Warum Manuel Feller einen Shitstorm erwartete

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Manuel Feller machte sich nach seinem Ausfall im Hahnenkamm-Slalom auf Negativ-Schlagzeilen gefasst.

Er dachte, sein grün gefärbter Schnurrbart könnte ihm zum Verhängnis werden. "Ich wusste schon, dass ich der König sein kann, wenn es aufgeht – und der Volltrottel wenn es in die Hose geht. Ich bin ja auch nicht dumm", sagt der 24-Jährige.

"Ich war ehrlich gesagt sogar verwundert, dass die Medien es nach meinem Ausfall so positiv aufgefasst haben. Ich hätte mit einem größeren Shitstorm gerechnet."

Ob er sich den Bart erneut färben wird, warum er bei einer WM-Nominierung ein schlechtes Gewissen haben könnte, wieso Marcel Hirscher der britische Kitz-Sensationsmann David Ryding angezipft hat und vieles mehr verrät Manuel Feller im Interview.

Frage: Hast du die Enttäuschung von Kitzbühel schon halbwegs verdaut?

Manuel Feller: Die Enttäuschung war schon sehr groß, aber es nutzt nichts - man muss ohnehin nach vorne blicken. Lustig ist es momentan nicht, vor allem wenn man so gut drauf ist und weiß, dass man eigentlich schnell genug ist um ganz vorne mitzufahren. Es schleicht sich schon auch Ratlosigkeit ein, weil ich im Training so gut wie nie einfädle. Auf der anderen Seite war es vielleicht noch nie so einfach wie jetzt. Die Wettquote, dass ich ins Ziel komme ist sicher höher als die auf einen Einfädler. Deswegen muss ich einfach befreit fahren, schlimmer als noch einmal einzufädeln kann es nicht sein.

Frage: Ist Ratlosigkeit nicht eines der unangenehmsten Gefühle für einen Sportler?

Feller: Absolut. Wenn ich immer am Innenski ausrutschen würde, könnte ich mich etwas umstellen. Bei einem Einfädler ist es anders, der kann immer passieren. Da kommt es auf Zentimeter an.

Das Nightrace in Schladming ist legendär! Das sind die bisherigen Gewinner:

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Den ersten Nachtslalom auf der Schladminger Planai 1997 gewinnt Alberto Tomba. "La Bomba" fängt Halbzeit-Leader Thomas Stangassinger noch ab, Sebastien Amiez (FRA) wird Dritter. 

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Tomba hatte ein siegloses Jahr hinter sich, beim Nightrace 1998 schlug er wieder zu. Und wieder hatte ein Österreicher das Nachsehen, diesmal Thomas Sykora. Hans-Petter Buraas (NOR) wurde Dritter.

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1999 gab es den ersten österreichischen Triumph in Schladming. Benjamin Raich fuhr von Rang 23 nach Lauf 1 noch zu seinem ersten Weltcupsieg vor Pierrick Bourgeat (FRA) und Kjetil Andre Aamodt (NOR) und wurde von 35.000 Fans gefeiert. 

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Ein Jahr später jubelten die österreichischen Fans erneut: Mario Matt schlug 2000 nach seinem Sieg in Kitzbühel auch in Schladming zu und verwies Ole-Christian Furuseth (NOR) und Thomas Stangassinger auf die Plätze. 

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2001 stand erneut Benjamin Raich ganz oben am Podest. Der Pitztaler gewann binnen zehn Tagen in Wengen, Kitzbühel und Schladming. Dort setzte er sich vor Buraas (NOR) und Mitja Kunc (SLO) durch. 

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Im Startnummern-Rennen von 2002 setzte sich im Regen und bei weicher Piste Bode Miller durch. Der US-Amerikaner siegte vor Jean-Pierre Vidal (FRA) und Ivica Kostelic (CRO). 

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2003 war die Planai in finnischer Hand. Kalle Palander triumphierte nach Kitzbühel auch in Schladming. Benni Raich und Hans-Petter Buraas (NOR) komplettierten das Podest. 

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2004 stand Benni Raich wieder ganz oben. Der Tiroler, mit über einer Sekunde Rückstand Dritter nach Lauf 1, verwies Manfred Mölgg (ITA) und Kalle Palander (FIN) auf die Plätze. 

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"Ich glaube, ich bin im falschen Film", meinte Manfred Pranger nach seinem ersten Weltcupsieg 2005. Mit ihm feierten Benni Raich und Andre Myhrer (SWE). 

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Drei Jahre nach seinem ersten Schladming-Sieg stand Kalle Palander 2006 wieder ganz oben. Diesmal siegte er überraschend vor dem Japaner Akira Sasaki und Benni Raich. 

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2007 wurde in Schladming erstmals die Marke von 50.000 Zuschauern geknackt. Die tobende Masse wurde belohnt: Benni Raich feierte seinen vierten Sieg beim Nightrace vor Jens Byggmark (SWE) und Teamkollege Mario Matt. 

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Im Jahr darauf stand Matt dann ganz oben. Vor 55.000 Fans triumphierte der "Adler vom Arlberg" vor Jean-Baptiste Grange (FRA) und Manfred Mölgg (ITA). 

