)
abgefangene Pässe 33 39
Geklärt 6 30
Dribblings 45 erfolgreich, 44 nicht erfolgreich 27 erfolgreich, 25 nicht erfolgreich
Zweikämpfe 260 (46,15% erfolgreich) 255 (59,61% erfolgreich)
Fouls/gefoult 27 Fouls/35x gefoult 15 Fouls/24x gefoult
Karten 4x Gelb 0x Gelb
Abseits 7x Abseits 3x Abseits

Gegenseitige Unterstützung – das macht die beiden langjährigen Freunde aus. Selbst die Trennung zu Sturm-Zeiten unter Franco Foda steckten die beiden weg.

Unterschiedliche Wege, ein Ziel

„Bei Sturm Graz hieß es damals: Kainz oder ich“, verriet Stangl im November in einem LAOLA1-Interview. Während er Umwege einlegen musste, gelang Kainz sofort der Durchbruch.

Dass man es auf unterschiedliche Weise nach oben schaffen kann, sieht man aktuell auf dem Feld. Die frühere offensivere Ausrichtung kommt Stangl dabei durchaus zu gute und begründet seinen Torriecher.

In den ausstehenden Runden wird viel von Rapids Parade-Tandem auf der linken Seite abhängen, wollen sich beide den Wunsch vom Meistertitel erfüllen.

Kainz kennt dieses Gefühl bereits aus dem Jahr 2011, als die „Blackies“ letztmals die Meisterschale in den Grazer Nachthimmel stemmten.

Das Duo zieht es ins Ausland

Es könnte außerdem die letzte Chance sein, dass sich die beiden Freunde diesen Moment im Rapid-Dress teilen – denn beide haben ähnliche Tendenzen.

Bei Kainz ist es in der aktuellen Form nur eine Frage der Zeit, bis ein internationaler Top-Klub zuschlägt. Im Winter wimmelte Sportdirektor Andreas Müller Borussia Mönchengladbach noch ab, im Sommer könnte es endgültig zur Trennung kommen.

Ob Gladbach noch Interesse hat, ist eine andere Frage. Schließlich reagierte Manager Max Eberl nach Rapids „Nein“ sauer und hakte die Causa öffentlich ab. Andere Interessenten werden sich spätestens nach den Auftritten in der Europa League nicht abschrecken lassen.

Und Stangl? Dieser schwärmte nach dem aufstrebenden Herbst ebenfalls schon vom Ausland und machte keinen Hehl daraus, sich über kurz oder lang nicht mehr bei Rapid zu sehen.

Bei Rapid schrillen die Alarmglocken

Zuletzt wurden Beobachtungen des FC Watford kolportiert, auch beim 24-jährigen Lebringer wird noch der eine oder andere ausländische Interessent auf den Zug aufspringen.

Tendenzen, die bei den Grün-Weißen die Alarmglocken schrillen lassen müssten. Eine funktionierende linke Seite ersetzen zu müssen, wird definitiv eine schwierigere Aufgabe als nur einen Abgang zu verkraften.

Eher unwahrscheinlich wird es jedoch sein, dass Kainz und Stangl in ihren weiteren Karrieren noch einmal auf internationaler Ebene gemeinsam ein Duo bilden werden.

Dabei funktionieren die beiden zukünftigen Anwärter auf Plätze im ÖFB-Nationalteam im Verbund am besten.

Ihre linke Seite der Macht gibt es derzeit nur bei Rapid – elf Tore und 14 Assists sind der beste Beweis dafür.


Alexander Karper

 

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