Schadet Legionärs-Flut der EBEL?

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Teil 5: Schaden Legionäre Österreichs Eishockey?

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Finanzielle Aspekte sowie Auswirkungen auf Österreichs Eishockey

Teil 5 geht der Frage auf den Grund, ob die zahlreichen Legionäre dem österreichischen Eishockey schaden.

 

Die Punkteregelung und die damit einhergehenden Legionäre als Schaden für das österreichische Eishockey?

Die acht österreichischen EBEL-Vereine haben derzeit 82 Legionäre unter Vertrag, d. h. knapp zehn pro Verein. Wenn man also einen Torhüterplatz und die drei Topblöcke jedes Teams betrachtet, sind von diesen 128 Kaderstellen 82 durch Legionäre belegt.

Dazu kommen dann noch die einheimischen Torhüter (außer in Salzburg und eventuell Klagenfurt die klaren Backups), die Verteidigerpositionen sieben und acht (selten bis nie eingesetzt) sowie die vierten Sturmlinien, die ja bei Teams wie Innsbruck, Dornbirn oder Graz auch oft nur auf dem Papier bestehen.

Würde man also die  Legionäre auf sieben (wieder willkürlich gewählt) pro Team limitieren, hieße das ungefähr 26 Österreicher mehr in der Liga, d.h. Spieler würden in die ersten drei Blöcke aufrücken bzw. neu in den Kader aufgenommen werden.

Wer würde nachrücken?

Doch wer wären diese Spieler? Würden Patrick Platzer oder Marius Göhringer, wenn sie aus der vierten Linie nach vorne rücken könnten, automatisch zu potentiellen Nationalteamspielern werden?

Würden sich Spieler wie Sascha Bauer oder David Franz, wenn sie Stammkräfte in der vierten Linie wären, in ihren Leistungen konsolidieren und noch weiter nach oben drängen?

Oder würden dafür jetzige INL-Spieler wie Martin Oraze und Fabian Scholz oder emigrierte Kräfte wie Fabian Weinhandl und Andre Lakos wieder zurückkehren, alle natürlich ohne oder – im Falle Weinhandl – mit sehr überschaubarem Nationalteampotential?

Ist die Punkteregel an Platzers stagnierenden Leistungen schuld?

Spielpraxis alleine reicht nicht

Schwer zu sagen, man braucht nicht Adam Riese sein, um zu verstehen, dass jeder Legionär in der Liga einem Österreicher einen Platz wegnimmt, was bei Teams wie Graz oder Dornbirn (Spitzenreiter mit jeweils zwölf Ausländern) natürlich krass ins Auge sticht.

Wer nicht spielt, kann sich auch nicht weiterentwickeln, und ob die U24-Regelung wirklich „Late Bloomern“ hilft, bezweifle ich auch.

Aber umgekehrt kann auch Spielpraxis nicht aus jedem limitierten Spieler einen Nationalteamkandidaten machen und ein erhöhtes Gehalt bedeutet keinesfalls auch erhöhte Leistungsbereitschaft oder –stärke, da braucht man nur beim KAC nachzufragen.

Und die Zeiten, als sich Cracks wie Andre Niec, Tino Teppert oder Hannes Enzenhofer en masse in der Liga verdingten, können sich nur Leute mit einem morbiden Sinn für schlechtes Eishockey zurückwünschen.

Punkteregel hilft Talenten nicht

Um auf einen Spieler wie Patrick Platzer zurückzukommen: Er spielte vor Jahren im U20-Nationalteam eine durchaus gefällige, wenn auch nicht überragende Rolle, wurde dann im eigenen Verein von talentfreien Cracks wie Köfeler oder Martinz in seine Entwicklung behindert, ehe er eine sehr gute Debütsaison spielte.

Seitdem stagniert er ziemlich. Ist der Grund dafür die Punkteregelung und einer der zehn VSV-Legionäre? Oder hat er einfach nicht das Niveau eines Ganahl oder Hofer, die sich trotz noch mehr Ausländern in ihren Vereinen ins Nationalteam gespielt haben?

Diese und ähnliche Diskussionen kann man natürlich endlos spinnen, Fakt ist, dass die Nachwuchsnationalteams seit der U20-WM 2008, die mit dem Aufstieg in die A-Gruppe endete, keine Qualitätsjahrgänge mehr hervorbrachten, was sich auch in den (inoffiziellen) Weltranglistenplätzen 15 (U20) und 18 (U18) widerspiegelt.

Zu sagen, dass also nur die Punkteregelung und die Legionärsschwemme Schuld am Fahrstuhldasein des Nationalteams hat, wäre lachhaft, zu limitiert ist unser Nachwuchs im internationalen Vergleich.

Doch zu behaupten, dass die Punkteregelung den (wenigen) Talenten weiterhilft, wäre ebenso unverfroren.


Die Verantwortlichen der EBEL müssen Vereine aus fünf Nationen unter einen Hut bringen. Was dabei beachtet werden muss, steht im 6. Teil der großen Punkteregel-Reportage.

Die Geschichte des Systems sowie dessen Stärken und Schwächen

Teil 1: Die Geschichte der Punkteregelung

Teil 2: Das objektive System – Die Parameter

Teil 3: Die Stärken und Schwächen des Systems

Die finanziellen Aspekte sowie die Auswirkungen auf Österreichs Eishockey

Teil 4: Die Punkteregelung als Salary Cap?

Teil 5: Schaden Legionäre Österreichs Eishockey?

Teil 6: Die Internationalität der EBEL – Fluch oder Segen?

Andere Systeme und deren Auswirkungen

Teil 7: Die Alternativen zur Punkteregelung

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