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Die 13. Auflage des Nightrace 2009 brachte den ÖSV-Herren alles andere als Unglück. Reinfried Herbst und Manfred Pranger sorgten für einen Doppelsieg, Ivica Kostelic (CRO) wurde Dritter. 

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2010 wiederholte Reinfried Herbst seinen Triumph aus dem Vorjahr. Er siegte vor Silvan Zurbriggen (SUI) und Manfred Pranger und ist neben Tomba der einzige, der seinen "Titel" in Schladming verteidigen konnte. 

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2011 hieß der Sieger erstmals Jean Baptiste Grange. Der Franzose triumphierte auf der Planai vor dem Schweden-Duo Andre Myhrer und Mattias Hargin. Für den ÖSV setzte es ein Debakel.

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2012 schlugen die Hausherren wieder zu. Marcel Hirscher feierte vor beeindruckender Kulisse seinen ersten Sieg beim Nightrace. Mario Matt wurde hinter Stefano Gross (ITA) Dritter. 

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2013 legte das Nightrace eine WM-Pause ein. Der Sieger beim WM-Slalom auf der Planai in Schladming hieß aber erneut Marcel Hirscher. 

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2014 feierte Henrik Kristoffersen in Schladming seinen ersten Weltcupsieg. Der Norweger triumphierte vor Marcel Hirscher und Felix Neureuther (GER). Halbzeit-Leader Mario Matt fädelte beim 3. Tor ein. 

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2015 stand erstmals beim Nachtslalom ein Russe ganz oben. Alexander Khoroshilov überraschte mit seinem ersten Weltcupsieg vor Stefano Gross (ITA) und Felix Neureuther (GER). Für den ÖSV setzte es das schlechteste Slalom-Resultat seit 1979. 

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2016 hieß der Sieger wieder Henrik Kristoffersen (NOR). Marcel Hirscher fuhr mit angelaufener Brille zunächst nur auf Rang 22, dank einer Aufholjagd im Finale belegte er Rang zwei. Alexander Khoroshilov (RUS) wurde Dritter. 

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Gleiches Siegerbild, anderes Jahr: 2017 jubelte Henrik Kristoffersen zum zweiten Mal in Folge in Schladming. Der Norweger setzte sich wie 2016 vor Hirscher und Khoroshilov durch. 

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2018 drehte Hirscher den Spieß um und gewann vor Kristoffersen. Besonders in Erinnerung blieb "Schneeball-Gate": Kristoffersen wurde von Zuschauern während seiner Fahrt mit Schneebällen beworfen. Am Ende gab es auch noch eine Sektdusche von Hirscher. 

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Frage: Könnte es sich dabei um ein Abstimmungsproblem handeln?

Feller: Es spielt vieles zusammen. Aber auf ein Rennen bei der Abstimmung etwas zu ändern, ist auch nicht gut. Ich habe auch mich Mike Pircher (Trainer von Marcel Hirscher/Anm.) gesprochen, weil Marcel früher in einer ähnlichen Situation war. Er hat gemeint, sie sind von der Aggressivität zurückgegangen. Darunter leidet aber wiederum der Speed. Und ich will nicht auf Platz 20 landen. Im Training funktioniert es auch, warum sollte ich dann etwas ändern? Ich bin so schnell und will es so ins Ziel bringen, nicht zurückschrauben.

Frage: Woran liegt es dann, dass es im Training funktioniert und im Rennen nicht?

Feller: Man versucht im Training annähernd gleiche Bedingungen zu schaffen wie im Wettkampf. Im Rennen ist es aber einfach anders, weil 100 oder 200 Leute durch den Lauf rutschen. Die Piste verändert sich ganz einfach. In Kitzbühel habe ich in zwei Trainingstagen ein einziges Mal eingefädelt – ganz unten. Ansonsten waren es unglaublich schnelle Zeiten. Hättiwari bringt mir aber auch nichts. Zum Beispiel: Wolfgang Hörl konntest du im Training oft nicht biegen, im Rennen hat er es aber einfach nicht hinunter gebracht. Deswegen darf ich keine Ausreden suchen. Jeder will, dass ich schnell ins Ziel komme – ich selbst am allermeisten. Ich tue wirklich viel dafür, dass es besser wird.

Frage: Lange Zeit um nachzudenken bleibt ohnehin nicht, am Dienstag steht bereits das Nightrace in Schladming auf dem Programm. Wie fühlst du dich hier generell?

Feller: Hier hat es bis jetzt auch noch nicht wirklich geklappt, letztes Jahr bin ich nach einem schlechten ersten Lauf ausgeschieden. Zuhause ist es nicht einfach, von fünf oder sechs Heim-Slaloms ist erst einer aufgegangen – 2014 in Kitzbühel. Sonst ist es immer in die Hose gegangen. Das tut sehr weh, weil man vor allem vor so einem Publikum gute Leistungen bringen will. Dennoch ist der Druck jetzt weniger geworden. Es geht zwar um die WM, ich stehe aber mit dem Rücken zur Wand. Ein 20. Platz bringt mich auch nicht weiter, ich muss voll andrücken.

