ÖSV-Adler: Abschied vom alten Gefühl

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Die Skispringer heben am kommenden Wochenende in Wisla (POL) in die neue Saison mit dem Höhepunkt Heim-WM ab.

Für die ÖSV-Adler und Cheftrainer Andreas Felder, der seit Mai im Amt ist, ist es das erste Kräftemessen mit der internationalen Konkurrenz. Am Samstag (16 Uhr) steht in Wisla ein Teambewerb, am Sonntag (15 Uhr) ein Einzelspringen auf dem Programm.

"Das Gefühl sagt mir, dass wir nicht so schlecht drauf sind. Aber wir müssen schauen, was das im Wettkampf wert ist", sagt Felder nach den ersten Trainingseinheiten auf Schnee in Falun der APA.

Der Ex-Weltmeister und -Weltcupsieger aus Absam hat sich Florian Schabereiter, mit dem er schon seit vier Jahren kooperiert, und Florian Liegl als Assistenten geholt. Das Team hat ein klares Leitbild für den optimalen Sprung vorgegeben. Der Einsatz der Coaches geht so weit, dass sie sich auf Trainingskursen gemeinsam im Dreibettzimmer einquartieren, damit ein ständiger Austausch möglich ist.

Felder: "Vom alten Gefühl verabschieden"

Dass er selbst Erfahrungen als sehr erfolgreicher Springer gesammelt habe, wirke sich positiv aus, erklärt Felder. "Man kann sich so gut reinversetzen in die Athleten. Denn für sie ist es eine besondere Belastung."

Er weiß daher auch um die Schwierigkeiten, die eine Technik- oder Material-Änderung für den individuellen Sprung bedeutet. "Man muss sich vom alten Gefühl und alten Mustern verabschieden. Das ist vor allem eine Herausforderung für Springer, die schon lange im Geschäft sind."

Ob das gelungen ist, wird sich in Wisla weisen. "Wir wollen möglichst erfolgreich in den Weltcup starten, damit wir gleich Selbstvertrauen tanken. Wo man wirklich steht, das weiß man meistens erst nach zwei oder sogar drei Bewerben, weil sich auch die anderen Mannschaften erst finden müssen. Es gibt nur wenig Vorbereitungszeit auf Schnee, der Auftakt kommt immer sehr früh und hat seine eigenen Regeln", weiß Felder.

Kraft: "Da ist eine richtige Philosophie drinnen"

Nach den Enttäuschungen bei den Olympischen Spielen, wo die ÖSV-Adler ohne Medaille blieben, und einer Saison ohne Weltcupsieg hatte sogar Doppel-Weltmeister Kraft zu zweifeln begonnen. Nun fühlt sich der 25-jährige Weltcupsieger von 2016/17 auf dem Weg zurück zu alter Stärke.

"Ich bin zufrieden mit der Vorbereitung und ich glaube, dass sehr gut gearbeitet wurde. Es ist in allen Bereichen viel weitergegangen. Material. Sprungtechnik. Kraftübungen. Auch die Kommunikation stimmt. Ich habe das Gefühl, dass da eine richtige Philosophie drinnen ist. Jeder redet von einer Technik, von der ich auch überzeugt bin, dass sie richtig ist", betont der 25-Jährige.

Seinen Stil habe er nicht viel ändern müssen, aber versucht, ihn weniger risikoreich und damit konstanter anzulegen, sagt Kraft. "Ich habe geschaut, dass es, egal bei welchem Wind, funktioniert."

Eine Regeländerung - die Springer werden nun ohne Sprungstiefel gewogen - führt dazu, dass sie entweder Gewicht zunehmen oder kürzere Ski verwenden müssen, um die Vorgabe zu erfüllen. Die Tendenz ging allgemein zu kürzeren Skiern. Kraft hat ein Mittelmaß gewählt, 0,5 kg zugenommen und die Ski sind 1 cm kürzer. "Damit bin ich gut dabei", glaubt der Salzburger.

Seine Ziele für den Auftakt auf einer seiner Lieblingsschanzen formulierte der Gesamt-Vierte des vergangenen, für das ÖSV-Team sieglosen Winters vorsichtig. "Ich freue mich riesig auf den Auftakt und ich denke schon, dass ich gut drauf bin. Ich hoffe schon, dass ich gleich wieder konstant in die Top Ten springen kann", sagt Kraft. "Natürlich möchte ich heuer auch wieder ganz oben stehen, das ist ganz klar, aber jetzt ist einmal gut reinstarten wichtig."

Schlierenzauer: "Trainerteam hat Vieles richtig gemacht"

Krafts Zimmerkollege Michael Hayböck gibt sich vor dem Auftakt etwas zurückhaltender. "Ich bin schon gespannt, wo wir in Wisla landen werden. Für das haben wir den ganzen Sommer trainiert. Auch wenn ich ehrlich sagen muss, dass ich mir nicht allzu viel vornehme. Ich möchte einfach konzentriert in die Saison starten und mir nachher nicht vorwerfen, dass mehr drin gewesen wären. Voller Fokus und dann sehen wir ja, wo wir stehen."

Ähnlich legt es Gregor Schlierenzauer an, bei dem die Vorfreude auf den Saisonstart "riesengroß" ist. "Die Vorbereitung war spannend. Ich glaube, dass das neue Trainerteam Vieles richtig gemacht hat. Ich für meinen Teil versuche locker zu bleiben und möchte mich selbst überraschen lassen, was in Wisla passiert. Im Training sehe ich, dass ich noch nicht ganz dort bin, wo ich gerne wäre. Aber es gibt auch viel Positives. Das muss jetzt von Sprung zu Sprung kommen."

Gespannt darf man sein, wie sich Daniel Huber in diesem Winter schlägt. Der 25-Jährige hat beim Sommer-GP aufgezeigt, sogar ein Springen gewonnen.

"Wie die Meisten im Team, habe auch ich im Sommer an meiner Sprungtechnik gearbeitet und viel verändert. Mein Ziel für den Auftakt ist es jetzt, davon möglichst viel umzusetzen. Wenn das gelingt, dann weiß ich, dass am Ende auch ein gutes Ergebnis rausschaut. Das Bauchkribbeln ist auf jeden Fall voll da. Die Vorfreude ist riesig. Wisla ist immer ein toller Auftakt. Ich bin schon sehr gespannt", sagt Huber.

Felder: "Das ist fast unmöglich"

Die Heim-WM in Seefeld und Innsbruck ist für die Athleten noch weit weg. Um bei der Vierschanzentournee und dann bei der WM ab 19. Februar auch wirklich in Topform zu sein, brauche es auch etwas Glück, gibt Felder zu.

Denn in dem komplexen Sport Skispringen könne man anders als in einer reinen Ausdauer- oder Kraftsportart die Form kaum steuern, weil auch das Gefühl sehr stark involviert sei. "Die Form bei so vielen Wettkämpfen über die gesamte Saison zu halten, ist fast unmöglich. Man muss schauen, dass man gut regeneriert zu den wichtigen Wettkämpfen kommt", betont der Tiroler.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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