Das Doppelleben der Ester L.

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Das Doppelleben der Ester Ledecka

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Ester Ledecka führt ein Doppelleben – im sportlichen Sinn.

2015 kürte sich die Tschechin bei der Snowboard-WM 2015 im steirischen Lachtal zur Weltmeisterin im Parallel-Slalom und verhinderte einen Doppelsieg von Olympiasiegerin Julia Dujmovits und Lokalmatadorin Marion Kreiner.

Am vergangenen Wochenende feierte die 20-Jährige in Garmisch-Partenkirchen ihr Debüt im Skiweltcup.

Mit Startnummer 42 ins Rennen gegangen, fuhr Ledecka in der Abfahrt auf der schwierigen Kandahar-Strecke auf Platz 24 und damit auf Anhieb in die Punkteränge. Im Super-G reichte es mit Rang 25 ebenso zu Punkten.

„Es war seltsam“

„Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass ich einmal auf dieser Strecke fahren würde, sie ist eine der schwierigsten. Ich hatte keine Angst, aber Respekt und habe es sehr genossen. Mein Traum funktioniert“, sagt Ledecka, die erst vor zwei Wochen ihren letzten Sieg im Snowboard-Weltcup feierte.

Ob ein Brett an den Füßen oder zwei schmale Latten, macht laut der 20-Jährigen keinen großen Unterschied. „Es waren mehr Zuschauer da und im Ziel haben mir Lindsey Vonn und Tina Weirather gratuliert. Sonst war nicht viel anders.“

Die schnelle Auffassungsgabe in puncto Sport wurde ihr in die Wiege gelegt. Während ihre Mutter selbst Skiläuferin war, krönte sich ihr Großvater Jan Klapac ("Ich wollte immer so sein wie er") zum Eishockey-Weltmeister. Einzig Vater Janek, der als Schmusesänger die tschechischen Charts seit mehr als 20 Jahren aufmischt und mit seinen Popsongs so gar nicht den Geschmack seiner Tochter trifft, tanzt aus der Reihe.

Von Speed-Königin Vonn zeigt sich das Multitalent indes beeindruckt. „Ich stand bei den Interviews gleich neben ihr und war fassungslos. Es war sehr seltsam, eine ganz andere Erfahrung.“

Zu Entscheidung gedrängt

"Es hat mich angespornt, zu beweisen, dass beides möglich ist."

Ester Ledecka

Dass sie sich überhaupt mit Vonn und Co. messen kann, kostete die Tschechin einiges an Überzeugungsarbeit.

"Als ich noch jung war, wurde ich gedrängt, mich zwischen den beiden Sportarten zu entscheiden. Aber das hat mich nur angespornt, zu beweisen, dass beides möglich ist", erklärt Ledecka.

Ihre Snowboard-Karriere nahm 2011 Fahrt auf, als sie beim European Youth Olympic Festival Gold im Parallel-Riesenslalom gewann. Bei ihrem Weltcup-Debüt im Dezember 2012 fuhr sie auf Anhieb auf Platz 13, zum ersten Mal den Sprung aufs Podest schaffte die zweifache Junioren-Weltmeisterin bei den Rennen in Bad Gastein 2014 mit den Rängen zwei und drei im Parallel-Slalom. Eine Woche später folgte in Rogla der erste von bisher fünf Weltcupsiegen.

„Erwarte keine großen Sprünge“

Seit zwei Jahren widmet sich Ledecka neben dem Snowboarden auch intensiv dem Skifahren. Im vergangenen Herbst trainierte die in Prag Geborene unter anderem mit ihren Landsleuten Ondrej Bank oder Sarka Strachova. Ein Großteil des Geldes, das sie mit dem Snowboarden verdient, wird in die Ski-Karriere investiert. 

„Ich mache Schritt für Schritt, erwarte keine großen Sprünge“, sagt die Allrounderin. „Ich habe nicht so viel Zeit auf Skiern wie die anderen Läuferinnen. In erster Linie geht es darum, Erfahrung zu sammeln.“

Ihr Trainer beschreibt die Weltmeisterin als ehrgeizig und hartnäckig, attestiert ihr Können auch auf zwei „Brettln“. „Sie hat großes Potenzial im Skifahren. Jetzt wird es davon abhängen, ob sie gesund bleibt und wie sie es schafft, alles zu kombinieren.“

Der Traum von Olympia

Ledeckas großes Ziel heißt nämlich Olympia 2018 in Pyeongchang. Dort will die Tschechin in beiden Disziplinen am Start stehen.

"Das ist mein großer Traum", sagt sie. „Ich werde kämpfen und hoffe, dass ich es schaffe.“

„Ich weiß, es klingt wahnsinnig. Das Ganze ist hart und der Weg ist lang. Aber ich liebe es! Ich will die erste sein, die es schafft.“

Ledecka über ihr Olympia-Vorhaben

Bei den Spielen in Sotschi 2014 verhinderten eine Rückenverletzung in der Vorbereitung sowie ein Veto des tschechischen Olympischen Komitees ein Antreten in beiden Sportarten. So trat die Tschechin nur im Parallel-Slalom und –Riesenslalom an und belegte die Plätze sechs bzw. sieben.

„Es klingt wahnsinnig“

Oberste Priorität hat jetzt also, sich in beiden Sportarten für die Spiele in Südkorea in zwei Jahren zu qualifizieren. Das dürfte im Snowboard um einiges einfacher werden als im Skifahren.

„Ich weiß, es klingt wahnsinnig. Die Planung ist ein Riesenaufwand. Das Ganze ist hart und der Weg ist lang. Aber ich liebe es! Es hat noch nie jemand versucht, in diesen zwei Sportarten top zu sein. Ich will die Erste sein, die es schafft“, sagt Ledecka zum „Blick“.

Neben all dem Ehrgeiz darf bei der 20-Jährigen, die nach dem Winter ein Wirtschafts-Studium beginnen will, aber auch der Spaß nicht fehlen. „Wenn ich beim Ski bin, lästere ich aus Spaß über die Boarder. Oder umgekehrt.“

Daniela Kulovits

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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