Stadlober: An diesen Schrauben will sie drehen

Stadlober: An diesen Schrauben will sie drehen Foto: © GEPA
 

Nach 116 Jahren hat der Österreichische Skiverband erstmals eine Frau an der Spitze.

Roswitha Stadlober wurde bei einer außerordentlichen Länderkonferenz in Anif einstimmig zur Präsidentin gewählt. Dabei wollte sich die Salzburgerin im Frühjahr bereits aus dem ÖSV-Präsidium zurückziehen. "Damals war es aufgrund des ganzen traurigen Schauspiels für mich klar, dass es nach zehn Jahren Funktionärstätigkeit genug ist für mich", erklärt sie gegenüber der APA.

Nach Kompromisslösung Karl Schmidhofer und dessen überraschendem Rücktritt ist nun plötzlich alles anders und Stadlober rückt von der Vize- in die Spitzen-Position auf. Sie betont aber immer wieder, dass sie die Verbandsführung als Team sieht. "Wir sind ein 'Wir', diese Werte möchte ich vermitteln", so die 58-Jährige.

Was sie von Langzeit-Präsident Peter Schröcksnadel unterscheidet und welche Vorhaben sie hat, erklärt Stadlober im Interview:

Frage: Sie wollten im Frühjahr eigentlich als ÖSV-Vizepräsidentin aufhören. Jetzt sind sie als erste Frau nach 116 Jahren Verbandsgeschichte und 22 Männern an der Spitze Chefin des Skiverbandes. Wie fühlt sich das an?

Stadlober: "Immer noch ein bisserl nicht ganz angekommen, obwohl schon so viel passiert ist. Die Situation hat sich natürlich verändert gegenüber dem Frühjahr. Damals war es aufgrund des ganzen traurigen Schauspiels für mich klar, dass es nach zehn Jahren Funktionärstätigkeit genug ist für mich. Dann hat man mich aber noch vor der Länderkonferenz gebeten, weiter dem Präsidium anzugehören. Für mich ist wichtig, dass man miteinander kann. Und dann ist es eben gekommen, wie es gekommen ist."

Frage: Sind sie froh, dass ihre Bestellung nun deutlich harmonischer erfolgt ist als jene ihres unmittelbaren Vorgängers Karl Schmidhofer?

Stadlober: "Ich danke der Präsidentenkonferenz, dass wir einen einstimmigen Beschluss zusammenbekommen haben. Jetzt gilt es, Ruhe und Stabilität reinzukriegen und den erfolgreichen Weg fortzuführen."

Frage: Sie sprechen von einer Aufbruchstimmung im Verband. Können sie das näher erläutern?

Stadlober: "Für mich ist wichtig, dass wir ein Team sind. Und zwar nicht nur das Team, das mit mir, Finanzreferent Patrick Ortlieb und Generalsekretär Christian Scherer vorne steht. Sondern der gesamte ÖSV. Wir sind ein 'Wir', diese Werte möchte ich vermitteln. Der ÖSV hat hervorragende Mitarbeiterinnen und es gibt viele wichtige Themen. Die Aufbruchstimmung ist überall spürbar. Karl Schmidhofer hat in der kurzen Zeit eine Strukturreform eingeleitet, die werden wir weiterentwickeln. Etwa mit fixen Zuständigkeiten. Ich als Präsidentin und in den Bereichen Biathlon, Langlauf, Skibergsteigen und Ausbildung. Mein Herz hängt da drin und im Sport kenn ich mich sehr gut aus."

Frage: Was sind die großen Schrauben, an denen man im ÖSV drehen sollte?

Stadlober: "Wichtig ist festzuhalten, dass wir ein sehr gut bestelltes Haus übernommen haben. Der Sport ist bei Toni Giger in bester Hand. Einige Schrauben sind die Personalabteilung. Oder die Digitalisierung, damit in der Jetzt-Zeit alle bis ganz hinunter auf Knopfdruck die gleichen Informationen haben. Das betrifft alle Mitarbeiter im Team. Nicht nur die im Haus, sondern auch die Trainer. Wichtig ist mir auch die Nachhaltigkeit. Wir werden uns bei der WM in Saalbach sehr gut aufstellen. Vielleicht wird es ein topgrüner Event. Beim Umgang mit den Ressourcen sind wir alle gefordert."

