Schwere Vorwürfe gegen Ex-ÖSV-Coach Kahr

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Unmittelbar vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Pyeongchang tauchen neue, schwere Vorwürfe über Missbrauchsvorfälle im ÖSV auf.

Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" schildern mehrere Frauen schwere sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung durch Trainer, Serviceleute, Funktionäre, in Leistungskadern und in Ski-Internaten.

In den Erklärungen der Frauen taucht mit Karl "Charly" Kahr ein bisher nicht in diesem Zusammenhang genannter Name auf. Zudem fällt auch der Name Toni Sailer erneut.

Kahr war einst selbst Skirennläufer und von 1966 bis 1970 Trainer der ÖSV-Damen. Die "Süddeutsche Zeitung" hat Kahr mit Details zu drei konkreten Vorwürfen konfrontiert, die von zu zwei Frauen erhoben wurden.

Über einen Anwalt lässt Kahr mitteilen, dass "die gegen meinen Mandaten erhobenen Vorwürfe samt und sonders aus der Luft gegriffen sind und kein einziger der von Ihnen genannten Vorfälle jemals stattgefunden hat."

Auch der ÖSV gibt an, nichts von den Vorwürfen gegen Kahr zu wissen.

"Er war ganz sicher nicht betrunken"

Die ehemaligen Sportlerinnen, deren Namen nicht genannt werden, haben eidesstattliche Erklärungen abgegeben. Demnach habe Kahr Ende der 1960er-Jahre eine Sportlerin, die damals 16 Jahre alt war, vergewaltigt.

"Ich habe schon geschlafen, da ist Kahr auf einmal ins dunkle Zimmer gekommen und hat mich vergewaltigt. Ich habe ihn erst bemerkt, als er schon auf mir lag. Er war ganz sicher nicht betrunken. Ich hätte mich wehren sollen. Aber das traust du dich in dem Moment nicht. Er war mein Trainer, du hast zu ihm aufgeschaut als 16-jähriges Mädchen", wurde die Skirennläuferin in der "SZ" zitiert.

Eine zweite Ex-Skirennläuferin erklärte ebenfalls in einer eidesstattlichen Erklärung, dass Kahr sie im Winter 1976 im Rahmen des Weltcups in Quebec vergewaltigen wollte.

Kahr: "Mir bleibt nichts erspart"

Sie sei vom damals bereits als Herren-Cheftrainer arbeitenden Steirer mit den Worten "Heut' kommst du dran!" in ein Zimmer gezerrt worden, habe aber ins Bad flüchten können, wo sie sich einsperrte und später flüchtete. Kahr sei damals wie der ebenfalls im Zimmer anwesende Toni Sailer schwer betrunken gewesen. Die Betroffene hatte ihre Geschichte schon im November im "Standard" erzählt, damals ohne Namen zu nennen.

Die ÖSV-Trainerlegende Kahr erlangte als "Downhill-Charly" Berühmtheit. Mit Österreichs Abfahrern holte der heute 85-Jährige ab 1972 große Erfolge, Franz Klammer gewann 1976 in Innsbruck Olympisches Gold.

Sein Anwalt sprach in der "SZ" von "verleumderische Behauptungen", die Vorwürfe seien aus der Luft gegriffen. Kahr selbst wurde Donnerstag von der "Kleinen Zeitung" mit den Vorwürfen konfrontiert. "Mir bleibt nichts erspart. So etwas brauchst im Leben und das mit 86 Jahren", wurde er in der Online-Ausgabe zitiert.

Anwalt: "Das ist glatte Verleumdung"

Manfred Ainedter, der Anwalt von Charly Kahr, meinte zu den Missbrauchsvorwürfen gegenüber der APA: "Das ist glatte Verleumdung. Tatsache ist, es ist nicht wahr."

Außerdem sagt der Rechtsanwalt: "Es ist kein Zufall, dass so etwas kurz vor Beginn der Olympischen Spiele veröffentlicht wird. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass auf diesem Wege versucht wird, auf die österreichische Mannschaft Einfluss zu nehmen."

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.


Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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