Härtetest für die Skispringer

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Tournee, Raw Air, WM: Härtetest für Skispringer

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Die Jagd nach Weitenrekorden geht wieder los.

Die Skispringer starten am kommenden Wochenende mit zwei Einzel-Bewerben (Freitag und Samstag) in Ruka (FIN) in die neue Weltcup-Saison.

Der Kampf um Weiten- und Haltungspunkte kann beginnen. 37 Bewerbe (29 Einzel, 8 Team) in 20 Austragungsorten stehen im Super-Winter mit zahlreichen Highlights auf dem Programm.

Welche Neuerungen die Saison bietet, was „Raw Air“ ist und wen man im WM-Winter auf der Rechnung haben muss erfährst du in der großen Saisonvorschau:

Ein Highlight jagt das nächste

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Die Saison 2016/17 ist gespickt mit Höhepunkten. Den Anfang macht traditionell die Vierschanzen-Tournee. Nach sieben ÖSV-Siegen in Folge ging der Tournee-Triumph im letzten Jahr an den Slowenen Peter Prevc. Für die Österreicher geht es also darum, ihr „Revier“ zurückzuerobern. Stichwort Revier: Die ÖSV-Adler müssen sich in dieser Saison mit den zwei Tournee-Springen auf heimischem Boden begnügen, das Skifliegen am Kulm findet in diesem Winter aufgrund terminlicher Probleme nicht statt. Der ÖSV lehnte eine Austragung am Wochenende nach der Vierschanzen-Tournee im Jänner ab, der für März geplante Termin am Kulm ist geplatzt, da der Springertross zu dieser Zeit in Skandinavien weilen wird. Dort findet nämlich die in dieser Saison erstmals ausgetragene Wettkampfserie „Raw Air“ statt. Das norwegische Pendant zur Vierschanzen-Tournee umfasst insgesamt sechs Bewerbe (plus vier Qualifikationen, die ins Ergebnis einfließen) in Oslo, Lillehammer, Trondheim und Vikersund innerhalb von zehn Tagen. “Wir wollen die intensivste und härteste Wettkampfserie durchführen und uns damit auch von der Vierschanzen-Tournee unterscheiden“, erklären die Organisatoren. Zwischen Vierschanzen-Tournee und Air Raw steigt der absolute Saisonhöhepunkt: Die WM in Lahti. In Finnland geht es von 25.2. bis 4.3.2017 um Gold, Silber und Bronze auf der Normal- und Großschanze, jeweils im Einzel und im Team. Apropos Medaillen: Vor der WM macht der Skisprungzirkus noch einen Stop in Pyeongchang, wo erstmals die Schanzen für die Olympischen Spiele 2018 getestet werden.

Die Regeländerungen

Es vergeht kaum ein Sommer, in dem die Verantwortlichen der FIS nicht an den Regeln herumschrauben. In diesem Jahr blieben die großen Reglementänderungen aber aus, es gibt lediglich eine Neuerung, die den Sprunganzug betrifft. Dieser muss um die Hüfte enger sein, der Abstand darf nur noch zwei statt drei Zentimeter betragen. Damit soll in erster Linie verhindert werden, dass manche Springer den Anzug in Richtung Schritt nach unten ziehen, um mehr Fläche in der Luft zu erreichen.

