Walchhofer: "Diese Abfahrt kann Hirscher gewinnen"

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Michael Walchhofer traut Marcel Hirscher alles zu.

Auch einen möglichen Wechsel in den Speed-Bereich nach den Olympischen Spielen 2018, über den immer wieder spekuliuert wird, hält der Abfahrts-Weltmeister von 2003 für machbar. "Bei ihm würde ich niemals nie sagen. Dafür hat er schon zu oft gezeigt, was auf zwei Ski möglich ist", begründet der 41-Jährige.

Auf gewissen Abfahrts-Strecken würde der 14-fache Abfahrts-Weltcupsieger seinem Salzburger Landsmann in Zukunft sogar einen Sieg zutrauen.

Welche Strecken das sein könnten, warum ein Wechsel von Hirscher in den Spped-Bereich "der Hammer" wäre, wieso seit ihm kein Österreicher Abfahrts-WM-Gold gewinnen konnte, ob er als ÖSV-Vize-Präsident der Nachfolger von Peter Schröcksnadel als ÖSV-Boss werden will und vieles mehr erzählt Michael Walchhofer im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: 2003 haben Sie sich in St. Moritz zum Abfahrts-Weltmeister gekürt – wie frisch sind die Erinnerungen noch?

Michael Walchhofer: Mir geht es natürlich prächtig, wenn ich hier herkomme. Vor allem, wenn ich über die Piste rutsche, weil sie in einem sensationellen Zustand ist. Die Erinnerungen habe ich eher auf der Piste. Damals hatte ich den vollen Fokus auf das Rennen, da interessiert dich kein VIP-Zelt oder Sonstiges. Heute schaue ich dort auch manchmal vorbei, weil mich interessiert, wie sie das im Vergleich zu uns in Österreich machen. Du siehst dir das Ski-Gebiet an, die Hotels. Deshalb ist mein Blick ganz anders geworden.

LAOLA1: Sie haben einmal gesagt, Sie hätten damals schon während der Fahrt gewusst, dass es Gold wird. Stimmt das?

Walchhofer: Ich wurde damals vor der WM viermal Zweiter, hatte dabei aber immer einen Schnitzer. Ich wusste, wenn ich es fehlerfrei hinunterbringe, bin ich ganz vorne dabei. Im Training war ich bei den Teilzeiten stark. Als ich im Rennen die Passagen Mauer und Felsen so genau erwischt habe, dachte ich mir 'das war es jetzt, genau so wollte ich es fahren'. Beim letzten Sprung war mir klar, dass das nicht besser gehen würde. Und ich sollte recht behalten.

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(Interview wird unterhalb fortgesetzt)

LAOLA1: Wie hat sich St. Moritz in den letzten 14 Jahren entwickelt?

Walchhofer: Ich glaube eigentlich gar nicht so viel. Das Hotel sieht immer noch gleich alt aus, es war damals schon renovierungsbedürftig. Die Preise sind auch nicht geringer geworden, eher noch höher. Das Ski-Gebiet war damals auch schon ganz ordentlich, da stehen sie Zauchensee nicht viel nach (lacht).

LAOLA1: Der Skisport an sich hat sich aber schon weiterentwickelt. Ist heute alles noch brutaler als damals?

Walchhofer: Das ist schwer zu beurteilen. Der Sport entwickelt sich stets weiter, die Athleten ebenso. Ich würde aber nicht sagen, dass es brutaler ist. Der große Unterschied ist, dass es heute viel mehr Aufsehen erweckt, wenn etwas passiert. Wenn es damals jemanden geschmissen hat, ist eben jemand gestürzt. Er wurde mit dem Hubschrauber abtransportiert, daraus wurde keine große Sache gemacht. Heute entsteht ein riesiger Zirkus, alles wird dramatisiert. Das bringt die heutige Zeit mit sich.

LAOLA1: Sie sind nach wie vor der letzte Abfahrts-Weltmeister aus Österreich. Woran liegt es, dass es in den letzten Jahren nicht gereicht hat?

Walchhofer: Es gibt nicht viele Möglichkeiten, eine WM findet ja nur alle zwei Jahre statt. Ich will nicht sagen, dass es Zufall oder Pech ist – aber am Tag X muss eben alles passen. Wir hatten zum Beispiel vor zwei Jahren in Beaver Creek eine schlagkräftige Truppe. Es wurde zwar Gold im Super-G durch Hannes Reichelt, in der Abfahrt hat es aber nicht gereicht. Dann bist du gleich einmal weit hinten, das geht bei vier Läufern schnell. Wir waren nicht immer gleich schlagkräftig. Es gab Zeiten, da wäre es ein Wahnsinn gewesen, wenn wir keine Medaille gemacht hätten.