Frage: Wo würdest du dich von der Form her derzeit sehen?

Feller: Wenn ich so fahre wie ich kann, könnte ich locker unter den Top 5 landen. Das ist das kleinste Problem, der Speed passt. Die Frage ist mittlerweile einfach, ob ich hinunterkomme. Ich habe am Start nie an einen Ausfall gedacht, auch in Kitzbühel war der Start gut. Dann ist es wieder passiert. Mehr als an mir arbeiten kann ich nicht. Vielleicht muss ich ein bisschen vom Skifahren wegkommen. Wenn man Tag und Nacht nur mehr daran denkt, verliert man den Kopf. Ich freue mich auf Schladming und will ein gutes Ergebnis abliefern.

Frage: Du selbst hast gesagt, du brauchst ein gutes Ergebnis in Schladming. Denkst du nicht, dass die Trainer trotzdem wissen, wie schnell du grundsätzlich sein kannst?

Feller: Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn ich in Schladming ausfalle und mich der Trainer trotzdem für die WM nominiert obwohl ein anderer ein gutes Ergebnis ins Ziel bringt, hätte ich ein schlechtes Gewissen. Das würde ich umgekehrt auch nicht wollen. Der mit den besten Ergebnissen soll fahren, nicht der, der im Training schnell ist. Trainings-Weltmeister gab es schon viele, bei der WM musst du ins Ziel kommen. Sicher ist es mein Traum, bei der WM dabei zu sein. Es ist ja so: Meine Chancen, dass ich dabei bin, sind im Riesentorlauf größer als im Slalom. Meine Chancen auf eine Medaille sind im Slalom aber sicher größer. Da sehe ich großes Potenzial, mit Edelmetall nach Hause zu kommen. So gesehen wäre es schade, wenn ich nicht dabei wäre. Wenn ich es nicht schaffe, habe ich es mir aber selbst zuzuschreiben.

"Wenn ich in Schladming ausfalle und mich der Trainer trotzdem für die WM nominiert obwohl ein anderer ein gutes Ergebnis ins Ziel bringt, hätte ich ein schlechtes Gewissen. Das würde ich umgekehrt auch nicht wollen. Der mit den besten Ergebnissen soll fahren, nicht der, der im Training schnell ist."

Frage: Du hast zuvor Marcel Hirscher indirekt angesprochen. Was sagt du eigentlich zu seinem Höllenritt in Kitzbühel?

Feller: Marcels Leistung war unglaublich. Ich habe mir den zweiten Durchgang im Fernsehen angeschaut und mir gedacht: 'Bist du wahnsinnig?! Wie kannst du hier nur so fahren?' - er ist in dieser Hinsicht wirklich einer der Größten. Er hat ja selbst gesagt, er konnte nicht wirklich anders. Sein Ziel ist die große Kugel – mit Kristoffersens Ausfall hat ihm nicht viel passieren können. Dass ein Brite vor ihm war, hat ihn sicher auch geärgert. Mir persönlich hat es voll getaugt. Ich habe zu Dave gesagt, er soll das hinunterbringen. Irgendwann haben wir vielleicht ein Rennen in Großbritannien, wenn er durchstartet (lacht). Er ist außerdem ein cooler Typ, für den Skisport ist es grandios wenn ein Brite in Kitzbühel auf dem Podest steht. Marcel hat es aber sicher ein wenig angezipft, das hat ihn noch mehr motiviert.

Frage: Für Aufsehen hast in Kitzbühel auch du gesorgt, mit deinem grünen Bart. Mittlerweile ist er ab, ist jetzt Schluss mit lustig?

Feller: Ich wusste schon, dass ich der König sein kann wenn es aufgeht – und der Volltrottel wenn es in die Hose geht. Ich bin ja auch nicht dumm. Ich war ehrlich gesagt sogar verwundert, dass die Medien es nach meinem Ausfall so positiv aufgefasst haben. Ich hätte mit einem größeren Shitstorm gerechnet. Aber ich habe es ja nicht gemacht, um Aufmerksamkeit zu erregen. In Kitzbühel herrscht genug Aufmerksamkeit, da hättest du fast lieber weniger. Der einzige Grund waren meine Freunde, ein Zeichen der Gemeinsamkeit. Letztes Jahr entstand im Freundeskreis ein Hype, sie haben sich ein Jahr lang den Kopf zerbrochen, was wir tun könnten. Davor haben sie sich gar nicht für Skifahren interessiert und sind nur wegen mir dabei. Das war der einzige Grund. Man muss aber wissen, wann Schluss ist. Nächstes Jahr stehe ich definitiv nicht mehr mit gefärbtem Bart oben, das mache ich auch sonst nirgends. Vielleicht wieder zum Karriereende. (lacht). Grundsätzlich kann man es nicht jedem recht machen. So lange es Leute gibt, die hinter mir stehen, ist es mir egal was manche andere denken.

Mit dem Motorrad über die Streif:

Textquelle: © LAOLA1.at

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