Die ÖSV-Herren

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Die große Frage, die sich aus österreichischer Sicht stellt, ist: Wann feiert Gregor Schlierenzauer sein Comeback und was kann man vom einstigen ÖSV-Superstar erwarten? Nach eigenen Aussagen könnte der Tiroler nach seinem Kreuzbandriss schon vor Weihnachten (Engelberg?) in den Weltcup zurückkehren. Wie konkurrenzfähig der 26-Jährige nach seiner verkorksten letzten Saison samt Verletzung und dem „Neustart“ wirklich ist, ist nur schwer vorauszusagen und wird sich wohl erst im Wettkampf zeigen. Schlierenzauer hat als großes Ziel jedenfalls die WM ausgegeben, eine Teilnahme des zweifachen Gesamtsiegers an der Vierschanzen-Tournee ist unwahrscheinlich. Damit muss das rot-weiß-rote Team zu Saisonbeginn ohne den Tiroler auskommen und die Last liegt wieder auf den Schultern von Stefan Kraft und Michael Hayböck. Hinter dem Duo klafft - Manuel Fettner ausgenommen - aber eine Lücke. Diese gilt es in dieser Saison weiter zu schließen. Das Team von Heinz Kuttin braucht einen vierten Mann, auf den man bei Mannschaftsspringen bauen kann. Manuel Poppinger, der in der Vorsaison vor allem in Teambewerben sein Potenzial abrufen konnte, fällt aufgrund eines Kreuzbandrisses wohl die gesamte Saison aus. Ob ehemalige Leistungsträger wie Andreas Kofler wieder zu alter Stärke zurückfinden, bleibt abzuwarten. Beim Weltcup-Auftakt in Ruka haben hinter Kraft, Hayböck, Fettner und Kofler Clemens Aigner und Markus Schiffner den Sprung in die ÖSV-Mannschaft geschafft. Aigner (23) überzeugte im Sommer-GP immer wieder mit guten Resultaten und Gesamtrang 16, Schiffner (24) setzte sich in der internen Qualifikation gegen Philipp Aschenwald durch. Für sie geht es darum, sich weiter an die Weltspitze heranzutasten. Wie in der Vorsaison, als das österreichische Team hinter Norwegen, Slowenien und Deutschland abgeschlagen auf Rang vier in der Nationenwertung landete, werden die Trainer auch in diesem Winter gefordert sein, das Team auf eine breitere Basis zu stellen und die jungen Athleten noch mehr einzubinden. „In zwei Jahren haben wir die Heim-WM in Seefeld. Und in diese Richtung haben wir einige Schritte eingeleitet. Ich bin mir sicher, dass wir spätestens da ganz vorne mitmischen werden“, meint Kuttin bei "Servus TV".

Die Konkurrenz

In dieser Saison wird der große Gejagte wohl wieder Peter Prevc heißen. Der Slowene räumte in der vergangenen Saison mit dem Sieg bei der Tournee und im Gesamtweltcup sowie Gold bei der Skiflug-WM am Kulm fast alles ab und dürfte auch im kommenden Winter das Maß aller Dinge sein. "So eine Saison geht nicht zwei, drei Mal hintereinander. Das kann ich mir nicht vorstellen", glaubt Kraft allerdings nicht, dass der Dominator des letzten Winters neuerlich so überlegen sein wird. Gespannt darf man auch sein, ob Peter Prevc‘ kleiner Bruder Domen an die guten Ergebnisse aus dem Vorjahr anschließen kann. Auch das norwegische Team von Alex Stöckl rund um Kenneth Gangnes, Johan Andre Forfang, Daniel-Andre Tande und Anders Fannemel muss man ganz oben auf der Rechnung haben. Severin Freund ist nach überstandener Bandscheibenverletzung wohl ebenso nicht außer Acht zu lassen wie die „üblichen Verdächtigen“ Simon Ammann, Richard Freitag, Kamil Stoch, Roman Koudelka und Altmeister Noriaki Kasai, der mit 44 Jahren in seine 28. Weltcup-Saison geht.

Die ÖSV-Damen

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Für die ÖSV-Damen geht es darum, die mannschaftlich starke Leistung der Vorsaison mit den Gesamträngen zwei (Iraschko-Stolz), vier (Seifriedsberger) und fünf (Hölzl) zu bestätigen. Insgesamt konnten die Österreicherinnen 17 Podestplätze erspringen und sicherten sich den Sieg im Nationencup. Aushängeschild und Teamleaderin Daniela Iraschko-Stolz musste sich im Sommer allerdings einer Meniskusoperation unterziehen und einmal mehr eine mehrwöchige Pause einlegen. Dennoch ist ihr zuzutrauen, dass sie Gesamtweltcupsiegerin Sara Takanashi wieder fordern kann. Auch bei der WM, wo die Damen von der Normalschanze über den Bakken gehen, wird es die Japanerin sein, die es zu schlagen gilt.

Daniela Kulovits

PS: Um in jeder Hinsicht für den Saison-Start gerüstet zu sein, präsentieren die Springer rechtzeitig vor dem Auftakt in Finnland sogar ihren eigenen Song...


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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