"Der große Unterschied ist, dass es heute viel mehr Aufsehen erweckt, wenn etwas passiert. Wenn es damals jemanden geschmissen hat, ist eben jemand gestürzt. Er wurde mit dem Hubschrauber abtransportiert, daraus wurde keine große Sache gemacht. Heute entsteht ein riesiger Zirkus, alles wird dramatisiert. Das bringt die heutige Zeit mit sich."

LAOLA1: Ist die Öffentlichkeit noch immer zu verwöhnt von früheren Zeiten, als es außergewöhnlich viele starke ÖSV-Läufer auf einmal gab?

Walchhofer: Naja, unser Anspruch muss gleich bleiben. Unsere Anforderung muss es ganz einfach sein, eine Abfahrts-Medaille zu holen. Sonst läuft etwas ganz falsch. Österreich muss um Gold-Medaillen mitfahren, das ist zwingend notwendig.

LAOLA1: Wie schätzen Sie die Chancen der Österreicher am Samstag ein?

Walchhofer: Ich denke, unsere Läufer haben gute Chancen. Vincent Kriechmayr hat im Training gezeigt, dass er einen Wahnsinns-Speed hat. Das ist sehr beachtlich. Max Franz ist im Training nie so richtig zurecht gekommen, das wundert mich aber. Eigentlich müsste es ihm hier sehr gut liegen, das sollte er im Rennen beweisen. Hannes Reichelt hat die nötige Routine, das Können sowieso.

LAOLA1: Womöglich beendet ja auch Marcel Hirscher in Zukunft die Negativ-Serie bei WM-Abfahrten. Es wird immer wieder spekuliert, dass er nach den Olympischen Spielen 2018 auf den Speed-Bereich umsteigen könnte. Halten Sie das für realistisch?

Walchhofer: Marcel hat ja bereits im Super-G gezeigt, welches Gefühl er bei Übergängen hat. Zum Beispiel beim Kombi-Super-G in Santa Caterina, das war große Klasse. Es ist mir unerklärlich, wie er so viele Jahre konstant ein derart hohes Niveau durchziehen kann. So gesehen würde ich es verstehen, wenn er sich neue Reize suchen würde. Für den Skisport wäre es der Hammer, wenn dieser neue Reiz die Speed-Bewerbe wären.

LAOLA1: Sie wissen aus Ihrer eigenen Erfahrung, was es braucht, um Abfahrten zu gewinnen. Würden Sie ihm zutrauen, eines Tages eine Abfahrt zu gewinnen?

Walchhofer: Auf gewissen Abfahrten würde ich ihm das zutrauen, zum Beispiel in Bormio. Die wird nächstes Jahr wieder im Weltcup sein, dort könnte er um den Sieg mitfahren. In Wengen ist es sicher schwieriger, da benötigt es viel Training. Wobei: Wer hätte gedacht, dass jemand fünf Mal – bald sechs Mal – in Folge den Gesamtweltcup gewinnen kann? Deswegen würde ich bei Marcel niemals nie sagen. Dafür hat er schon zu oft gezeigt, was auf zwei Ski möglich ist.

LAOLA1: Sie selbst sind Vize-Präsident des ÖSV. Wie sieht diese Rolle genau aus?

Walchhofer: Im Präsidium sind wir immer wieder damit konfrontiert, wie sich der Skiverband weiterentwickelt. In verschiedenen Sportarten, in der Jugend, in den Disziplinen. Wir müssen für die Zukunft gerüstet sein. Deshalb versuche ich, bei Veranstaltungen zu sehen, wie es bei anderen Nationen läuft. Viel passiert im Dialog, ich kenne sehr viele Leute anderer Nationen gut. Jeder macht gewisse Sachen gut, andere nicht so gut. Ich versuche, von überall die guten Sachen mitzunehmen und bei uns einfließen zu lassen. Es spielt aber auch viel Sport-Politik mit, da gibt es Veränderung oft nur in kleinen Schritten. Das ist mit Geduld verbunden, die man als Sportler oft nicht hat. Das war und ist eine große Umstellung für mich, aber ich war immer schon lernfähig.