Frage: Wie unterscheiden sie sich hauptsächlich von Langzeit-Präsident Peter Schröcksnadel?

Stadlober (lacht): "Der merkbare Unterschied ist, dass ich eine Frau und jünger bin. Und er ein Mann und älter ist."

Frage: Der ÖSV stand im Zuge von "MeToo" schwer in der Kritik. Wie wichtig ist ihnen das Thema?

Stadlober: "Ganz wichtig. Wir haben unsere Kinder so erzogen, dass sowas hoffentlich nie mehr passieren kann. So etwas ist überhaupt nicht zu entschuldigen. Wir haben als Verband eine soziale Verantwortung, wenn uns junge Menschen anvertraut werden. Vor allem, wenn sie noch minderjährig sind. Deshalb möchte ich das gut eingeführte Optimal Sports unbedingt fortführen."

Frage: Sie waren in den 1980er-Jahren selbst eine sehr erfolgreiche Slalomläuferin. Wird im ÖSV weiter viel Gewicht auf den Alpinsport gelegt?

Stadlober: "Für mich sind alle Sportarten wichtig. Alle haben ihre Aufmerksamkeit verdient, denn alle investieren sehr viel, um ihr Ziel zu erreichen. Wir im Verband schaffen den Rahmen und stehen für alle Sportarten. Aber natürlich ist Alpin finanziell anders bestückt als besagte Randsportarten. Ich selbst habe viele Sportarten ausprobiert, bin eine sehr sportliche Präsidentin."

Frage: Mit dem Langlauf war eine Disziplin, die ihr Mann und ihre beiden Kinder ausüben oder ausgeübt haben, stark von Dopingskandalen betroffen. Wie könnte es dort weitergehen?

Stadlober: "Es ist nicht zu entschuldigen, was passiert ist. Die Struktur der Verantwortung wurde für drei Jahre ausgelagert. Ziel ist natürlich eine Rückführung. Wieder eine Grundstruktur zu schaffen und dem Sport und den jungen Sportlern Perspektiven zu geben, wieder ein Team zu formen. Sonst bricht der Langlauf komplett weg. Der ist aber die Grundsportart für die Nordische Kombi und den Biathlon."

Frage: Viele ÖSV-Sportler sind von ihrer Wahl begeistert. Laut Manuel Feller sind Frauen tendenziell bessere Führungskräfte. Hat er recht?

Stadlober: "Höre ich gerade zum ersten Mal. Ich habe tatsächlich bisher viele positive Reaktionen bekommen. Ob besser? Vielleicht eher einfach: Anders. Ein anderer Stil. Der wird so auch zu merken sein. Entscheidender ist aber: Ich bin sehr nahe am Sport und kann mich hineinversetzen. Ich erlebe tagtäglich die Bedürfnisse, darauf haben wir einzugehen. Das macht vielleicht eine Frau empathischer als manchmal ein Mann."

Frage: Was für eine Präsidentin wollen sie sein? Auch immer für die SportlerInnen erreichbar?

Stadlober: "Mich kann man sicher jederzeit kontaktieren. Es ist mir wichtig, den direkten Draht zu haben. Ich will nicht abgeschirmt vorne stehen. Man muss die Bedürfnisse kennen. Auch in der Politik ist es oft so, dass man nicht weiß, was unten ankommt. Wie geht es den Menschen? Den Sportlern? Jeder hat seine Bedürfnisse, alle sollen immer zu mir kommen können."

Frage: Schröcksnadel hat auf die Frage nach Medaillen-Erwartungen zuletzt immer sechs bis acht genannt. Wie lauten ihre Hoffnungen für die Winterspiele in China?

Stadlober (lacht): "Ich wäre glücklich, wenn wir mit zehn plus nach Hause kommen. Das sind zumindest zwei mehr als der Peter. Aber man muss eben aus den Fußstapfen raustreten."

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