Pinturault: "Ganz fair ist der Kalender nicht"

Pinturault: Foto: © GEPA
 

Alexis Pinturault hat mit dem Gesamtweltcupsieg im Vorjahr eines seiner große Karriere-Ziele erreicht.

Sowohl für die neue Weltcup-Saison, als auch die Olympischen Spiele hat sich der Franzose Großes vorgenommen. Der erstmalige Gewinn der großen Kugel habe die Wahrnehmung und Erwartungshaltung ein wenig geändert, erklärt der 30-Jährige vor dem Saison-Auftakt in Sölden.

"Ich will immer noch schnell sein und Rennen gewinnen. Aber ich habe den Gesamtweltcup schon einmal gewonnen, sehe es nun vielleicht etwas anders. Ob es nun leichter wird, ihn nochmals zu gewinnen, diese Frage kann ich nicht beantworten. Aber ich glaube, dass der Wettkampf um die Kugel annähernd der gleiche sein wird. Du musst immer bereit sein, das Beste geben, Rennen für Rennen und um den Sieg mitstreiten."

Pinturault schlägt Streichresultate wie im Biathlon vor

Die Veränderungen im Weltcupkalender mit der ausgeglichenen Anzahl an Speed- und Technikrennen wird ihm manche Entscheidungen erleichtern. "Nehmen wir zum Beispiel Beaver Creek her, da hatten wir Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf. Wenn du auf den Super-G bestens vorbereitet sein wolltest, musstest du auch die Abfahrtstrainings machen, durftest aber die Riesentorlauf-Vorbereitung nicht vernachlässigen. Dieses Problem stellt sich nun nicht mehr, wir können uns auf Speed- oder Technikwochenende konzentrieren. Es eröffnet mir die Möglichkeit, auch an Abfahrten teilzunehmen."

Die Weltcup-Stationen in Übersee wurden mit zwei Abfahrten und einem Super-G in Lake Louise sowie zwei Super-G und einer Abfahrt in Beaver Creek zu reinen Speed-Veranstaltungen. Das hat freilich auch mit dem Covid-19-Präventionskonzept zu tun, mit dem man im Weltcup die Athletenfelder weitgehend getrennt halten will.

"Hundert Prozent fair ist es nicht, das wäre es nur, wenn du neun Rennen in jeder Disziplin hast. Es wäre auch ein interessanter Gedanke, vielleicht zwei Streichresultate wie im Biathlon zu haben."

Pinturault über den Weltcup-Kalender

Und ganz so ausgeglichen sieht Pinturault den Weltcup ohnehin nicht, denn anders als bei den Frauen, wo es jeweils neun Rennen in den vier Disziplinen gibt, fahren die Männer auf 18 Schauplätzen elf Abfahrten, sieben Super-G, acht Riesentorläufe und zehn Slaloms. "Hundert Prozent fair ist es nicht, das wäre es nur, wenn du neun Rennen in jeder Disziplin hast. Es wäre auch ein interessanter Gedanke, vielleicht zwei Streichresultate wie im Biathlon zu haben."

Jedes der 37 Rennen wird Pinturault nicht in Angriff nehmen, er werde Entscheidungen treffen, Pausen einlegen, ein paar Super-G und mehrere Abfahrten auslassen. Im ersten Saisondrittel hat er nach Sölden freilich das Parallelrennen in Lech/Zürs sowie auch die Kanada- und US-Station eingeplant, ehe er in Val d'Isere ein Heimspiel genießt. "Auch wenn ich keine so großen Erwartungen in Lake Louise habe, so kann es eine gute Vorbereitungswoche für die Speed-Events werden", begründet er den Reiseplan.

Pinturault: "Ich musste wirklich vom Skifahren weg"

Nach dem Erreichen des großen Ziels Gesamtweltcup hat er längere Zeit gebraucht, um die Motivation wiederzufinden, erzählt Pinturault. Ende August sei er bereit gewesen, auf die Ski zurückzukehren. Die Erholung sei ganz wichtig gewesen.

"Ich musste wirklich vom Skifahren weg, von der ganzen Situation. Denn nach zwei Jahren ohne wirklichen Urlaub, weil man ja im Vorjahr nicht richtig reisen konnte, waren die Ferien wichtig."

Die neue Motivation sei dann auch ob der kommenden Olympischen Spiele in Peking rasch gefunden worden. "Auch wenn es mir ein wenig Angst machen, wie das in Peking werden wird. Drei Wochen können lang werden, wenn du nur im Zimmer oder auf der Piste sein darfst."

Dass die alpine Kombination bei den Winterspielen in China ihren Abgesang geben wird, damit habe er sich noch nicht beschäftigt, meint der Kombi-Weltmeister von 2019. Aber auch wenn die Kombination "Teil der Geschichte des Sport ist" und "so viele große Namen" sie gewonnen haben: "Ich sage nicht, dass es gut ist, dass es keine Kombination mehr geben wird. Aber wir müssen uns vorwärtsbewegen. Ist es die richtige Richtung? Die Zukunft wird es zeigen. Vielleicht gibt es andere Möglichkeiten, Disziplinen zu kombinieren."

Pinturault: "Das wäre ein Desaster"

Er sei offen für Neues, aber man dürfe nicht aus dem Auge verlieren, dass es beim Gesamtweltcup um die Vielseitigkeit geht. "Es geht um mehr, als nur darum, nur eine Disziplin zu fahren. Das wäre ein Desaster, dann würde der Gesamtweltcup an Wert verlieren."

Sicher ist er sich auch dabei, dass es keinesfalls mehr Rennen werden sollten. "Alle Athleten sagen, wir haben zu viele Rennen." Auch der aktuelle Kalender sei nicht voll machbar. "Wenn ein Athlet bei jedem Rennen bei hundert Prozent ist, niemals müde, dann bedeutet das, dass er mit ein paar Regeln kämpft, würde ich sagen."


Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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