"Die Spielanlage in Altach passt zu mir"

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Im Sommer 2015 war Dimitri Oberlin noch eines der Gesichter des Schlagworts Kinderfußball, mit dem Red Bull Salzburgs Fehlstart – auch mannschaftsintern – ein wenig spöttisch bedacht wurde.

Ein Jahr später ist der Schweizer das Gesicht des Altacher Traumstarts. Drei Spiele, neun Punkte, drei Tore, ein Assist – der Stürmer hatte bei jedem Tor der Vorarlberger seine Füße im Spiel.

„Wenn es weiterhin so läuft, bin ich zufrieden“, lacht der für ein Jahr ausgeliehene 18-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

Auf den frischen Lorbeeren ruht sich das Talent aber keineswegs aus: „Es geht noch weiter, ich muss weiterhin gut trainieren und probieren, der Mannschaft in jedem Spiel zu helfen.“

"Die Menschen hier sind sehr offen"

Es ist erstaunlich. Nur etwas mehr als eine Woche vor dem Saisonstart ist der Offensivspieler zu den Altachern gekommen, Eingewöhnungszeit hat er offenbar aber keine benötigt. „Die Mannschaft hat mir sehr geholfen, die Menschen hier sind sehr offen. Es gefällt mir hier, ich fühle mich wohl – das spiegelt sich auf dem Platz wider“, sagt Oberlin.

Trainer Damir Canadi war jedenfalls sofort überzeugt. „Er hat Qualität, deswegen geht es so schnell. Er hat gleich im ersten Training gezeigt, dass er uns helfen kann“, sagt der Wiener Coach gegenüber „Sky“.

Canadi gilt als Taktikfuchs, schon so mancher Neuzugang hatte zu Beginn seine Probleme, die Vorgaben des Trainers umzusetzen. Nicht so Oberlin. „Die Spielanlage passt zu mir. Wir haben schon bei Red Bull sehr viel mit schnellem Umschaltspiel agiert, das ist in Altach sehr ähnlich. Ich bin ein schneller Spieler, mir liegt das“, findet der Youngster.

Oberlins Gala gegen die Admira:

(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)


Die geografische Nähe Vorarlbergs zu seiner Heimat Schweiz spiele hingegen keine große Rolle: „Ich war noch nicht in der Schweiz seit ich hier bin. Ich lege den Fokus auf den Fußball, nicht darauf, nach Hause zu fahren.“

"Am Anfang hat man natürlich ein bisschen Angst"

Einen Blitzstart hat Oberlin gewissermaßen schon vor einem Jahr hingelegt. Rund zwei Millionen Euro haben die „Bullen“ für den Teenager an den FC Zürich überwiesen und ihn auch sofort bei den Profis eingesetzt. Ob in der CL-Quali gegen Malmö oder in der Bundesliga – Trainer Peter Zeidler schenkte ihm das Vertrauen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich sofort zu so vielen Einsätzen komme“, ist der Kicker ein Jahr später immer noch ein wenig überrascht.

Vielleicht war es auch das Vertrauen des damaligen Coaches, das ihm den Start ins Abenteuer fern der Heimat erleichtert hat. Anpassungsprobleme habe er in der Mozartstadt keine gehabt: „Am Anfang hat man natürlich ein bisschen Angst, wenn man alleine wohin kommt, wo man niemanden kennt. In Salzburg war es aber einfach – ich bin in die Akademie gekommen, wo alles für mich erledigt wurde, ich musste nichts machen, außer trainieren. Die tolle Infrastruktur hat es mir einfach gemacht, mich zu adaptieren.“

Nach einem halben Jahr in der Akademie ist Oberlin dann übrigens in eine eigene Wohnung gezogen, insofern ist die Situation in Altach für ihn keine neue.

"Die Schweizer sehen es nicht gerne, wenn junge Spieler so früh ins Ausland wechseln"

Wie ist sein Wechsel nach Österreich damals eigentlich in der Schweiz aufgenommen worden? Oberlin erinnert sich an Kritik: „Für die Schweizer war das nicht so okay. Sie sehen es nicht gerne, wenn junge Spieler so früh ins Ausland wechseln. Die Philosophie ist, dass sich Talente zuerst in der Super League durchsetzen sollen, bevor sie ins Ausland gehen. Es gibt viele Beispiele von jungen Spielern, die früh ins Ausland gegangen sind, nichts erreicht haben und dann zurückgekehrt sind. Aber es war meine Entscheidung, das zu tun.“

"Ich habe gemerkt, dass es noch schwieriger wird"

Vermutlich Wasser auf die Mühlen der Kritiker war der Umstand, dass Oberlin mit Fortdauer der Saison mehr beim FC Liefering in der Ersten Liga als bei den RBS-Profis in der Bundesliga zum Einsatz kam. Trotzdem fällt seine Bilanz positiv aus: „Ich habe im ersten Jahr in Salzburg viel gelernt, habe viele Minuten gekriegt. Es war ein tolles Jahr und zum Abschluss haben wir das Double geholt, was mir im Profi-Fußball zuvor noch nie gelungen ist.“

Nach den Titelfeiern trieb der Double-Sieger bekanntlich seine Kaderplanung voran. Und schnell stellte sich heraus, dass der 18-Jährige dabei eher eine untergeordnete Rolle spielt. „Ich habe im Sommer gemerkt, dass der Klub viele Offensivspieler geholt hat und es noch schwieriger wird, zu Einsätzen zu kommen. Der Verein und ich haben es dann als beste Möglichkeit für mich gesehen, wenn ich verliehen werde, um mehr Spielpraxis zu sammeln“, schildert er.

Und weil Grödig nur noch Amateurfußball spielt, wurde der SCR Altach als richtige Destination gesehen. RBS-Coach Oscar Garcia ist die Entwicklung Oberlins in den ersten drei Runden jedenfalls nicht verborgen geblieben. „Ich bin richtig glücklich über seine Leistungen. Wir haben ihn verliehen, weil es bei uns schwierig für ihn gewesen wäre, Spielminuten zu sammeln“, sagt er bei „Sky“.


In den ersten zwei Runden kam der Youngster in Altach noch von der Bank, beim 2:1 gegen die Admira durfte er erstmals von Beginn an ran. Kurioserweise war das bisherige Highlight seiner Auftritte für die Vorarlberger keines der drei Tore, sondern der Traum-Assist gegen Rapid.

„Viele meiner Freunde haben mir das Video geschickt, ich habe es schon einige Male gesehen“, grinst er. Doch wie hat er die unglaubliche Aktion auf dem Feld erlebt? „Das ist alles sehr schnell gegangen. Ich habe den Ball gekriegt, musste etwas machen und dann habe ich Patrick Salomon gesehen – es war die einzige Möglichkeit, ihm den Ball schnellstmöglich in den Lauf zu spielen.“

Konkrete Saisonziele habe er sich keine gesetzt.“ Ich will mich im Vergleich zur Saison davor immer verbessern. Ich will mehr Tore und Assists machen, das ist als Stürmer wichtig“, so Oberlin. Die Zahl von drei Saisontoren aus der vergangenen Spielzeit hat er jedenfalls schon egalisiert. Und das nach nur 152 Spielminuten.


LAOLA Meins

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