LAOLA1: ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat zuletzt eine gewisse Struktur-Reform angekündigt. Wie stehen Sie dazu?

Walchhofer: Grundsätzlich sehe ich seine Vorgehensweise meistens sehr positiv. Er ist immer in Bewegung, das ist für einen Verband brutal wichtig. Kleine und große Veränderungen wird es immer wieder brauchen. Zum Glück ist er dazu bereit.

LAOLA1: Ewig wird aber auch er nicht ÖSV-Boss bleiben können, immerhin ist er bereits 75 Jahre alt. Haben Sie die Ambitionen, ihm nachzufolgen?

Walchhofer: Es wird auf dieser Position sicher in absehbarer Zeit eine Veränderung geben. Gerade in nächster Zeit ist das aber sicher kein Ziel von mir, weil ich auch mit anderen Projekten wie meinen Hotels viel beschäftigt bin. Also habe ich diese Ambitionen nicht.


Der Verletzungsteufel hat auch in diesem Winter wieder erbarmungslos zugeschlagen. Diese Stars verpassen die am 6. Februar beginnende 47. Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz:

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Eva-Maria Brem: Österreichs Damen-Team hat es mit drei Ausfällen besonders hart erwischt.  Brem zog sich im November beim Training am Pass Thurn einen Schien- und Wadenbeinbruch im linken Bein zu. Damit war die Saison für die 28-jährige Tirolerin zu Ende. Für das Riesentorlauf-Ass war es die zweite Verletzung dieser Art nach 2010.

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Cornelia Hütter: Das rot-weiß-rote Speed-Ass zog sich Anfang Jänner im Super-G-Training in Saalbach einen Kreuzbandriss sowie einen Riss im Innen- und Außenminiskus im rechten Knie zu. Damit muss auch Österreichs Medaillen-Hoffnung in der Abfahrt bei den Titelkämpfen in der Schweiz zuschauen.

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Lotte Smiseth Sejersted: Die 25-jährige Norwegerin zog sich bereits im November bei einem Trainingssturz in Colorado Bänderrisse im Knie zu und musste operiert werden.

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Nadia Fanchini: In Zauchensee kam die Italienerin schwer zu Sturz und brach sich den rechten Oberarm sowie Wirbelfortsätze im Lendenwirbelbereich.

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Edit Miklos: Auch die Ungarin erwischte es im Training zur Zauchensee-Abfahrt. Eine Patellarluxation im rechten Knie plus Abriss des Retinakulums und Bänderrisse im linken Knie setzen sie außer Gefecht.

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Carmen Thalmann: Die Kärntnerin zog sich im November im Slalom-Training in Copper Mountain einen Riss des vordere Kreuzbandes im linken Knie zu und musste die Saison ebenfalls forzeitig beenden. Damit muss die 27-jährige Team-Weltmeisterin von Schladming weiter auf ihren ersten Einzel-Podestplatz bei einem Groß-Event warten.

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Ted Ligety: Mit dem US-Amerikaner fehlt auch ein Titelverteidiger. Ligety kehrte in Sölden nach einem Kreuzbandriss in den Weltcup zurück, plagte sich aber mit Rückenbeschwerden. Nach Alta Badia war für den 32-Jährigen die Saison vorbei – im Jänner unterzog sich einer Bandscheiben-Operation.

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Aksel Svindal: Der Norweger feierte nach seinem schweren Sturz in der Kitzbühel-Abfahrt 2016 ein beeindruckendes Comeback. Nach Platz zwei in Gröden machte Svindal das rechte Knie erneut zu schaffen. Eine MRI-Untersuchung brachte eine schwere Meniskus-Verletzung zu Tage. Operation und Saison-Ende waren die Folgen.

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Fritz Dopfer: Der deutsche Slalom-Vize-Weltmeister kann wegen eines Schien- und Wadenbeinbruchs, den er sich im November vergangenen Jahres im Training zugezogen hat, nicht an den WM-Start gehen.

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Steven Nyman: Der US-Amerikaner kam in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen zu Sturz und erlitt eine schwere Knieverletzung. Damit ist sein Medaillen-Traum kurz vor der WM geplatzt.

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Valentin Giraud Moine: Der 25-jährige Franzose hat es in Garmisch besonders schwer erwischt.  Der Abfahrs-Zweite von Kitzbühel zog sich Bandverletzungen an beiden Kniegelenken sowie Luxationen beider Kniegelenke. Ein Karriere-Ende droht.

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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